Der im Juli begonnene Anstieg der deutschen Aktienkurse um mehr als durchschnittlich 30 Prozent ist erstmals gebremst worden. Es gab einen Rückschlag, der daran erinnerte, daß sich keine Aufwärtsbewegung in gerader Linie vollzieht, genauso wie die Abwärtsbewegung der vergangenen Jahre in Etappen erfolgte.

Von den Banken wird die Korrektur der Aktienkurse als eine technische Reaktion auf die erfolgten kräftigen Steigerungen gewertet. Die berufsmäßige Börsenspekulation, die sich mit Aktien in der Hoffnung eingedeckt hatte, sie rasch zu höheren Kursen weiter verkaufen zu können, hat einen Nasenstüber erhalten. Als nämlich die Kurse in ihrer Aufwärtsbewegung ein zu rasches Tempo vorlegten, stoppten viele Großanleger (Versicherungsgesellschaften, Investment-Fonds usw.) ihre Anlagekäufe. Das Publikum kaufte zwar noch weiter, doch reichten seine Käufe nicht aus, um die Hausse voranzutreiben.

An der Börse sprach sich das rasch herum. Der Berufshandel löste sich von seinen überschüssigen Beständen, die spekulativ eingestellten Teile des Publikums stellten die inzwischen aufgelaufenen Kursgewinne sicher. Zu rückläufigen Kursen wuchs aber sofort die Anlagebereitschaft, so daß von einem gefährlichen Kurseinbruch bisher keine Rede sein konnte.

Kaum jemand ist der Meinung, daß die Hausse an den deutschen Börsen lediglich ein Strohfeuer war. Es wird darauf hingewiesen, daß die Bundesregierung unter allen Umständen einen neuen Wirtschafts-Boom erzwingen und daß sie dabei von der Bundesbank rückhaltlos unterstützt wird. In einer solchen Lage sind schwache Börsen auf die Dauer nahezu undenkbar. Dieser Meinung ist auch die sonst mit Prognosen zurückhaltende Deutsche Bank, wenn sie in ihrem Börsenbericht resümiert: „Insgesamt gesehen dürfte jedenfalls bei einer großen Zahl von Werten, wenn der erwartete wirtschaftliche Aufschwung deutlichere Gestalt annimmt und sich in ersten greifbaren Ergebnissen niederschlägt, mit weiteren Kursverbesserungen zu rechnen sein.“ K. W.