Von Marietta niederer

Treffpunkt auf „Capri the Magnificent“ zur großen Schau der Bade- und Strandmoden 1968. Motto: „Im, auf und unter Wasser.“ Kennwort: Maremoda, dritter Zweig der italienischen Mode. Zugleich Verleihung des „Goldenen Tiberius“ an sieben Modeschöpfer.

Vorspiel, sonntags zwischen zwölf und ein Uhr, auf der Piazza. Sitzplätze vor vier Café-Uhr, und auf den Treppen vor der Kirche. Alle Laden sind geöffnet, großes Gewühl. Alle halbe Stunde kommen vom Funiculare her neue Gäste. Karren mit Gepäck, vom preziösen Beauty-Case bis zu ausladenden Schrankkoffern, werden in die Hotels gerollt.

Das Verblüffendste für Zuschauer ist da die Herrenmode. Die offen getragenen Hemden in lauter Streifen, leuchtend einfarbig oder weiß, sind immer auf Figur geschnitten, von Abnähern neben der Seitennaht auf Taille gebracht. Breite Ledergürtel mit großen Metallschließen liegen über den Lenden. Die Hosen, zinnoberrot, sonnengelb, türkisgrün, weiß oder längs gestreift, sind makellos geschnitten. Statt Krawatten trägt man breite Gold- oder Silberketten, mit Amuletten behängt. Keine Bärte, dafür lange Koteletten und üppiges Haupthaar: Seeräuber-Look.

Hier ist zugleich erfolgsträchtiger Tummelplatz für nußbraune Mädchen in Mini-Mini-Hemden mit goldenen Ringgürteln über den Hüften oder in Mini-Kilts, echt schottisch kariert, zu hautnahen Pullis. Ein Zopf am Hinterkopf und große Ohrclips. Andere Mädchen laufen in Bali-Wickelkleidern herum.

Mannequins und Dressmen sind eingetroffen. Pierre Cardin streicht mit Gefolge prüfenden Blicks über die Piazza. Paco Rabanne, der Nieten-Kleider-Mann mit Schnauzbart und Koteletten, gesellt sich zum korrekt gekleideten Mode-Kolumnisten des Pariser „Figaro“.

Die beiden Amerikanerinnen, die wie altgewordene Tillergirls aussehen und als Zwillinge in grellgestreiften Kitteln gekleidet sind, mit lila und rosa Spitzhüten wie aus Zuckerwatte, beküssen den taubstummen Greis, der zum Inventar der Piazza gehört. Er, mit roter gehäkelter Trottelmütze, roter Nylonjacke zu Schlotterhosen und roter Umhängetasche, an jedem Finger breite Gold- und Silberringe, wie die Bauchbinden wertvoller Zigarren. Die drei lassen, sich an einem Tischchen nieder, wobei ein Zwergpudel im Arm einer Dame zum Vorschein kommt. Das Hündchen trägt Blumenclips in den Ohren und hat gelackte Krallen.