Von Wolf Scheller

Oberbolheim

Verzweifelt versuchte Hauptmann Lutz Tyrkofski aus Kempen, seine Maschine hochzureißen. Doch alles ging viel zu schnell. Das Triebwerk des F 104-Starfighters war ausgefallen. Mit donnerndem Getöse raste die schwere Maschine in die Lagerhalle der landwirtschaftlichen Trockenanlage, durchschlug wie ein Geschoß das zweite Stockwerk und explodierte in der Halle. Hauptmann Tyrkofski, Fluglehrer und Pilot, starb auf der Stelle; sein Flugschüler, Oberleutnant Horst Völter aus Würzburg, konnte noch in letzter Sekunde den Katapultsitz betätigen und wurde nur leicht verletzt.

Das war im Januar 1962. Die bundesdeutsche Luftwaffe verzeichnete ihren ersten unheilvollen Unglücksfall mit dem neuen Starfightersystem. Es blieb nicht bei diesem einen Absturz,

Der Unfallort, eine Trockenanlage am Rand von Oberbolheim, einem 200 Einwohner zählenden Dorf im Dürener Land, nur zwei Kilometer vom Luftwaffenstützpunkt Nörvenich entfernt, wurde sehr schnell zum Ausgangspunkt zahlreicher Streitigkeiten und Querelen, die erst jetzt ihr vorläufiges Ende fanden.

Nach fast fünfjährigem erbittertem Kampf mit den Behörden in Land und Bund setzten die Oberbolheimer durch, aus der gefährlichen Nachbarschaft der Startbahn des Fliegerhorstes Nörvenich verlegt zu werden.

Dabei rührt der Streit zwischen Oberbolheim und den Militärbehörden noch aus der Zeit der britischen Besatzung her. 1955 legte die Royal Air Force den Nörvenicher Flugplatz an, und seitdem leiden die Oberbolheimer unter einer ständig wachsenden Lärmbelästigung.