Kritiker der deutschen Investment-Gesellschaften meinen, daß Bequemlichkeit und Phantasielosigkeit der deutschen Fonds es gewesen sind, die den Einbruch amerikanischer und pseudoamerikanischer Anlagegesellschaften in den deutschen Markt herausgefordert hätten. „Wer etwas verkaufen will, darf nicht warten, bis der Käufer ins Haus kommt. Er muß gesucht und aufgesucht werden!“ so wird behauptet.

Wir, meine verehrten Leser, müssen uns allerdings fragen, ob eine Ware, die uns ins Haus getragen wird, dadurch an Wert gewinnt, und wieviel wir für den neuen Service zahlen müssen. Diese Prüfung ist deshalb aktuell, weil damit begonnen wurde, Zertifikate des Dekafonds (dahinter steht die Sparkassenorganisation) und des Unifonds (wird von einer Reihe privater Banken, darunter den Volksbanken, verwaltet) über Neckermann-Vertreter zu vertreiben.

Eines steht fest: Der Vertrieb deutscher Investment-Zertifikate über die Bankschalter ist ein billiger Weg. Mehr als 5 Prozent Spesen braucht niemand zu bezahlen. Tatsächlich machen viele Banken unter bestimmten Voraussetzungen ihrer Kundschaft bei der Rückgabe der Zertifikate einen besseren Preis, als sie nach den Fonds-Satzungen brauchen.

Wer jetzt aber über Neckermann-Vertreter Unifonds- oder Dekafonds-Anteile bezieht, hat – je nach Höhe der Anlage – Kosten von 9,74 Prozent bis 5,76 Prozent zu tragen. In den Genuß des niedrigen Satzes kommt er jedoch nur dann, wenn er 25 Jahre lang monatlich 1000 Mark in Fonds-Anteilen angelegt hat. Dann besitzt er am Ende seiner Sparzeit 282 730 Mark in Anteilen, hat aber dafür 17 270 Mark an Spesen gezahlt.

Was wird für das Mehr an Spesen von den beiden Fonds geboten? Nach ausländischem Beispiel imitiert man die sogenannten Anlageprogramme. Im Vordergrund steht der Anlageplan. Es wird ein Vertrag abgeschlossen, in dem die beabsichtigte Endsparsumme und die Laufzeit festgelegt werden.

Niemand braucht sich später an diesen Vertrag zu halten. Es besteht sogar ein Rücktrittsrecht innerhalb von 30 Tagen. Das ist wichtig, weil sich manche Leute durch einen redegewandten Vertreter zu Abschlüssen verleiten lassen, die sie bei ruhiger Betrachtungsweise, nicht verantworten können. In den Vertragsbedingungen ist vorgesehen, daß die Zahlungen jederzeit unterbrochen, aber auch Vorauszahlungen geleistet werden können.

Die Endsparsumme ist vor allem für den Vertreter wichtig. Denn nach ihrer Höhe richtet sich seine Abschlußprovision. Gute Vertreter – sie nennen sich auch Anlageberater – sind knapp und deshalb auch nicht billig. Damit sie zu ihrem Geld kommen, wurde folgende Regelung eingeführt: Die erste Zahlung beträgt jeweils zwei Monatsraten. Die gesamten Spesen für den Anlageplan werden im voraus erhoben. Bei 10-Jahres-Verträgen in den ersten 22 Monaten, bei 20- bis 25-Jahres-Verträgen in den ersten 32 bis 35 Monaten. Bei vorzeitiger Beendigung des Vertrages besteht kein Erstattungsanspruch auf die im voraus auf das gesamte Programm gezahlten Spesen.