Von Hansjakob Stehle

Sportsmann, Filmstar oder Diplomat? Auf den ersten Blick ist es schwer zu sagen, wenn man dem drahtig eleganten, trotz seines grau gewellten Haars und seiner 52 Jahre jugendfrisch wirkenden Corneliu Manescu begegnet. In Wahrheit hat der ehemalige Leichtathletikmeister und Sicherheitsgeneral, der heutige Außenminister Rumäniens, von allen drei Typen etwas an sich. Wenn immer sich Kameras oder auch nur neugierige Augen auf ihn richten, erscheint das heiterste, fast schelmische Lächeln auf seinem Gesicht, sprüht Humor aus den kleinen, immer etwas zusammengekniffenen Augen – aber plötzlich blicken sie kühl und sachlich, fast hart, wenn er sich unbeobachtet glaubt, wenn er ins Gespräch – besonders mit Untergebenen – kommt.

Manescu ist der erste Kommunist, den die Vollversammlung der Vereinten Nationen zu ihrem Vorsitzenden gewählt hat: 105 von 113 Stimmen aus Ost und West brachten ihn auf den Präsidentenstuhl des Weltkonzils. Er hat diese neue Rolle so genau bedacht und vorbereitet wie alles in seinem Leben. Zwar gehört es zum Führungsstil der rumänischen Kommunisten, daß sie ihr Privates der öffentlichen Kenntnis mehr entziehen als ihre Genossen im übrigen Osteuropa, aber auch die wenigen Daten, die man kennt, verraten etwas vom stillen, zielstrebigen Aufstieg Corneliu Manescus.

Kommunist – oder das, was man damals darunter verstand – wurde der im Erdölzentrum von Ploesti geborene Sohn eines königlichen Beamten 1936 auf der Universität. Damals, als er in Bukarest Jura und Volkswirtschaft studierte und eine illegale linksradikale Studentenzeitung redigierte, waren die Kommunisten in Rumänien kaum mehr als eine unterdrückte Sekte, die – so gestand Parteichef Ceausescu später, am 9. Mai 1967 – „den konkreten Besonderheiten und dem Kräfteverhältnis innerhalb der rumänischen Gesellschaft nicht immer die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt hat.“

Als sie nach dem Zweiten Weltkrieg mit sowjetischer Nachhilfe zur Macht kamen, gab es in ganz Bukarest nur 70 Parteibuchkommunisten, mit denen nun unzählige Ämter zu besetzen waren. Damals wurde etwa ein Arzt, der heute im rumänischen Außenministerium die Presseabteilung leitet, seiner musischen Neigungen wegen Operndirektor; ein junger Nationalökonom wie Manescu geriet in die Armee, die es vom Einfluß des alten Regimes zu säubern galt. Mit 33 Jahren war er Generalleutnant – gleichzeitig mit dem drei Jahre jüngeren, damals noch ebenso unbekannten Nicolae Ceausescu. Beide avancierten 1948 zu Vizeministern der Verteidigung. Aus dieser Zeit engen Zusammenwirkens stammt ihre Freundschaft.

Nach sieben bewegten Jahren in der Armee fand Manescu 1955 endlich zu seinem eigentlichen Beruf zurück: Als stell vertretender Leiter des staatlichen Plan-Komitees befaßte er sich 1955 bis 1960 mit dem dritten Fünf jahresplan Rumäniens.

Zum erstenmal wurden in aller Stille die Weichen der Wirtschaft auf nationale Selbständigkeit gestellt – während freilich die Zügel im Inneren straff angezogen blieben.