Reichlich fünf Monate nach dem arabisch-israelischen Konflikt drohte im östlichen Mittelmeerraum abermals Krieg. Auf Zypern lieferten sich Griechen und Türken Mitte voriger Woche ein siebenstündiges Gefecht um zwei Ortschaften, das 27 Todesopfer forderte. Die auf der Insel stationierte UN-Truppe konnte die Ruhe nur mühsam wiederherstellen. Doch flackerten Schießereien immer wieder auf.

Die NATO-Partner an der Südostflanke Europas – seit der arabischen Niederlage von einer starken Mittelmeerflotte der Sowjets bedroht – zogen blank: Griechenland und die Türkei versetzten ihre Truppen in Alarmbereitschaft und ließen sie an den Landesgrenzen aufmarschieren. Türkische Bombenflugzeuge überflogen Zypern, türkische Kriegsschiffe nahmen Kurs auf die Insel. In der Hauptstadt Nikosia machte man sich auf eine Intervention gefaßt.

Die Hochspannung klang auch dann nicht ab, als am Wochenende General Grivas die griechisch-zypriotische Nationalgarde zurückzog. Athen hatte unter dem Druck eines Ultimatums aus Ankara Befehl gegeben – über den Kopf des zypriotischen Präsidenten Makarios hinweg.

Der bärtige Erzbischof hatte gerade diskrete Kontakte zu Ankara und zur türkischen Minderheit auf der Insel geknüpft, um den vier Jahre alten Zypern-Konflikt durch eine „unabhängige Lösung“ (Le Monde: „formule d’independence“) aus der Welt zu schaffen. Da schlug Grivas, ein fanatischer Anhänger der Enosis (Anschluß Zyperns an Griechenland) dazwischen.

Die griechische Offiziersjunta – um ihre internationale Reputation besorgt – rief den General nach Athen, und bekundete ihr Interesse an einer Beilegung des Konflikts. Nach dem ergebnislosen Treffen zwischen dem türkischen Ministerpräsidenten Kollias Mitte September hatte die griechische Regierung freilich selber nationalistische Töne angeschlagen und die alte Enosis-Forderung wiederholt.

Die Türkei dagegen – von der Sowjetunion unterstützt – besteht auf einer „doppelten Enosis“: Ein Teil der In sei soll an Griechenland, der andere an die Türkei angeschlossen werden. Als einzige Alternative kommt für Ankara nur die Unabhängigkeit der Insel in Frage – sofern der Türkei ein Militärstützpunkt und den türkischen Zyprioten die völlige Autonomie eingeräumt wird. Diesen Standpunkt teilt Makarios, der die Athener Junta nur stillschweigend toleriert. („Wir müssen mit allen griechischen Regierungen zusammenarbeiten“).

Die jüngsten Zwischenfälle auf Zypern bewiesen, daß die Lebensfragen der Mittelmeerinsel noch immer nicht gelöst sind.

1960 wurde die britische Kronkolonie als Glied des Commonwealth zur Republik, über deren Unabhängigkeit Briten, Griechen und Türken gemeinsam wachen sollen. Gleichwohl kam es immer wieder zu harten Auseinandersetzungen um die Insel, an denen sich die Schutzmächte beteiligten – zuletzt im Jahre 1964. Fünfmal in sieben Monaten setzten die Türken damals ihre Flotte nach Zypern in Marsch. Dann schlichteten die Sowjetunion und die USA zusammen mit den Vereinten Nationen den Konflikt – nicht ohne daß Erzbischof Makarios geschickt mitspielte, 1964 beorderte Johnson die 6, Flotte ins östliche Mittelmeer, Chruschtschow schickte eine Warnung an die Türkei, Jetzt mahnte der US-Präsident Johnson die Offiziere in Athen zum Nachgeben.