Von Cornelia Jacobsen

München

Bei dem Wort „Schichtunterricht“ drängen sich mir unwillkürlich Assoziationen wie „Schulraumnot“, „Kältefrei“ und „Schulspeisung“ auf – mit einem Wort: Man denkt an die Nachkriegszeit.

In Bayern nun wird man, was diese Gedankenverbindung betrifft, eines Besseren belehrt. Der Schichtunterricht nämlich ist hier in die Wohlstandsphase hinübergerettet worden, hat Tradition bekommen, und wird somit sicher auch die „Talsohle“ noch unbeschadet überleben.

Als ich meine beiden Söhne in Berlin ab- und in München in der Schule anmeldete, sagte mir die Schulleiterin, daß für uns noch eine andere Lehranstalt in Frage käme, die vielleicht sogar etwas näher läge. „Freilich haben’s da Schichtunterricht.“ Mir blieb nur, diesen Vorschlag entrüstet abzulehnen.

Sieben Wochen später dann, nachdem die Schule begonnen hatte, wurde mir der Blick klar. Und ich merkte, was für ein vortrefflicher Schulmann doch der Senator Evers in Berlin ist.

Der Münchener Schulnotstand, so traditions- reich er schon ist, mißfällt nicht nur den Zugereisten : Empörte Eltern erschienen – „heuer zum erstenmal“, wie es in den Lokalnachrichten hieß – mit ihren Kindern im Rathaus und verlangten einen geordneten Schulbetrieb.