Vor den Klappentexten des Suhrkamp Verlalages habe ich leider in nicht wenigen Fällen geistig versagt. Die Verlagsankündigung zum Gantenbein-Roman von Max Frisch hat ein Trauma hinterlassen: Ich sah eine äußerst gebildete und steile Prosa, die mir zuviel abverlangte, weshalb ich es aufgab. Dann las ich den Roman, kam eigentlich ganz gut mit ihm zurecht, las hinterher den Klappentext, den ich nun schon besser verstand, aber bis heute eigentlich geistig nicht so recht bewältigen konnte.

Bei der Voranzeige zum „Einhorn“ von Walser war das Versagen nicht ganz so kraß, aber es ging doch ähnlich dabei zu.

Auch muß ich zu meinem Bedauern feststellen, daß meine Wertvorstellungen mit denen der Frankfurter Lektoren offensichtlich nicht übereinstimmen. Da kommt jetzt ein schmales Bändchen: Gregor Laschen, „Ankündigung der Hochzeitsnächte“. Der Klappentext beginnt so:

„Dies erste Buch eines Autors ist ein Glücksfall für die deutsche Literatur.“ Ich habe trotzdem weitergelesen und erfuhr dann noch:

„Der Autor gehört mit Peter Handke zu jener jungen Generation von Autoren, die mit ihren Erfindungen sehr bewußt und zielstrebig wieder darauf hinweisen, aus was Literatur, aus was Dichtung gemacht ist: aus Sprache.“

„Zielstrebig“ – in der Tat. Väterchen Ernst Rowohlt pflegte in seinem Verlag solche Klappentexte mit dem Fachausdruck „Schmonze“ zu etikettieren. Das war eine etwas kühne Singularbildung zu dem Ausdruck „Schmonzes“. Seitdem heißt es bei Rowohlts im Drange der Geschäfte: „Wir müssen für das neue Buch noch eine Schmonze schreiben.“ Die fällt dann manchmal auch in Hamburg so hochgestochen aus wie in Frankfurt. Ich meine aber: eine Schmonze muß sich nicht unbedingt lesen, als habe Ludwig Wittgenstein persönlich sie verfaßt. Man gebe es billiger und spreche auch nicht von Glücksfällen der Literatur, selbst wenn es sich um solche handeln sollte.

Ärger über Bücher seit der letzten Buchmesse? Nicht bloß beim Anblick allzu literarischer, nach Henry-Miller-Ehren strebender Spiele, mit dem Ellenbogen. Oder beim Lesen noch eines seraphischen und säuselnden Büchleins über Hofmannsthal (in Rowohlts Monographien).