FÜR jeden, der die Gelegenheit wahrnehmen will, aus einem Buch vieles zu erfahren über bestimmte Berufe, über aktuelle politische Fragen, über Berühmtheiten und über den Ruhm und nicht zuletzt über den Geisteszustand der deutschen Jugend – eine Menge auf einmal also:

„Wie stehen Sie dazu?“ – Jugend fragt Prominente, herausgegeben von Manfred und Barbara Grunert, Vorwort von Rudolf Ossowski; Scherz Verlag, München; 222 S., brosch. 12,80 DM.

ES ENTHÄLT sechzehn Schulklassengespräche aus einer 1951 vom Schulfunk des Senders RIAS-Berlin begonnenen Serie, die plötzliche Publizität gewann durch die Veröffentlichung eines dekuvrierenden Gesprächs mit Eugen Gerstenmaier (das selber in dieses Buch nicht aufgenommen werden durfte – an seiner Stelle steht ein glimpflicher verlaufenes Gespräch mit ihm). Die Interviewten sind außerdem Hermann Josef Abs, Asher Ben-Natan, Willy Brandt, Otto Dibelius, Werner Henze, Klaus Kammer, Joseph Keilberth, Robert M. W. Kempner, Friedrich Luft, Yehudi Menuhin, Ludwig Rosenberg, Martin Walser und Gerhard Zwerenz.

ES GEFÄLLT, weil die Schüler, meist vorzüglich vorbereitet, vor keiner Prominenz in Ehrfurcht erstarrten; und weil die meisten Befragten (und die Ausnahmen zu registrieren ist ebenfalls lohnend) sich in ihren Antworten ebenso unumwunden auszudrücken genötigt sahen wie die Frager: Die Barrieren aus Formeln und Phrasen, die offiziellere öffentliche Gespräche so unmenschlich und unleidlich steril machen, sind hier zu einem großen Teil abgebaut. D. E. Z.