Von Petra Kipphoff

Unseren Museen geht es schlecht. Sie haben kein Geld. Aber wen interessiert das schon zu einem Zeitpunkt, wo von den Universitäten bis zu den Hühnerzüchtereien jeder zu wenig Geld hat?

Die Öffentlichkeit? Als im Sommer dieses Jahres der Deutsche Museumsbund sich mit einem Memorandum die Lage (Notlage) der deutschen Museen betreffend an die Öffentlichkeit wandte, da hatten in unserer provisorischen Hauptstadt ganze 15 Gäste der Einladung zu einer Pressekonferenz Folge geleistet.

Interessiert es die Behörden? Die „Richtlinien für die Erziehung und den Unterricht in den Klassen 7 bis 9 der Volksschule“, herausgegeben von der Freien und Hansestadt Hamburg, enthalten zum Thema Kunstunterricht die geflügelten Worte „Kunstwerke, die in Inhalt und Form Jugendlichen zugänglich sind, sollten betrachtet werden. Um die Kunst der Gegenwart kennenzulernen, können vor allem die Werke herangezogen werden, die für Schulneubauten geschaffen wurden“ – Kunst am Bau statt Museum, so scheint es.

Und wie steht es mit jedem einzelnen von uns? Wer hätte es schon erlebt, daß, wenn es galt, einem verregneten Sonntagnachmittag seine bessere Seite abzugewinnen, jemand in den Ruf „auf ins Museum“ ausgebrochen wäre?

Die Notlage der deutschen Museen ist, so scheint es, ein Thema mit Variationeil.

Die Museumsdirektoren halten sich an die Variation finanzielle Notlage. Und wirklich: Professor Hentzen, der Leiter der Hamburger Kunsthalle, kann mit einem Jahresetat von 300 000 Mark (Verwaltungskosten gehen extra) ebensowenig an ernsthafte Anschaffungen denken wie in Köln Professor von der Osten, dem für sieben Museen offiziell 600 000 Mark zur Verfügung stehen. Wenn Hentzen trotzdem 1964 einen Lorrain für 800 000 Mark und von der Osten einen Mondrian für 420 000 Mark anschaffen konnten, so nur deshalb, weil es ihnen gelang, außerplanmäßige Spender zu mobilisieren.