Anfang der Woche drohte in Vietnam ein amerikanisches Dien Bien Phu. Nordvietnamesische Artillerie belegte den USStützpunkt Con Thien südlich der demilitarisierten Zone mit einem tagelangen Trommelfeuer, wie es in dieser Stärke seit dem Fall der französischen Dschungelfestung im Jahre 1934 nicht mehr beobachtet worden war.

Mehr als 1000 Tote und Verwundete zählten die Amerikaner m Con Thien seit dem 1. September MS zur Mitte dieser Woche. Der Stützpunkt ist durch den Monsunregen fast völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Selbst achtstrahlige Fernbomber vom Typ B 52 und die Kanonen der 7 US Flotte konnten die feindlichen Geschütze nicht zum Schweigen bringen. Oberbefehlshaber Westmoreland sprach TOII der "größten Konzentration konventioneller Feuerkraft in der Geschichte" Der Lärm der Waffen übertönte das Friedensgeflüster auf den Wandelgängen im New Yorker UN Pilast. Der amerikanische UN Botschafter Goldberg hielt zwar am Donnerstag voriger Woche eine "Friedensrede" vor der Vollversammlung, doch aus Hanoi kam nur ein höhnisches Echo, weil Goldberg die Bedingung Nordvietnams — Einstellung der Luftoffensive — nicht ohne Gegenleistung akzeptieren will.

Der Amerikaner zitierte die Grundsätze der Genfer Indochina Abkommcu von 1954 und 1962, die Washington auch weiterhin zur Basis einer Friedensregelung machen will, ohne freilich freie Wahlen für ein vereinigtes Vietnam zu fordern, und appellierte an alle UNMitgliedsstaaten, sich an der Suche nach einem Frieden in Vietnam "aktiv zu beteiligen".

Sollte dies ein zaghafter Wink an die Sowjetunion gewesen sein, so erteilte Moskau eine klare Absage. In seiner Entgegnung nannte Außenminister Gromyko die Vorschläge Goldbergs einen Tag später "völlig irreführend und verbraucht" und denunzierte die amerikanische Vietnam Initiative vor den Vereinten Nationen als "Seifenblase". Der einzige Weg, den Krieg zu beenden, sei ein Rückzug der "Aggressoren".

Die Sowjetunion jedenfalls hat ihr Engagement soeben erheblich verstärkt: In Moskau unterzeichnete der stellvertretende Ministerpräsident Nordvietnams, Le Than Nghi, am Wochenende ein neues Handels- und Hilfsabkommen: 1968 will die Sowjetunion Flugzeuge, Flugabwehrkanonen, Boden Luft Raketen, Artilleriegeschütze, Handfeuerwaffen, Munition, aber auch Fahrzeuge, 01produkte und andere Güter "entschädigungslos" an Hanoi liefern, Moskau scheint sich auf eine längere Dauer des Krieges einzurichten. Nach einem dreistündigen Treffen der Außenminister Rusk und Gromyko am Rande der UN Vollversammlung hieß es denn auch Anfang dieser Woche: Über Vietnam sei nicht gesprochen worden.