Walther Rathenau in seinen Schriften, – Ausgewählt und eingeleitet von Arnold Harttung, Günther Jenne, Max Ruland, Eberhard Schmieder, mit einem Beitrag von Golo Mann: Walther Rathenaus Schriften, Berlin Verlag; 416 Seiten, 25,– DM

Peter Berglar: Walther Rathenau, ein deutscher Jude im Umbruch der Zeit, Vortrag vor der Goethegesellschaft und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Darmstadt; 42 Seiten

Mit einem Schauspiel des Zwanzigjährigen fing es an – es blieb unbekannt. „Die Absorption des Lichtes in Metallen“ war zwei Jahre später das Thema seiner Dissertation. In der „Zukunft“ schrieb Walther Rathenau über Elektrochemie, über Politik, Kunst und Philosophie. Er schrieb zum Tage, und er schrieb über grundsätzliche Fragen. 1911 wandte er sich gegen einen Abrüstungsvorschlag Winston Churchills, und 1913 lehnte er eine neue Heeresvorlage unter der Überschrift „Das Eumenidenopfer“ ab, veröffentlichte aber bald darauf auch „Zur Mechanik des Geistes“ (S. Fischer Verlag, 340 S.).

Der drohende Krieg forderte ihn zu einem „Wort zur Lage“ heraus (Berliner Tageblatt, 31. Juli 1914). Vier Jahre darauf, als die Mittelmächte ein Waffenstillstandsangebot hinausgehen ließen, war es „Ein dunkler Tag“ (Vossische Zeitung). Inzwischen hatte er über die deutsche Rohstoffversorgung im Kriege, über das Aktienwesen und „Die Neue Wirtschaft“ publiziert und „Eine Streitschrift vom Glauben“ verfaßt – ein Bruchteil der großen Fülle von Veröffentlichungen, die dieser Mann durch alle Jahre seines Lebens immer mit neuer Kraft und Spannung darbot.

Man muß vorsichtig sein, will man Walther Rathenau aus seinen Schriften erkennen, denn man muß viele (wenn möglich alle?) lesen. Er war ein engagierter Mensch. Als Junge wollte er Offizier werden. Die Malerei zog ihn an. Schriftsteller ist er gewesen – aber dies neben seiner umfangreichen Arbeit als Industrieller, als Chemiker und Physiker, als Sachverständiger für Finanzfragen. Überdeckt war dies alles von einem tiefen philosophischen Hang zur ästhetischen, moralischen Kritik.

Aber schließlich war Walther Rathenau auch Politiker: er war Teilnehmer an der Konferenz in Spa (1920), Mitglied der Reparationskonferenz, Vertreter Deutschlands beim Wiesbadener Abkommen (Realisierung der Reparationszahlungen), Reichsminister für Wiederaufbau und Reichsminister für Auswärtiges.

Diese Vielfalt des Schaffens und Interessiertseins gehört zum Bilde des Mannes, der wie „ein Prophet im Gehrock“ (so Edgar Vincent Viscount D’Abernon) einherkam und sich nicht scheute, die gründliche Kenntnis von Tatsachen umzudenken in vorausschaubare Entwicklungen und Geschehnisse. „Von kommenden Dingen“ (1917, S. Fischer, 366 S.) und „Was wird werden?“ (ebenda, 1920) sind zwei kennzeichnende Titel seiner publizistischen Arbeit.