DIE ZEIT

Bilanz des ersten Jahres

Wer vor ein paar Tagen in der Fernsehsendung „Ein Jahr Große Koalition“ den Kanzler und den Außenminister vom November 1967 mit ihrem Konterfei vom November 1966 vergleichen konnte, war betroffen.

Abkehr vom General?

Man dürfe, so hat de Gaulle am Montag gesagt, nicht träumen. Man müsse die Realitäten sehen. Was die Realität seiner Politik betrifft, gibt es seit dieser letzten Pressekonferenz auch nicht mehr die geringste Unklarheit.

McNamara geht

Robert S. McNamara gehört zu jenen Menschen, die niemanden kalt lassen. Seine Kritiker werfen ihm vor, er kenne den Preis von allem, aber den Wert von nichts; er interessiere sich für alles außer für Menschen und Ideen.

ZEITSPIEGEL

Eine Zelle von zehn „Sturmtruppen“-Mitgliedern der amerikanischen Nazi-Partei hat sich in den US-Streitkräften in Europa organisiert.

Absage an Wunschbilder

Noch bescheidener, als ohnehin zu erwarten war, ist das Ergebnis der Moskauer Jubiläumsgespräche ausgefallen, das jetzt mit dreiwöchiger Verspätung bekanntgegeben wurde.

Der rote Faden des Generals

Welches Echo auch immer die Pressekonferenz de Gaulles bei den Franzosen fand – die Anhänger und die Gegner sind sich darin einig, daß er seine Drohung mit dem Austritt aus dem Gemeinsamen Markt nicht wahr zu machen braucht.

Kein Wunder in Mailand

In Mailand fand am vergangenen Wochenende der 10. Nationalkongreß der Democrazia Cristiana statt. Die christlichen Demokraten, die seit über zwanzig Jahren die Regierungsverantwortung in Italien entscheidend tragen und auch in absehbarer Zukunft in dieser Funktion kaum zu ersetzen sein werden, überprüften im Blick auf die Parlamentsneuwahlen des kommenden Frühjahrs ihren Standort.

Wachwechsel im Pentagon

Washington, Ende November Wie noch jedes Auftreten des amerikanischen Verteidigungsministers Robert McNamara seine Umgebung mit konzentrierter Erwartung erfüllte, versetzte auch sein Abgang von dem Posten im Pentagon die Zuschauer in einen Zustand der Erwartung.

Senioren-Abschied

Der dienstälteste Staatssekretär in Bonn, dem acht Bundesminister die eigentliche Leitung des Amtes nie streitig machen konnten, scheidet wegen Überschreitung der Altersgrenze aus: Peter-Paul Nahm.

Panzeraufklärung in Bonn

Ein Bonner Ausschuß versucht gerade herauszufinden, ob die CDU-Regierung seinerzeit mehr an der Beschaffung eines brauchbaren Schützenpanzers interessiert war oder mehr an der Beschaffung von Geldern für den Wahlkampf 1957.

Die levantinische Lunte

Noch glimmt die levantinische Lunte, aber die wahnwitzige Aussicht, daß es wegen Zypern zu einem Konflikt zwischen den beiden NATO-Staaten Griechenland und der Türkei kommt, scheint heute weniger bedrängend als noch vor einer Woche.

Andere Menschen in einer neuen Stadt

Die Stadt war einmal schön, sie war auch berühmt, durch ihr Rathaus, ihre Kirchen, ihre Universität. Im 9. Jahrhundert hatten dort, an der Oder, die Slezanen, ein altslawischer Volksstamm, ihre Burg errichtet; später gründete der Pole Boleslaw Chrobry, der Tapfere, ein Bistum.

Aden ist frei

Überraschend hat sich die britische Delegation unter Lord Shackleton schon am Dienstag in Genf mit der „Nationalen Befreiungsfront“ (NLF) über die Machtübergabe in der Kronkolonie Aden geeinigt.

Ein Schlichter für Nahost

Fünf Monate währte das diplomatische Tauziehen um eine Lösungsformel für die Nahost-Krise. Erst Mitte voriger Woche nahm der Sicherheitsrat in New York einstimmig einen britischen Resolutionsentwurf an.

Von Zeit zu Zeit

Entschiedener als bisher klang CharlesdeGaulles jüngste Absage gegenüber Großbritanniens Wunsch auf EWG-Mitgliedschaft. Unter Führung eines ehemaligen Handelsministers wurde in London eine Organisation zur Bekämpfung des britischen EWG-Beitritts gegründet.

Das Studentenfieber steigt

In Berlin-Moabit ging die Polizei mit Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor, die keinen Antrag auf Genehmigung ihrer Kundgebung gestellt hatten.

