Der kuriose Vorschlag eines Privatgelehrten, die Welt gesitteter zu machen

Von Hans Peter Bull

Das Geld regiert die Welt“, heißt es in Ben Jonsons „Volpone“; und Schiller sagt in einem Gedicht „an die Freunde“: „Und es herrscht der Erde Gott, das Geld.“

Wie idyllisch wäre die Welt, wenn man diese Regierung absetzen, diesen Götzen entthronen könnte! So träumen immer wieder Philosophen und Weltverbesserer. Bisher hat freilich noch niemand gesagt, wie man das Geld ersetzen könnte, und selbst die sozialistischen Länder können nicht auf den Mammon in Papier und Metall verzichten. Gleichwohl findet die Vorstellung, daß das Geld die Wurzel vielen Übels sei, stets neue engagierte Propagandisten. In einem kürzlich erschienenen Buch lesen wir: „Das Geld ist nicht nur eine Einrichtung ganz einmaliger und mit nichts zu vergleichender Art, es ist auch allen anderen Einrichtungen vor- und übergeordnet, und zwar absolut.“ Das Geld „beherrscht“, so heißt es dort, nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Menschen und Organisationen, Institutionen, Parteien, Vereine und so weiter –

Der Karlsruher Privatgelehrte Dr. Hans Georg Amsel, aus dessen Feder die Zitate stammen, ist zu seinen kühnen Feststellungen durch die Überlegung gekommen, wie man die Kriminalität wirksamer als bisher bekämpfen könnte. Er fand den „Generalnenner der Kriminalität“ im Gelde (womit er das Bargeld meint, nicht das Geld als Wertmaßstab). Bei den „großen“ Straftaten wie dem englischen Postzugraub von 1963 interessierte sich die Öffentlichkeit allein nur für die Verbrecher und ihre Handlung, nicht aber für „das Objekt und das in diesem verborgene Problem“, nicht für das auslösende Moment, sondern „nur“ für die Handelnden. Das Problem, das in jenem Postzug „verborgen“ war, eben das „Geldproblem“, ist nach Ansicht von Amsel „das entscheidende Problem der heutigen Kriminalität überhaupt“. Sein Buch heißt deshalb „Geld und Kriminalität“ (Hünenburg-Verlag, Burg Stettenfels bei Heilbronn).

Todesstoß versetzen...

Hinter vielen, „wahrscheinlich sogar hinter den meisten Straftaten“, stehe die „Gier nach dem Gelde“. Wo nicht gerade, wie bei Überfällen auf Banken, Geldbriefträger, Kassenboten und Taxifahrer, das bare Geld selbst weggenommen wird, gehe es doch meist „indirekt um Geldraub“; denn das geraubte, gestohlene, unterschlagene, erpreßte oder ertragene Gut solle letzten Endes doch immer in Geld verwandelt werden. So laufe schließlich „trotz der großen Unterschiedlichkeit der Beweggründe alles beim Gelde zusammen“.