Drei Monate lang konnten sich die 130 weißen Söldner und 950 schwarzen Katanga-Gendarmen, die im Juli angeblich wegen eines Soldrückstandes gegen General Mobutu gemeutert hatten, in Bukavu halten. Dann mußten sie sich unter den heftigen Attacken der kongolesischen Nationalarmee über den Kivu-See in den Nachbarstaat Ruanda zurückziehen. Mobutu forderte die Auslieferung der Rebellen.

In letzter Minute hatte sich dem Söldnerführer Jean Schramme, der Bukavu am 8. August erobert hatte, noch Hoffnung auf Entsatz geboten. Sein Mitkämpfer Bob Denard, der nach einer Verwundung im Juli nach Rhodesien entkommen war, fiel Anfang voriger Woche mit einem Stoßtrupp von der benachbarten portugiesischen Kolonie Angola in die Kupfer-Provinz Katanga ein, wurde aber zurückgeschlagen.

Den Söldnerkrieg im Kongo, der Mitte der Woche auch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschäftigte, hatte das Internationale Rote Kreuz auf Geheiß der „Organisation für afrikanische Einheit“ (OAU) mit friedlichen Mitteln beilegen wollen. Die Söldner sollten von Bukavu auf die Mittelmeerinsel Malta und von dort in ihre Heimatländer gebracht, die Katanga-Gendarmen mit ihren 600 Frauen und Kindern nach Sambia evakuiert und dort als Landarbeiter angesiedelt werden.

Schramme wollte jedoch erst dann die Waffen Strecken, wenn er feste Sicherheitsgarantien besaß. Mobutus Krieger griffen inzwischen zur Selbsthilfe. Mörser und Flugzeuge nahmen Bukavu vor vierzehn Tagen unter massiven Beschuß.

Immer wieder wurde Moise Tschombé als heimlicher Drahtzieher hinter den Aktionen der Söldner vermutet. Der frühere kongolesische Ministerpräsident war im Juni nach Algerien entführt worden. Seine Freilassung sei „nur noch eine Frage der Zeit“, berichtete jetzt der von Tschombés Frau beauftragte Anwalt nach einem Gespräch mit dem algerischen UN-Botschafter. Die algerische Regierung habe beschlossen, Tschombé nicht an den Kongo auszuliefern, wo er im März in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war.