Die Boswau & Knauer AG, Düsseldorf, eine Gesellschaft, die in letzter Minute von der gewerkschaftseigenen Bank für Gemeinwirtschaft vor drohendem Konkurs gerettet worden war, scheint jetzt die Talfahrt beendet zu haben. Das heißt nicht, daß das Unternehmen, weitgehend im Besitz der gewerkschaftseigenen Deutschen Bauhütten GmbH, schon aus den roten Zahlen heraus ist. Der Umsatz dürfte 1967 sogar noch weiter auf 200 (207) Millionen Mark sinken.

Die freien Aktionäre, die noch 1,6 bis 1,8 Millionen des 40 Millionen betragenden Aktienkapitals in Händen haben, müssen noch mindestens drei, wahrscheinlich aber fünf Jahre warten, ehe Boswau & Knauer wieder dividendenfähig ist. Der begreifliche Wunsch, vom Großaktionär „abgefunden“ zu werden, fand bisher keine Gegenliebe. Da die Kleinaktionäre also auf Gedeih und Verderb mit dem Unternehmen verbunden bleiben, ist ihnen daran gelegen, daß die Schuldigen, die für die Misere bei Boswau & Knauer durch ihre leichtfertige Expansionspolitik verantwortlich sind, gehörig zur Ader gelassen werden. Ob das gelingt, bleibt vorerst ungeklärt. Noch hat der Staatsanwalt keine Anklage erhoben.

Verärgert sind die Aktionäre darüber, daß vor einer Dividendenzahlung ein sogenannter „Besserungsschein“ auf Kreditforderungen bedient werden muß, der sich im Portefeuille der Bank für Gemeinwirtschaft befindet. Was wäre aber geschehen, wenn die Bank auf der termingerechten Erfüllung ihrer Forderungen bestanden hätte? Jetzt gewinnt die neue Verwaltung Zeit, die Unternehmensgruppe zu straffen (1000 Beschäftigte wurden entlassen) und sich um lohnende Aufträge zu bemühen, in Zeiten der konjunkturellen Flaute sicherlich keine leichte Aufgabe.

Immerhin ist es gelungen, inzwischen für ein für 8 bis 9 Monate reichendes Auftragspolster zu sorgen. Vermutungen, daß die Gesellschaft bei der Auftragsvergabe begünstigt wird, weil sie fast ausschließlich unter Gewerkschaftseinfluß steht, wies der Aufsichtsratsvorsitzende, Walter Hesselbach, Chef der Bank für Gemeinwirtschaft, weit zurück. kw