Von Karl-Heinz Jan Ben

Der Lenin-Friedenspreisträger Martin Niemöller, der im Frühjahr bei einem Besuch in der Sowjetunion seine russischen Bekanntschaften auffrischte, hat Anfang Oktober einen Appell unterzeichnet, dessen unausgesprochener Zweck es ist, bei den Mächtigen im Kreml "menschliche Empfindungen" aufzurühren: Die Sowjets sollen endlich dem letzten deutschen Kriegsgefangenen der Alliierten, Hitlers "Stellvertreter" Rudolf Heß, die Freiheit schenken. Niemöller ist gewiß auch in den Augen der Sowjets ein unverdächtiger Fürsprecher, denn das Regime, dem Heß noch heute nicht die Treue brechen will, hatte seinerzeit den unbequemen Pastor Niemöller ins Konzentrationslager gesteckt.