Von Marianne Usko

Sie putzte Bohnen während unseres Gespräches – eine besonders im Rheinland hochgeschätzte Sorte mit sehr langen, dickfleischigen Hülsen, die sich „Ruhm vom Vorgebirge“ nennt. Auf dem Markt von Bad Godesberg war jenes Gemüse an diesem Sonnabend besonders preiswert, das Kilo zu zweiundsiebzig Pfennigen, angeboten worden. Sie hatte zwei Kilo zum Einwecken gekauft.

Bevor sie sich mit dem Bohnenkorb, einer Saftkaraffe und drei Gläsern zwecks Interviews auf die Terrasse begab, behandelte sie im Schlafzimmer ein Abendkleid mit einer Reinigungspaste, in der Hoffnung, einen Fleck am Trägerrand entfernen zu können. Der Verteidigungsminister hatte für 20 Uhr zum Empfang gebeten.

„So geht das fast jeden Tag“, meinte sie beim Bohnenschneiden, „morgens Putzfrau, mittags Köchin, nachmittags Mutter und abends Grande Dame.“

Die Frau, die ihre vielseitigen Funktionen nicht ohne Stolz beklagt, ist Eva de Maizière, Ehefrau des Generalinspekteurs der Bundeswehr, des höchsten Offiziers unserer Republik also. Dem Mann an ihrer Seite verdankt der westliche Teil Deutschlands entscheidend, daß der von Graf Baudissin geprägte Begriff vom „Bürger in Uniform“ praktiziert wird.

Seit vor zwölf Jahren die Bundeswehr – begleitet von der Skepsis der Auguren – zum ersten Male Gleichschritt faßte, hat er sich um die Demokratisierung der Streitkräfte bemüht, um die Verwurzelung von Soldaten und Offizieren in einer Gemeinschaft, die ihnen nach Paragraph 6 des Soldatengesetzes „nicht mehr, aber auch nicht weniger Rechte als den Angehörigen jedes anderen Berufsstandes“ zubilligt.

Ulrich de Maizière – um auf seine Frau zurückzukommen – ist schließlich mitverantwortlich für die Abschaffung des Offiziersburschen; Bursche sein ist ein Amt, das seiner Meinung nach nicht mit demokratischen Grundsätzen zu vereinen ist. Das dürfte eine der wenigen Überzeugungen sein, die so ohne weiteres von seiner Frau nicht geteilt werden,