Von Kurt Wendt

Bei den Fischen stinkt es, so sagt man an der Küste. Damit ist nicht der dem „Segen des Meeres“ von Natur aus anhaftende Geruch gemeint, sondern es wird auf gewisse Vorkommnisse gezielt, die auch dem Binnenländer zeigen, daß in der deutschen Fischwirtschaft trotz jahrelanger staatlicher Beihilfen noch längst nicht alles in Ordnung ist.

Im Frühjahr überraschte die Norddeutsche Hochseefischerei AG, Bremerhaven, mit der Nachricht, daß im Jahr 1966 keine Dividende erwirtschaftet worden sei. Im Jahr zuvor waren noch zehn Prozent ausgeschüttet worden. Begründet wurde das schlechte Jahresergebnis mit der Änderung bisheriger Bilanzierungsgewohnheiten. Ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz vertrat auf der Hauptversammlung die Ansicht, daß der Abschlußprüfer wegen ungenügender Erläuterung wichtiger Vorgänge den Abschluß hätte nicht testieren dürfen. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Vorstandsmitglied der mit der Seefischerei besonders vertrauten Geestemünder Bank, Heinz Sieghold, ließ mitteilen, daß er bei der Feststellung des Jahresabschlusses nicht mitgewirkt hat. Er verzichtete auf seine Wiederwahl. Der Fischereiplatz Bremerhaven hatte seine Sensation.

In Cuxhaven kam es jetzt zu einem handfesten Skandal. Fristlos entlassen wurde am 4. Oktober der bisherige Direktor der landeseigenen Seefischmarkt Cuxhaven GmbH, Heinz Diestel, bis vor kurzem noch SPD-Oberbürgermeister der niedersächsischen Hafenstadt an der Elbmündung.

Was im einzelnen der Grund für eine so harte und ungewöhnliche Maßnahme war, wird gegenwärtig erst in Umrissen erkennbar. Mit dem Hinweis, nicht in ein schwebendes Verfahren eingreifen zu wollen, bewahrt der niedersächsische SPD-Finanzminister Kubel Stillschweigen. Bis jetzt steht nur fest, daß Diestel ohne Unterrichtung des Aufsichtsrats seiner Gesellschaft einer anderen großen Firma in Cuxhaven Kredite gewährt haben soll, die letztlich der landeseigenen Fischmarkt-GmbH einen Verlust von 400 000 Mark eintrugen.

Als „Maßnahmen“ nicht zu umgehen waren, beließen es die Parteifreunde in Hannover zunächst bei einer Rüge und bei der Verpflichtung, 220 000 Mark in monatlichen Raten von sage und schreibe nur 500 Mark zurückzuzahlen. Diestel hat – ohne Berücksichtigung von Zins und Zinseszinsen – also mehr als 36 Jahre lang Zeit, den von ihm verschuldeten Verlust wiedergutzumachen. Nicht immer ist der Staat so geduldig, wenn es um die Eintreibung von Forderungen geht.

Sorgen ganz anderer Art hat der Fischmarkt Hamburg-Altona. Hier geht es nicht um kriminelle Dinge, sondern um den Ruf des Wirtschaftssenators Helmuth Kern als Wahrer von rund fünf Millionen Mark Steuergeldern, die von der Hansestadt Hamburg nach und nach der Cranzer Fischdampfer AG, Hamburg-Altona, zur Verfügung gestellt worden sind – in der Hoffnung, mit diesen Mitteln die größte Hamburger Fischdampfer-Reederei auf gesunde Füße zu stellen. Und der Erfolg? Die Reederei müßte jetzt Konkurs anmelden, wenn sich der Hamburger Senat nicht entschlossen hätte, weitere fünf Millionen Mark zur Sanierung aufzuwenden, obwohl er genau weiß, daß auch damit das Problem nicht gelöst werden kann.