Unser Kritiker sah:

DER ARME MANN LUTHER

Schauspiel von Leopold Ahlsen

Schloßtheater in Celle

Leopold Ahlsens jüngstes „Schauspiel in drei Akten“ ist der dritte Aufguß eines einstmals fesselnden Hörspiels.

Martin Luther blickt in der Nacht vor seinem Tode zurück auf ein Leben, das die Welt verändert hat. Die Partner seines persönlichen Werdegangs erscheinen im reflektierenden Bewußtsein des Sterbenden, entscheidende Situationen werden noch einmal durchgespielt. Zum Schluß begegnen sich der abgedankte Kaiser Karl V. und der Reformator in einem Traumgespräch. Just der katholische Kaiser muß das evangelische Gewissen Luthers beruhigen: „Nie mehr wird eine Institution unabänderlich wahr und allein seligmachend sein... Es gibt keine Sicherheit mehr. Aber Gott kann nicht verschwinden. Er ließ eine neue Weltzeit zu ... Nimm es hin. Beuge dich ihm.“ Diese Erkenntnis scheint auch Leopold Ahlsens Fazit zu sein.

In einer für die Bühne mühsam zusammengerafften, dreistufigen Entwicklung erscheint der Mensch Luther eher als ein Irrlicht denn als ein Licht der neuen Zeit.