Die Tat glich einem Verzweiflungsschritt: Am Morgen des 20. September rief Major Okonkwo die Mittelwestregion Nigerias zur „Unabhängigen Republik Benin“ aus. Am Abend schon besetzten Truppen der Zentralregierung die neuentstandene Kapitale. Der Fall Benins war ein schwerer Rückschlag für Oberst Ojukwu, den Staatschef der abgefallenen Ostregion Biafra. Erst Anfang August hatten seine Soldaten den Mittelwesten „befreit“.

Vier Tage nach dem Einzug der Bundestruppen berichtete ein Sonderkorrespondent des englischen „Guardian“ aus Benin von ersten Ausschreitungen gegen die Ibos: „Die fast nackten Leichen in den Straßen – bisweilen zwanzig und mehr übereinander – ließen für westliche Augen nicht erkennen, ob es sich um Soldaten oder Zivilisten handelte.“

Oberst Ogbemudia, der neue Herr über Benin, verteidigte sich: Viele Ibos seien als Partisanen erschossen worden. Doch gilt es als sicher, daß beim Einmarsch der Zentraltruppen – zumeist Angehörige des Haussa-Volkes aus dem Norden – auch manch alte Stammesrechnung beglichen wurde. Lagos hat die Ibos inzwischen in Schutzhaft nehmen lassen.

Die Vorgänge in Benin geben einen Vorgeschmack darauf, was die Ibo-Republik Biafra erwartet, sollte ihre Sezession vom 30. Mai dereinst auf militärischem Wege rückgängig gemacht werden. Schon wieder scheint sich das Kriegsglück gegen Ojukwu zu wenden: Er mußte eine Palastrevolution niederschlagen. Truppen der Zentralregierung rücken von Norden weiter gegen Enugu, die Hauptstadt Biafras, vor. Schon rief der Vizepräsident des Weltkirchenrats und Berater Ojukwus, Francis Ibiam, den Ibos über Radio Biafra zu, es sei die Zeit gekommen, tapfer zu sterben.