Es gibt keine Steigerung des Fahrkomforts: Der Mercedes 300 SEL huscht mit fünf Personen und vollgepacktem Kofferraum im 200-Stundenkilometer-Tempo mühelos über die Autobahn – begleitet vom sanften Plop beim Überfahren der Betonnähte.

Das ist das Spitzenmodell von Daimler Benz, ein hervorragend gefedertes Auto mit zusätzlicher, verstellbarer Luftfederung, die bei starker Belastung Niveau-Ausgleich schafft. Auch bei sehr schlechter Straße oder tiefen Schlaglöchern kann man die Höhe der Karosserie verändern. Zweikreis-Bremssystem und Vierscheiben-Bremsen sind bei diesen Geschwindigkeiten unerläßlich. Automatik, Servolenkung, elektrische Betätigung aller Fenster (vom Fahrersitz wie auch jeweils durch Schalter unter den Fenstern) und Zentralverriegelung – all das versteht sich von selbst bei diesem Luxuswagen zum Preis von 30 000 Mark. Das Auto ist zudem zehn Zentimeter länger als die Modelle 300 SE, 250 S und 250 SE. Fahrgäste im Fond können die Beine ausstrecken.

Der verstellbare Fahrersitz (nach vorn und hinten) läßt sich auch vertikal verändern. Beide Vordersitze sind Liegesitze. Und als sinnvolle Neuerung: Die Zentralverriegelung sperrt beim Zuschließen der Fahrertür automatisch auch die anderen drei Türen, den Kofferraum und den Benzintank (82 Liter).

Der Sechszylinder-Einspritzmotor (170 PS, bei 5400 Umdrehungen in der Minute) braucht bei Höchstleistung viel Benzin. Und zwar: bei sehr schneller Fahrt und vollbeladen knapp 20 Liter auf 100 Kilometer; bei gemäßigtem Tempo auf der Autobahn und zügiger Stadtfahrt, jedoch ohne häufige kraftvolle Schnellspurts, also ohne Kick-down-Effekt, 15 Liter; bei gemächlicher Fahrt auf Landstraßen etwa 13 Liter. Der Einspritzmotor verbraucht auf 1000 Kilometer ungefähr 1,5 Liter Öl.

Der Benzinverbrauch erklärt sich auch durch das Eigengewicht des Fahrzeugs. Der 300 SEL wiegt 1640 Kilo, also nicht ganz so viel wie zwei Volkswagen 1500. Und so ist es denn eigentlich wieder erstaunlich, daß dieser Koloß nicht noch viel mehr Benzin frißt.

Die Sparsamkeit der Einspritzmotoren ist den Vergasermotoren gegenüber (unter anderem) ein entscheidender Vorteil. Das Einspritzsystem dosiert genau die Benzinmenge je Verbrennungsraum. Die Mehrausgabe bei der Anschaffung lohnt sich. Der Mercedes 250 S (mit Vergasermotor) kostet 15 800 Mark, der 250 SE 17 350 Mark. Er hat 150 PS, das sind 20 PS mehr als der 250 S. Dennoch braucht der 250 SE, trotz größerer Leistung, weniger Benzin als der 250 S.

In der Luftfahrt haben sich Einspritzmotore bewährt. Denn Vergasermotore sind noch immer van Vergaserbrand und Vergaservereisung bedroht. In der Kraftfahrt geht eine gewisse Abneigung zum Einspritzmotor auf die Zeit seiner Entwicklung zurück. Damals konnte es passieren, daß die komplizierte Einspritzanlage bisweilen aussetzte. Doch das ist längst behoben.