Die Vernunft ist der einzige Zwang, dem man sich ohne Verlust an Ansehen beugen kann.

Walter Boehlich

Madonnen-Diebe

Eine Madonna mit Jesuskind, die man der Schule Tilman Riemenschneiders oder Veit Stoß’ zuschreibt, wurde in der vergangenen Woche aus der evangelischen St. Michaelskirche in Unterhohenried (Unterfranken) gestohlen. Die Diebe haben sich nicht auf irgendein vages Unternehmen eingelassen: Der Wert des 45 cm hohen Kunstwerkes wird auf 50 000 Mark geschätzt. Man hätte gedacht, daß spätestens seit dem spektakulären Raub der Riemenschneider-Madonna in Volkach die Kirche in Erkenntnis der Tatsache, daß sie die Moral dieser Welt nicht ändern kann, ihre Kunstschätze etwas besser sichert. Hier sind nämlich ein paar Schrauben wirkungsvoller als fromme Gebete.

Moskaus neue Museen

Der Kreml hat zwei neue Museen bekommen: Im „Patriarchenpalast“ (entstanden 1656) wird angewandte Kunst des 17. Jahrhunderts gezeigt, in der „Zwölf-Apostel-Kathedrale“ sind vor allem Ikonen und Handschriften des 17. Jahrhunderts zu sehen. Mit diesen neuen Museen, die anläßlich des bevorstehenden 50. Jahrestages der Oktoberrevolution eröffnet wurden, hat sich die Zahl der Kreml-Museen auf sechs erweitert. Zu den bisherigen Museen gehört auch eines, in dem die Geschenke aufbewahrt werden, die die Sowjetunion während ihrer fünfzigjährigen Existenz erhalten hat, von In- und Ausländern. Vor allem dieses Museum wird Anfang November mit einer Erweiterung seiner Bestände rechnen können.

Schulmärchen

In Zell bei Kirchberg (Niederbayern) haben 42 katholische Eltern ihrem Bischof gedroht, sie würden evangelisch werden, wenn er sie nicht bei der Erhaltung ihrer Zwergschule unterstützen wolle. Die Regierung von Niederbayern hatte die Zwergschule zu Beginn des neues Schuljahres aufgelöst. Statt ihre Kinder in eine Mittelpunktschule zu schicken, lassen die renitenten Eltern ihnen jetzt von Privatleuten in der alten Schule Märchen vorlesen. Das bischöfliche Ordinariat in Passau will versuchen, den Streit gütlich zu schlichten, ohne die Zwergschule wieder zu öffnen. Die Rolle der guten Fee war früher doch wohl leichter: Ihrem Spruch beugte man sich ohne Widerrede.