DIE ZEIT

Der allzu teure Schirm

Die europäischen NATO-Verbündeten haben mit erstaunlicher Zurückhaltung auf die amerikanische Absicht reagiert, nun doch ein Raketen-Abwehrsystem zu errichten – ausgenommen die britische Regierung, die ihrer Verbitterung freien Lauf gelassen hat.

Das Elend von Berlin

Der Rücktritt des Regierenden Bürgermeisters ist mehr als nur ein Berliner Lokalereignis. Denn darin, daß die Stadt an der Spree, die man aus Politikermund jüngst nicht mehr so häufig wie früher als deutsche Hauptstadt apostrophiert hörte, nun ihren Kopf verloren hat, offenbart sich eine dreifache Tragödie: das Scheitern von Heinrich Albertz, das Malaise der Berliner SPD und schließlich, sagen wir es ohne Beschönigung, das Elend der Stadt Berlin.

Wehrdörfer

Zwei Millionen Israelis herrschen zur Zeit über anderthalb Millionen Araber. Israel hat zwar, nach einem Ausspruch Levi Eschkols, an Jordan und Suezkanal seine „natürlichen Grenzen“ erreicht und spart dadurch Geld und Soldaten – aber dafür hat es jetzt im Innern mehr Probleme als vor dem Krieg.

Mißlungene Mission

Der Bundestagsabgeordnete Majonica hat seine undiplomatische Mission in Moskau erfüllt. Wie manche anderen Bonner Politiker vor ihm, war auch er nach Moskau gefahren, um dort festzustellen, wo sich Ansatzpunkte für eine Verbesserung der deutsch-sowjetischen Beziehungen finden lassen – ein durchaus vernünftiges Unternehmen.

ZEITSPIEGEL

Wie alle totalitären Staaten, ist jetzt auch Griechenland zu einer Quelle für politische Witze geworden. Einer der neuesten lautet: Das Ehepaar Pattakos feiert seinen Hochzeitstag.

Ein Kommunist im Weltvorsitz

Sportsmann, Filmstar oder Diplomat? Auf den ersten Blick ist es schwer zu sagen, wenn man dem drahtig eleganten, trotz seines grau gewellten Haars und seiner 52 Jahre jugendfrisch wirkenden Corneliu Manescu begegnet.

Das Kesseltreiben gegen Albertz

Berlin‚ Ende September Am Dienstagmittag fällte Heinrich Albertz seinen letzten einsamen Entschluß als Regierender Bürgermeister.

Notstand - in liberaler Version

Die Diskussion über die Notstandsverfassung ist wieder offen. Die FDP hat einen eigenen Gesetzentwurf ausgearbeitet, und auch einige sozialdemokratische Abgeordnete haben sich mit einem eigenen Entwurf deutlich von der Regierungsvorlage abgesetzt.

Unlust an der Außenpolitik

Bundeskanzler Kiesinger hat den Bericht des Abgeordneten Majonica über dessen Moskaureise ohne Überraschung aufgenommen. Er erwartet von dem Geduldspiel mit dem Kreml zunächst keine Ergebnisse.

Mord am „Mittag“

Die beiden Verleger Springer (60 Prozent der Anteile) und Dr. Betz (40 Prozent) sind auf Augsteins Angebot, ihm für eine bare Million Mark den Düsseldorfer Mittag zu verkaufen, nicht eingegangen.

Mann vom Bau, Mann der Stunde

Das war sein Tag: Leber Day. Bemüht, sich nach mehr als einem Dutzend Verhören vor Mikrophon und Kamera in der ersten informellen Minute nicht zu früh zu freuen, war er doch bereit, am Feierabend diesen „Feiertag“ zu loben.

Sein Ziel war Europa

Die Saarfrage ist Historie geworden, schrieb Johannes Hoffmann vor vier Jahren in seinen Erinnerungen, und er verbarg nicht die Wehmut, daß Freundschaft und Aussöhnung mit Frankreich einen anderen Weg genommen hatten, als er ihn gehen wollte.

Bahnhof ohne Züge, Straße ohne Autos

Selten hat ein Ressortchef die Schwierigkeiten in seinem Ministerium so drastisch geschildert wie jüngst Hans-Jürgen Wischnewski, der Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Der Winter wird hart

London, im September in 63 Jahre alter englischer Ornithologe und der 61jährige Direktor der ostenglischen Eisenbahnen haben am selben Tag eine geharnischte Kritik an der britischen Verwaltung publiziert, und beide haben aus interner Kenntnis der Zustände an der Spitze bestätigt, was die Bürger bei den Nachwahlen wenige Tage zuvor aus ihrer Sicht an der Regierung auszusetzen hatten.

