R. Z., Bonn, im September

Der Bundestagsabgeordnete Majonica hat seine undiplomatische Mission in Moskau erfüllt. Wie manche anderen Bonner Politiker vor ihm, war auch er nach Moskau gefahren, um dort festzustellen, wo sich Ansatzpunkte für eine Verbesserung der deutsch-sowjetischen Beziehungen finden lassen – ein durchaus vernünftiges Unternehmen. Ungewöhnlich daran war freilich, daß Majonica schon vorher aller Welt verkündete, er reise in wichtiger Mission. Jedermann wußte: Hier kommt der CDU-Betriebsprüfer der Ostpolitik. Der Mißerfolg war vorauszusehen. Die Sowjets zeigten ihm höflich die kalte Schulter.

Zehn Tage vor Majonica war der SPD-Abgeordnete Eppler in Moskau gewesen, der seine Reise vorher nicht an die große Glocke gehängt hatte. Und ihm hatten sich jene Türen geöffnet, die Majonica verschlossen blieben. Auch Eppler ist nicht als Entspannungsromantiker aus Moskau zurückgekehrt. Sein Urteil lautete: Es sei weder mit raschen noch spektakulären Änderungen der sowjetischen Haltung zu rechnen.

Der Kanzler hat auf Majonicas Bericht – hier sei das vielstrapazierte Wort erlaubt – „gelassen“ reagiert: Er konnte daraus keine neuen Erkenntnisse gewinnen. Obwohl die Verständigung in Moskau ein langwieriges und mühseliges Geschäft sei, sagte der Regierungssprecher, werde die Bundesregierung ihren eingeschlagenen Weg beharrlich fortsetzen.

Dieser Weg ist durch Majonicas unvernünftig hochgespielte Mission nicht etwa leichter geworden. Wer vorher schon der Meinung war, die ganze Ostpolitik sei im Grunde vergebliche Liebesmüh, fühlt sich nun bestätigt und kann sich wieder mit gutem Gewissen dem Nichtstun widmen. Dieser Effekt kommt einem Teil der CDU/CSU-Fraktion nicht ungelegen. Majonica hat ihnen das Alibi geliefert.