Die Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr fordert für die 1,6 Millionen Arbeiter und Angestellten bei Bund, Ländern und Gemeinden höhere Löhne und Gehälter. Auch bei der Bundesbahn und der Bundespost wird über Einkommensverbesserungen verhandelt. Die Forderungen bewegen sich zwischen vier und fünf Prozent; außerdem drängen die Gewerkschaften auf eine stufenweise Herabsetzung der Arbeitszeit von 44 auf 40 Stunden in der Woche. Die Verhandlungen, die bereits im Juli begonnen und schon einmal ergebnislos abgebrochen worden waren, wurden Ende vergangener Woche erneut vertagt. Und das ist wohl auch das Vernünftigste, was man im Augenblick tun konnte.

Es mag sein, daß die Angehörigen des öffentlichen Dienstes, was die Einkommens- und Arbeitszeitentwicklung angeht, einen gewissen „Nachholbedarf“ haben. Aber Tatsache ist leider auch, daß die öffentlichen Kassen zur Zeit leer sind und die öffentlichen Hände aller Kategorien jetzt die Hauptlast bei der Ankurbelung der Konjunktur zu tragen haben. Höhere Personalaufwendungen im öffentlichen Dienst müssen auf Kosten der so dringend notwendigen Investitionen gehen.

Und auch das ist zu bedenken: Während viele in der Privatwirtschaft beschäftigte Arbeitnehmer in den vergangenen Monaten durch Kurzarbeit und Wegfall von Überstunden echte reale Einkommensverluste haben hinnehmen müssen, sind die öffentlich Bediensteten davon verschont worden. Und auch die Sorge um den Arbeitsplatz ist ihnen fremd geblieben.

Lohnforderungen im öffentlichen Dienst können zur Zeit nur auf wenig Verständnis in der Öffentlichkeit rechnen. kr.