Republikanisches Traumgespann

Die Republikanische Partei könnte bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr durchaus siegen, sofern sie den richtigen Mann gegen Lyndon B.

Von ZEIT zu ZEIT

Zusammenhang mit der UN-Vollversammlung in New York kam der Vietnamdialog zwischen Washington und Moskau sowohl im Plenum als auch hinter den Kulissen wieder in Gang.

Heinrich Albertz trat zurück

Deutschlands Frontstadt zwischen Ost und West erlitt eine Schlappe an der inneren Front: Nach einer neunmonatigen Amtszeit ohne Fortune gab der Regierende Bürgermeister Westberlins, Heinrich Albertz, am Dienstagnachmittag seinen Rücktritt bekannt.

Silberstreif in Aden

Nach den blutigen Wirren der letzten Monate zeigte sich in Südarabien Anfang dieser Woche der erste Silberstreifen am Horizont: Die Chefs der rivalisierenden nationalistischen Partisanenverbände – der „Front für die Befreiung des besetzten Südjemen“ (FLOSY) und der „Nationalen Befreiungsfront“ (NLF), die sich bis zum Wochenende noch blutige Gefechte geliefert hatten – vereinbarten in der ägyptischen Hauptstadt eine Waffenruhe.

Namen der Woche

Luis Carrero Blanco, 64 Jahre, Admiral und seit 1951 Chef der spanischen Regierungskanzlei, wurde von General Franco zum Vizepräsidenten ernannt.

Gefahren für Biafra

Die Tat glich einem Verzweiflungsschritt: Am Morgen des 20. September rief Major Okonkwo die Mittelwestregion Nigerias zur „Unabhängigen Republik Benin“ aus.

Leber will dem Chaos wehren

Lebers verkehrspolitisches Programm – das erste Gesamtkonzept der deutschen Nachkriegsgeschichte – will die deutsche Verkehrmisere bis 1972 aus dem Weg räumen.

Reklame für die KPD?

Die Hamburger Justiz hat dem Rufe dieser Stadt, ein Hort der Liberalität zu sein, neuen Glanz verliehen. Die Große Strafkammer l sprach die Angeklagten Erich Mayer, Franz Ahrens und Hubert Kuschnik frei und beendete damit ein Verfahren, in dessen Verlauf man um die Achtung vor den Grundrechten hatte fürchten müssen.

Wildwest in Mannheim

Ein bärtiger Killer mit Colt und Messer in den Händen beherrscht die Szene; Wildwest in Mannheim. Unter dem Blickfang der Kinoreklame ist es geschehen.

Schlaft schneller

Das ist die Situation in der 1500-Seelen-Gemeinde Schwarzach (Kreis Bühl) und dem 350-Einwohner-Ort Langenwinkel (Kreis Lahr).

Der heilige Antonius bleibt

Verzweifelt versuchte Hauptmann Lutz Tyrkofski aus Kempen, seine Maschine hochzureißen. Doch alles ging viel zu schnell. Das Triebwerk des F 104-Starfighters war ausgefallen.

Dem Kind eine „jetupt“

Am 16. Juli 1947, kurz vor 11 Uhr, kam der Polizist Josef Rietzler in das ramponierte Anwesen Nr. 3 1/2 in dem kleinen Dorf Oberreitnau im Kreis Lindau am Bodensee.

Die Polizei filmte mit

Wie notwendig die Reise in die klassischen Hallen der Kriminalistik war, erfuhr Hamburgs Polizeipräsident Jürgen Frenzel erst bei der Rückkehr von einem Besuch bei Scotland Yard: In seinem eigenen Hause waren zwei Filmspulen, die von der Polizei während der Demonstrationen beim Schahbesuch über ein Fern-Auge der Verkehrsüberwachung auf Ampexstreifen mitgeschnitten worden waren, dreieinhalb Monate der Staatsanwaltschaft vorenthalten worden.

Arko war ein toller Brocken

Margot weiß alles über den Deutschen Schäferhund. Sie diente beim Heereshundedienst, damals in Sperenberg bei Zossen. Sie spricht vom Eisernen Kreuz zweiter Klasse, das man den ve dienten Getreuen an die Lederhalsbänder he tete, von ihrem Ruf als Gemütshunde, deren gute Anlagen man nicht vergeuden dürfe.

