Im August bekam die deutsche Mineralölindustrie kalte Füße: Der Absatz von leichtem Heizöl erreichte nur knapp 800 000 Tonnen, während im gleichen Monat des vergangenen Jahres immerhin 1,8 Millionen Tonnen verkauft worden waren. Die Tanks der Ölfirmen liefen über.

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten – die Heizölpreise wurden gesenkt. Offiziell gab es zwar nur einen „Diskretion“ genannten Rabatt von zwei Mark je 100 Liter (der auch noch bis Mitte September befristet war), in der Praxis fielen die Preise jedoch weit stärker und auch noch über den 15. September hinaus. So konnte man noch Ende vergangener Woche im Hamburger Raum leichtes Heizöl für 11,50 Mark je 100 Liter kaufen. Damit war ein Stand erreicht, der zwar immer noch um knapp 2 Pfennig je Liter über dem der gleichen Vorjahreszeit lag, gleichzeitig aber noch weiter von den rund 15 Pfennig je Liter entfernt war, die die Mineralölindustrie wegen der höheren Kosten – verursacht durch die Nahost-Krise – für gerechtfertigt hält.

Inzwischen scheinen die kalten Füße allerdings den Besitzer gewechselt zu haben. Denn in der letzten Woche haben die Verbraucher wie wild gekauft – die Händler mußten Überstunden machen. Der Herbstbeginn setzte nämlich der Spekulation à la baisse wegen der leeren Tanks ein Ende, denn – der nächste Winter kommt bestimmt.

Nun steigen die Preise wieder, am Wochenanfang mußte man in Hamburg 12,30 Mark je 100 Liter bezahlen. Doch den Verbrauchern bleibt ein Trost: Mit steigender Heizölproduktion kommt wieder mehr Benzin auf den Markt, Und das könnte auf die Treibstoff preise drückan – zuerst bei dem Teil der Produktion. der auf dem freien Markt landet. Darauf aber warten die freien Tankstellen, für die die hohen Preise der Markengesellschaften ein guter Ansatzpunkt sind, wieder stärker ins Geschäft zu kommen. Die „Großen“ 11 könnten dann kaum tatenlos ansehen. hgk.