Von Werner Höfer

Das war sein Tag: Leber Day. Bemüht, sich nach mehr als einem Dutzend Verhören vor Mikrophon und Kamera in der ersten informellen Minute nicht zu früh zu freuen, war er doch bereit, am Feierabend diesen „Feiertag“ zu loben. Der frühe Morgen hatte eine Sitzung des Verkehrsausschusses gebracht: „Wenn abgestimmt worden wäre, hätte mein Programm eine qualifizierte Mehrheit gefunden, wurde mir sowohl von einem CDU-Vertreter als auch von einem SPD-Abgeordneten versichert...“

Am späten Vormittag war eine Pressekonferenz gefolgt, die der Mann der Stunde nach Besetzung und Stimmung als außergewöhnlich empfand: „Es waren fast so viele Journalisten gekommen wie zur Vorstellung der Großen Koalition ...“

Ob Beifall, ob wiederholter „Applaus bei offener Szene“ für einen Minister, der ein kompliziertes und konsequentes verkehrspolitisches Reformprogramm vortrage, üblich oder unüblich sei, vermöge er, der er noch so jung in seinem Bonner Amte sei, nicht zu beurteilen. Georg Leber konnte sich indessen bestätigen lassen, daß eine Sache oder ein Mann schon außergewöhnlich interessant sein müßten, wenn sie der vielköpfigen, röntgenäugigen und hellhörigen,abgestumpften und machtbewußten Hydra namens Bundespressekonferenz eine Sympathiebekundung abzulocken vermöchten. Die ältesten Hasen hatten Mühe, sich zu erinnern, wann das zuletzt geschehen war.

„Wundert Sie diese Resonanz, Herr Minister? Schließlich ist in jedem hochentwickelten Industrieland der Staatsbürger zum Verkehrsteilnehmer denaturiert.“

„Wenn das stimmt, stimmt es auch für mich.“

„Wie nehmen Sie teil am Verkehr: leidend oder handelnd?“