Zwei Millionen Israelis herrschen zur Zeit über anderthalb Millionen Araber. Israel hat zwar, nach einem Ausspruch Levi Eschkols, an Jordan und Suezkanal seine „natürlichen Grenzen“ erreicht und spart dadurch Geld und Soldaten – aber dafür hat es jetzt im Innern mehr Probleme als vor dem Krieg. Die Araber in den besetzten Gebieten mucken auf, angespornt durch die Haßtiraden algerischer und syrischer Agitatoren, die Guerillas Guevaras Parole von den „zwei, drei Vietnam“ auch in Palästina praktizieren möchten.

Es gibt nicht wenige Israelis, die das Westufer des Jordans besetzt halten oder zumindest nicht an Husseins Wüstenkönigreich zurückgeben wollen, damit dieses Glacis Alt-Israel schützen kann. Aber die arabischen haben die Grenzen Israels nie respektiert. Vorige Woche hat es wieder geknallt. – wohlgemerkt auf altisraelischem Gebiet. Nicht in der Besatzungszone. Eine Art Berliner Mauer am Jordan könnte vielleicht die Infiltration stoppen – aber Bau und Bewachung würden die Kräfte des kleinen Landes übersteigen. Darum besannen sich die Israelis auf ihre ureigenste Erfindung: die Kibbuzim. Mitten im besetzten Gebiet – auf ehemals syrischem und jordanischem Territorium – wollen sie Wehrdörfer bauen.

Die Israelis haben einige Argumente für sich solange arabische Nationalisten weiterhin den revolutionären Volkskrieg predigen, solange weiterhin Bombenleger und Hammeldiebe Israels Grenzen unsicher machen. Noch sind diese Dörfer nur Vorposten in Feindesland. Aber es gibt zu denken, daß zwei an der Stelle entstehen, wo vor 1948 schon einmal jüdische Siedlungen standen. Es sieht ganz danach aus, als wollten sich die Israelis im besetzten („befreiten“) Gebiet auf lange Zeit häuslich einrichten. K. H. J.