Gegenputsch oder Bürgerkrieg?

Von Theo Sommer

Seit fünf Monaten herrscht in Griechenland eine Militärdiktatur. Sie gräbt sich immer fester ein auf den Kommandohöhen der Macht. Von einer liberalisierenden zweiten Phase nach den ersten Härten des Umsturzes kann keine Rede sein; das Eigengewicht der Revolution drängt im Gegenteil auf weitere Verschärfung. Die Aussichten sind trübe für Hellas.

Fünf Möglichkeiten zeichnen sich am griechischen Zukunftshorizont ab: eine baldige „türkische Lösung“, also die Rückkehr zur Verfassungsmäßigkeit nach kurzer Offiziersherrschaft; ein vom Palast unterstützter Gegenputsch königstreuer Soldaten; ein Zerfall der Junta; ein selbstzerstörerischer Bürgerkrieg; schließlich die Fortdauer der Obristenherrschaft. Ich fürchte, daß die erste Lösung am wenigsten, die letzte am meisten Wahrscheinlichkeit für sich hat.

Das türkische Vorbild inspiriert manche freiheitlich denkenden Griechen: Militär-Putsch im Mai 1960, Volksabstimmung über eine neue Verfassung im Juli 1961, erste freie Wahlen und Rückkehr zu parlamentarischen Zuständen im September 1961. Doch spricht wenig dafür, daß die Athener Obristen sich an diesen ermutigenden Ablauf halten werden – trotz all ihrer großen Worte, daß es genauso kommen solle.

Zum ersten ist es zweifelhaft, wieviel das Wort der Offiziere wert ist. Der starke Mann des Regimes, Oberst Papadopoulos, gab Ende Juni sein Ehrenwort, daß die Pressefreiheit bald wieder eingeführt werde, Ende Juli wurde es von Informationschef Papakonstantinou feierlich bekräftigt – bis heute jedoch hat sich nichts an dem Zensursystem geändert, das nur in kommunistischen Ländern seinesgleichen hat.

Zum zweiten sind die Versprechen der Militärs, bald zu verfassungsmäßigen Zuständen zurückzukehren, von soviel Wenn und Aber durchlöchert, daß ihrer Ernsthaftigkeit mit gutem Grunde mißtraut werden darf. „Warum sollten wir an Wahlen denken?“ fragte Innenminister Pattakos schon Ende Juni. „Wir glauben, daß wir nach der Revolution in diesem Lande normale Zustände wiederhergestellt haben. Warum sollten wir zu den anomalen Zuständen zurückkehren?“ Ähnliche Äußerungen der Militärs gehen dreizehn auf ein Dutzend.