Lahr

In fünfzig Meter Höhe rasen sie über die Kirchturmspitzen hinweg. Das ohrenbetäubende Geräusch läßt Fensterscheiben zerklirren. Alte Menschen bekommen Herzanfälle, kleine Kinder finden keinen Schlaf.

Das ist die Situation in der 1500-Seelen-Gemeinde Schwarzach (Kreis Bühl) und dem 350-Einwohner-Ort Langenwinkel (Kreis Lahr). Die beiden Dörfer liegen 60 Kilometer auseinander. Sie haben nur eines gemeinsam: Die Startbahnen zweier kanadischer NATO-Flugplätze enden wenige hundert Meter vor den Ortsgrenzen. Schwarzachs Bürgermeister Hans Bohner: „Es ist für mich unmöglich, abends den Rundfunk zu hören.“ Und Langenwinkels Ortschef Friedrich Heitz: „Bei uns ist nur in der Nacht zwischen drei und fünf Uhr Ruhe. Man muß schnell schlafen.“

Die Wege, um Ruhe zu finden, sind in den beiden Dörfern allerdings verschieden. Während die Klein-Gemeinde Langenwinkel spätestens 1970 vom Erdboden verschwunden sein wird, wollen die Schwarzacher an der heimischen Scholle festhalten. Hans Bohner: „Wir waren eher da, als der Flugplatz.“

Das Gemeindeoberhaupt weist auf die über tausendjährige Ortsgeschichte, zeigt auf das altehrwürdige Münster und die vielen Fachwerkhäuser. „Das geben wir nicht auf.“ Die lärmgeprüften Schwarzacher machen dem Bund eine andere Rechnung auf. Er soll die Startbahn verlegen. Bohner: 12 Millionen Mark sind immer noch billiger als die Verlegung eines ganzen Ortes.

Der kanadische NATO-Flugplatz Söllingen und das Pendant in Lahr sind Musterbeispiele militärischer Fehlplanungen in den Jahren nach dem Krieg. Beide Basen wurden von den Franzosen angelegt. Und damals kümmerte man sich kaum um die Geräuschempfindlichkeit der deutschen Umwelt.

Die Kanadier, erst nachträglich in das Dilemma verwickelt: „Wir haben schließlich eine militärische Aufgabe zu erfüllen.“ Dennoch lobt Bohner das Entgegenkommen der Flieger: „Samstags und sonntags wird wenigstens der Flugbetrieb gedrosselt.“ Mehr aber ist nicht drin. Für eine neue Startbahn macht sich selbst der Stuttgarter Landtag stark. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Camill Würz: „Das ist unzumutbar.“ Bohner erklärt: „Wenn auch Bonn nicht hört, dann wird ein Sitzstreik vor dem Flugplatzportal veranstaltet.“ Neben Schwarzach sind aber noch drei weitere Gemeinden betroffen, die ebenfalls aus der Startbahnverlegung Nutzen ziehen würden.