Abflauen der Zypernkrise?

Während die türkische Flotte am Wochenanfang im östlichen Mittelmeer ihre Macht demonstrierte, liefen im Krisendreieck Ankara–Athen–Nikosia die Drähte heiß: Die internationale Diplomatie versuchte den Ausbruch eines Krieges zwischen den NATO-Partnern Türkei und Griechenland um Zypern zu verhindern.

Namen der Woche

Jürgen Bennecke (54), bislang Kommandierender General des I. Korps der Bundeswehr in Münster/Westfalen, wurde von der Bundesregierung als Nachfolger des Generals Graf v.

De Gaulles „Nein“

Gegen den britischen EWG-Beitritt führte der General die bereits bekannten Argumente an: das „permanente innere Ungleichgewicht“ der britischen Wirtschaft, den Charakter des Pfundes als internationale Währung, das Defizit der britischen Zahlungsbilanz und das voraussehbare Unvermögen der Engländer, die Bedingungen der europäischen Agrarmarktordnung zu erfüllen.

Vietcong in Kambodscha?

Der Staatschef von Kambodscha, Prinz Sihanuk, gab am Montag Alarm: „Wir müssen künftig mit Bombardierungen großen Ausmaßes und mit der möglichen Besetzung durch amerikanische Truppen rechnen.

Eine Schlankheitskur für die Bundeswehr

In der kommenden Woche debattiert der Bundestag über die Verteidigungspolitik. Das ist ein großes Thema, aber das wichtigste hieran ist, daß bei dieser Debatte endlich auf voller Breite alle ungelösten Probleme der Außenpolitik aufgerollt werden müssen – die Zukunft des westlichen Bündnisses, der politische und militärische Status der Bundesrepublik in der NATO, die Sicherheit unseres Landes, Entspannung und Öffnung nach Osten.

Nachspiel

Vor kurzem sind bereits ausgehandelte persische Aufträge für eine große deutsche Firma an der Ruhr zurückgezogen worden. Dabei wurde angedeutet, daß die Stornierung aus politischen Gründen erfolge: Als Antwort auf die Schah-feindlichen Demonstrationen in der Bundesrepublik, besonders aber in Berlin.

„Wir werden um die Mehrheit kämpfen“

Der Mann, der in dem Glashaus sitzt, das in Bad Godesberg an der Kennedy-Allee steht, trägt die Bürde eines doppelten Amtes: Er ist Bundesminister für Familie und Jugend und Generalsekretär der CDU.

Protestant und Politik

Wo steht der Christ in der Politik? DIE ZEIT hat unlängst aus der Feder des Soziologen Hans Maier eine Antwort aus katholischer Sicht veröffentlicht.

Millionen für warme Füße

Wir zeigen Ihnen die amerikanische Art, Geschäfte zu machen! Mit diesem Angebot startete der Deutsch-Amerikaner Vernon Helmut Kronenberg 1958 zusammen mit seiner Frau Helga eine Hochstaplerkampagne in Europa, die zum größten Finanzskandal der Bundesrepublik wurde.

Der Tod eines Rekruten

Kurz vor sechs Uhr morgens traten die Soldaten einer Ausbildungskompanie der 12. Panzerdivision vor ihren Unterkünften auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken in Unterfranken an.

Freiheit der Person

Personen, die das zwanzigste Lebensjahr vollendet haben und die dadurch gefährdet sind, daß sie aus Mangel an innerer Festigkeit ein geordnetes Leben in der Gemeinschaft nicht führen können, soll geholfen werden.

Wer wählt was?

In Bremen wollte man statt Prognosen exakte Befunde und hatte deshalb bei der Landtagswahl am 1. Oktober acht verschieden gekennzeichnete Wahlzettel an 10 300 Wähler vier verschiedener Altersgruppen ausgegeben.

In Wuppertal steht der „Kindesmörder“ Jürgen Bartsch vor Gericht. Immer wieder wird die Frage diskutiert, wie Sittlichkeitsverbrechen zu bekämpfen sind. Hamburgs Justizsenator Schulz macht Vorschläge.: Triebverbrecher ins Zuchthaus?

Jener unglückliche Gefangene namens Haase‚ der im Hamburger Untersuchungsgefängnis von Beamten geschlagen wurde und später auf mysteriöse Weise starb, hat nicht nur den Hamburger Strafvollzug in Bewegung gebracht, sondern auch eine Ursache dafür gesetzt, daß moderne Ideen über die Hansestadt hinaus in die Strafjustiz eindringen.

