Ob die 43. Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt, die am vergangenen Sonntag mit dem traditionellen Hup-Konzert abschloß, ein Erfolg war, darüber sind die Meinungen durchaus geteilt. Endgültiges wird man erst auf Grund der Entwicklung der Auftragseingänge in den kommenden Wochen und Monaten sagen können. Immerhin konnten während elf Tagen an die 750 000 Menschen auf dem Frankfurter Messegelände gezählt werden – ein Indiz dafür, daß die Auto-Suggestion immer noch die mit Abstand populärste Spielart der Suggestion ist.

Man könnte es freilich auch anders formulieren, etwa so wie Herr Thomale, der Vorsitzende des Verbands der deutschen Automobilindustrie, dem das Schicksal der deutschen Automobilhersteller von Amts wegen besonders am Herzen liegt. Vor einer Fernsehkamera faßte er seine Eindrücke von der IAA mit den Worten zusammen: „Der Motorisierungwille der Deutschen ist ungebrochen!“ Der Was, bitte? Der „Motorisierungswille?“

Das Vokabular der Verbandsgewaltigen hat sich zwar immer schon von dem Normalsterblicher unterschieden. Wir haben uns schon manche gestelzte Redensart und schon manchen Worthumbug gefallen lassen müssen; aber der „Motorisierungswille der Deutschen“, der „ungebrochene“ zumal, übersteigt denn doch das Maß des Erträglichen. Uns graut vor allem bei dem Gedanken, daß das Beispiel des Herrn Thomale bei anderen Verbands(wort)gewaltigen Schule machen könnte. Die Wortführer der Lebensmittelindustrie hätten künftig, je nach Auftragslage, am „Verdauungswillen“ der Deutschen, die des privaten Bankgewerbes am „Pumpwillen“, des Hotel- und Gaststättenverbands am „Schlaf- und Freßwillen“, die des Brauerbundes am „Trinkwillen“, die der Zigarettenindustrie am „Rauchwillen“, die der Kautschukindustrie am „Gummiwillen“ und so weiter und so fort zu zweifeln.

Der Formulierungs-Wille, ob gebrochen oder nicht, findet seine natürliche Grenze am guten Willen derjenigen, die den Siegeswillen der Deutschen noch lebhaft, allzu lebhaft in Erinnerung haben. bon.