Die Stadt ist ihnen zu rot

Manfred Henrich, SPD-Bürgermeister von Saarlouis, ist aufgebracht. Seine Stadt erhält von der Saarbrücker Landesregierung keinen Pfennig aus dem Konjunkturprogramm des Zweiten Bonner Eventualhaushaltes.

Fernsehen: Kontraste erhellen die Wahrheit

Aus Troja schickt Ares den Frauen, als Tausch für die Männer, nichts als den geschabten Staub und die Asche im Krug: An Aischylos’ Orestie mußte ich denken, an die Troerinnen von Euripides, Werfel und Sartre, als ich Morley Safers Vietnam-Film, ein Requiem in Bildern, anschaute.

Gaudeamus-Musikwoche 1967

Mritten im märkisch anmutenden Kiefernwald zwischen Utrecht und Hilversum liegt Bilthoven, ein ebenso reicher wie adretter Villenort.

Berliner Festwochen

Die Berliner Festwochen hatten im Schloßpark-Theater mit Barlogs Inszenierung des Sommernachtstraums einen eher langsamen Start.

Arnold Zweig, die DDR und Israel

Das „Hamburger Abendblatt“ entschuldigte sich spät, aber nobel; der „Berliner Morgenpost“ ging die Entschuldigung nicht ohne einiges Stottern über die Setzmaschinen; der „Düsseldorfer Mittag“ hatte infolge Dahingeschiedenseins keine Möglichkeit mehr, sich zu entschuldigen.

Haß und Happening

Auch wenn wir von deutschen Studenten sprechen wollen, lohnt es sich, vorher einen Blick auf Maos China zu werfen. Die Nachrichten sind verworren, ein abschließendes Urteil ist nicht erlaubt.

Valter Taub: Schwejk

Lange ist in Hamburg schon nicht mehr so Theater gespielt worden: so „entfesselt“ und dabei so präzise, so „total“ und dabei doch noch in den Chargen ausgefeilt.

FILMTIPS

„El Dorado“, von Howard Hawks. Ein Western des großen alten Mannes des amerikanischen action-Films, ein ironisches Remake seines Wayne-Western „Rio Bravo“: zwei gesetzte Haudegen, dem Alkohol ergeben der eine, von einer festsitzenden Kugel und jähen Rückenstichen geplagt der andere, fechten sich noch einmal zusammen durch ein Drehbuch, das weniger Vertrautes wiederholt als durch die Wiederholung vertrauter Western-Muster und Hawks-Topoi diese zu einer magischen Retrospektive auf das amerikanische Kino zusammenstellt, ein Film, der unterhält, aber auch ein Film für Kenner.

ZEITMOSAIK

Eine Madonna mit Jesuskind, die man der Schule Tilman Riemenschneiders oder Veit Stoß’ zuschreibt, wurde in der vergangenen Woche aus der evangelischen St.

Stomps, was ist das?

Ich komme mit Gedichten zu René Hinds. Hinds drückt mir schlanke, hochformatige Bücher in die Hand. Bücher, mit der Hand gesetzt und gedruckt, Pressendrucke.

Lydia Schierning empfiehlt Schallplatten

Der englische Chor wurde in diesem Jahr für würdig befunden, bei den deutschen Bachtagen in Ansbach zu singen. Und die Schallplatte beweist: Die Einladung geschah zu recht.

Boschs Versuchung

In Hertogenbosch wird das Werk eines Alten Meisters und Malers für heute ausgestellt

Nicht verstaubt und rückständig

Im Jahre 1909 forderte der italienische Dichter Marinetti im „Ersten Futuristischen Manifest“, alle Museen (und Bibliotheken) zu verbrennen, weil in ihnen die Geschichte die lebendige Gegenwart bevormunde.

Wen interessieren schon Museen?

Die Öffentlichkeit? Als im Sommer dieses Jahres der Deutsche Museumsbund sich mit einem Memorandum die Lage (Notlage) der deutschen Museen betreffend an die Öffentlichkeit wandte, da hatten in unserer provisorischen Hauptstadt ganze 15 Gäste der Einladung zu einer Pressekonferenz Folge geleistet.

Kunstkalender

„Jawlensky“ (Frankfurter Kunstverein): Diese sehr breit angelegte Retrospektive – 155 Arbeiten, vieles aus Privatbesitz und noch nicht publiziert – halte ich für nützlich, weil sie eine kritische Auseinandersetzung ermöglicht, an der es bisher gefehlt hat.

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