Mehr Vertrauen als Mißtrauen – Erfahrungen der Ärzte

Von Sybil Gräfin Schön leklt

Wenn wir glauben, ein Problem gelöst zu haben, stehen wir vor dem erschreckenden nächsten. Dieser Satz fiel in einer Beratungsstelle; er bezog sich auf die Ovulationshemmer, im Volksmund „Antibabypille“ oder kurz „die Pille“ genannt.

Diese Pille, keine fünf Millimeter im Durchmesser, scheint von Problemen nur so umwuchert zu sein. Die prinzipielle Auseinandersetzung zwischen Medizinern, Theologen und Politikern ist fast vergessen; jetzt geht es um anderes:

  • Männer fürchten die Entfesselung ihrer bislang treuen Frauen.
  • Gatten und Geliebte beklagen den angeblichen Verlust der Lust bei ihren Frauen.
  • Moralisten warnen vor hemmungslosen Orgien zwischen Schulbänken.
  • Schlagzeilengläubige zittern vor immer frisch entdeckten Nebenwirkungen.

An Illustriertenruhm übertrifft die Pille allmählich weiland Soraya. Das Medikament spielt in die Gleichberechtigung und ins Scheidungsrecht hinein; es animiert Gesellschaftskritiker zum Entwurf einer neuen Moral; es gibt humoristische und todernste Unterhaltungsromane über die Pille; Leserinnen von Frauenmagazinen verraten, wie sie das tägliche Einnehmen nicht vergessen; Apotheker werfen Pillenkäuferinnen immer noch den „Auch-du,-meine-Tochter?“-Blick zu. Und die internationale pharmazeutische Industrie setzt bei uns monatlich etwa drei Millionen Mark mit Pillen um: 600 000 mal im Monat gibt eine Frau fünf Mark für 28 Tage Sicherheit aus.

Das war der Anfang des Problems: Sicherheit für die Frau, die zuvor zwischen Enthaltsamkeit, Abtreibung und nicht hundertprozentig zuverlässigen Schutzmitteln zu wählen hatte. Von Anfang an wurde auch betont, daß die hormonale Antikonzeption im gemäßigten Europa nichts mit Bevölkerungspolitik zu tun habe.