Von Alexander Rost

Vielleicht lag’s einfach daran, daß wichtige oder auch nur eindrucksvolle Nachrichten am Sonntag abend spärlich sprießen. Jeder Journalist, auf Tagesaktualität erpicht, erfährt das vierdutzendmal im Jahr: Übers Wochenende passiert nichts; und weil nichts passiert, wird auch Nebensächliches gedruckt oder gesendet. Vielleicht aber war’s Zufall. Da saß, wie der Schichtdienst es befiehlt, kein seminarfrischer, sondern ein nicht mehr ganz junger Redakteur am Desk, an jenem Tisch, an dem entschieden wird, was überhaupt und in welcher Form veröffentlicht wird. Vierzig- und Mehrjährige immerhin horchen heute noch auf, wenn der Name Hans-Joachim Marseille aus der Erinnerung auftaucht. Jedenfalls hat die „Tagesschau“ des Fernsehens am vergangenen Sonntag abend darüber berichtet: Piloten von einst hüben und drüben haben sich getroffen und des Hauptmanns Marseille gedacht. Seine Mutter war dabei. Ein Vierteljahrhundert danach.