Von Werner Ross

Unser literarisches Leben wird von Leuten, die saubere Einteilungen lieben, gelegentlich nach „links“ und „rechts“ sortiert. Auch die Literaturkritiker werden in Uniform gesteckt, und so weiß man denn, daß zum Beispiel Hans Egon Holthusen – mit seinem Eintritt in die SS fing es an – „rechts“ ist, Hans Mayer dagegen, der Marxist, der aus der DDR kam, „links“.

Angesichts so bequemer Reglementierungen horcht man auf, wenn das Prinzip einmal über den Haufen geworfen wird – wie in Heinrich Vormwegs Rezension der beiden letzten Essaybände von Mayer und Holthusen, die überschrieben ist „Zwei konservative Kritiker?“ – wobei das Fragezeichen nur eine letzte Vorsichtsmaßnahme darstellt (Süddeutsche Zeitung vom 19. August).

Nach Vormwegs Meinung stammt nicht nur Holthusen aus dem „Reich der höheren Humaniora“ des neunzehnten Jahrhunderts, „von dem aus es bei aller Anstrengung verläßliche Zugänge zu konkreten humanen und gesellschaftlichen Situationen nicht mehr gibt“. Auch Mayer wird getadelt, weil er schon längst nicht mehr von der Literatur als aktuellem Prozeß her und mit der Literatur, sondern aus der Höhe, über sie, schreibe. Er zementiere, wenn auch auf differenzierte Weise, das Bestehende; „seine Position als Kritiker... hat ihr Fundament im Vergangenen, das ihm offenbar zeitlos gültig erscheint“. Aber – so schließt Vormwegs Kritik – „die Literatur selbst hat auch dies scheinbar Gültige längst hinter sich gelassen“.

Die energische und – was Mayer angeht, verblüffende – These gibt Anlaß zur Gegenüberstellung dieser beiden Bücher –

Erich Heller: „Die Reise der Kunst ins Innere und andere Essays“; Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 280 S., 18,– DM.

Hans Egon Holthusen: „Plädoyer für den Einzelnen“ – Kritische Beiträge zur literarischen Diskussion; R. Piper & Co. Verlag, München; 297 S., Paperback, 12,80 DM.