Ohne Chargen, Wichs und Fahne

Die Katholiken von Hamburg St. Elisabeth waren es nicht anders gewöhnt. Wer regelmäßig seiner Sonntagspflicht nachkam, sah im Jahr viermal den Altar seiner Pfarrkirche von studentischem Vollwichs umrahmt.

Schröder beleidigt?

Kaum hatte sich der Verteidigungsminister, Gerhard Schröder, von langer Krankheit erholt, sah er sich – diesmal freilich ohne Bananenschale und sonstiges Zutun – in eine peinliche Affäre hineinschlittern.

„Lübke in der DDR“

Im Kabarett-Keller der „Maininger“ in der Frankfurter Neuen Rothstraße 26a gibt es im Dezember Halberstädter-Würstchen, Rotkäppchen-Sekt aus dem Unstrut-Tal und Zigaretten der Staatlichen Handelsorganisation (HO) der DDR.

Heinz Hilpert

Ich kann es nicht glauben, daß er wirklich tot ist. Noch kann ich mir nicht vorstellen, daß ich seine Stimme nicht mehr hören werde, seinen Berliner Jargon, sein Lachen, seinen drastischen Witz, seine zarten und klugen Worte.

Entdeckungen in der Fabrikhalle

Zwischen der diesjährigen Frankfurter Buchmesse und dem Frankfurter Forum gibt es vielfache Übereinstimmungen. Es ist frecher, lauter und politischer geworden.

Studentennulk oder Notwendigkeit?

Es ist doch eine sehr merkwürdige Geschichte. Die Studenten der fünfziger Jahre mögen in mancher Hinsicht auch ein bißchen unruhig gewesen sein.

Reformgegner links und rechts

Gute drei Stunden lang war das Auditorium maximum der Universität Hamburg am vergangenen Freitag überfüllt. Es diskutierten unter der Leitung unseres Kollegen Hans Gresmann: Spiegel-Herausgeber Rudolf Angstein, der Konstanzer Soziologe Ralf Dahrendorf, der Berliner Landesvorsitzende des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) Rudi Dutschke, der zweite Bundesvorsitzende des Sozialdemokratischen Hochschulbundes (SHB) Jens Litten, das Mitglied des Landesvorstandes der Berliner SPD Harry Ristock und der ehemalige Berliner AStA-Vorsitzende Knut Nevermann.

Kunstkalender

Die Auswahl beginnt bei Schongauer und dem Meister des Hausbuches. Von Veit Stoß sieht man die einzige bildmäßig durchgeführte Zeichnung, eine „Darstellung im Tempel“, sie ist 1505 in Nürnberg entstanden, in den schlimmsten Jahren des Bildhauers, der Rat der Stadt hatte ihn wegen Betrugs verurteilt.

Filme über Vietnam

Begründete und törichte Provokationen auf der Leipziger Filmwoche Von Ulrich Gregor

ZEITMOSAIK

Wir hassen alle den Despotismus, und gewiß mit Recht, gleichwohl übt ihn jeder mehr oder weniger aus. Ein Beweis, daß wir alle überzeugt sind, es gehöre etwas Gewalt dazu, das gefährliche Menschentier in Schranken zu halten.

Gruß an Will Grohmann

Das braucht nicht in jedem Fall als Lob zu gelten: Wie oft haben wir uns doch gewünscht, nicht immerfort nur älteren Vettern zu begegnen, sondern Leuten mit der Weisheit, der Würde, der Bürde des Alters.

Hommage a Jonathan Swift

Der erste Professor, den ich sah, befand sich in einem großen Zimmer und war von vierzig Schülern umgeben. Nach der gewöhnlichen Begrüßung bemerkte er, daß ich aufmerksam einen Rahmen betrachtete, der den größten Teil des Zimmers in Länge und Breite ausfüllte, und er sagte, ich wunderte mich vielleicht, daß er sich mit einem Projekt beschäftige, die spekulativen Wissenschaften durch praktische und mechanische Operationen zu verbessern.

Die Heilige und ihr Narr 1967

Wer ungefähr so alt wie der Schauspieler, Regisseur und Autor Axel von Ambesser ist (Jahrgang 1910), der hat in seiner Jugend den in Deutschland zweimal verfilmten Roman „Die Heilige und ihr Narr“ von Agnes Günther verschlungen.

Shylock Winston und Caliban Jones

Als wir in Harlem aufwuchsen, waren unsere Hauseigentümer – eine deprimierende Serie – Juden, und wir haßten sie. Wir haßten sie, weil sie schlimme Hauseigentümer waren und sich um das Gebäude nicht kümmerten.

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