Hans Eick dürfte es indessen nicht ganz leicht haben, seinen Metallarbeitern das Ergebnis der fast zwanzigstündigen Verhandlungen mit den Metallindustriellen im Frankfurter Palmengarten zu „verkaufen“. Statt einer Erhöhung der Ecklöhne von 3,49 Mark auf 3,90, wie sie von der Gewerkschaft gefordert worden war, hat er sich mit einer Aufbesserung auf nur 3,61 Mark zufrieden gegeben.

Statt einer Erhöhung der Tariflöhne der Zeitlohnarbeiter um 15 Prozent ist vorerst nur eine Leistungszulage von 7,5 Prozent herausgekommen. Auch für die Angestellten hat Eick mit einer Zulage von 5 Prozent nur halb soviel herausgeholt, wie sich seine Beitragszahler versprochen hatten. Eide hat es außerdem nicht geschafft, eine Vereinbarung über „freiwillige“ betriebliche Sozialleistungen durchzupauken, die mindestens 30 Prozent eines Monatseinkommens absichert.

Im Frankfurter Palmengarten ist offensichtlich nur halb so heiß gegessen wie während der vorausgegangenen Wochen und Monaten gekocht worden. Die Mäßigung, die die IG Metall in der letzten Runde der Lohngespräche bewiesen hat, dürfte entscheidend auf das Konto von Hans Eick gehen, der eben doch dazu neigt, die „Kirche im Dorfe“ zu lassen.

Seine Leute mögen Hans Eick in diesen Tagen allerlei Vorwürfe machen, an seiner Gewerkschaftstreue und seinem guten Willen, für seine Arbeiter das beste herauszuholen, ist kein Zweifel möglich. Der gebürtige Frankfurter (Jahrgang 1901) ist der Prototyp des Arbeiterführers alter Schule, der sich aus eigener Kraft vom Schlosser über den Werksmeister bis zum leitenden Angestellten bei einer Automobilfirma hochgearbeitet hat, bevor er sich (seit 1948) hauptamtlich der Gewerkschaftsarbeit widmete. Sein Herzenswunsch, Gewerbeoberlehrer zu werden, ging allerdings nicht in Erfüllung, obwohl er auf dem mühsamsten und bewunderungswürdigsten aller Bildungswege, nämlich dem zweiten über das Abendgymnasium, sein Abitur nachholte.

Die Nazis verübelten ihm seine Gewerkschaftsaktivität und vorübergehend (1933/34) mußte er sich in das traurige Schicksal der Arbeitslosigkeit fügen. Nach dem Krieg half er von Anfang an bei der Wiedergründung der Gewerkschaften mit vielzähligen Funktionen. Im Jahre 1950 wurde er Bezirksleiter für Hessen, seit 1952 ist er ehrenamtlicher Stadtrat, dem das für eine Großstadt wie Frankfurt lebenswichtige Ressort „Stadtreinigung“ untersteht.

Wenn Eick davon spricht, daß es ihm darauf ankomme, „einen Beitrag für diesen Staat zu leisten und Verantwortung in diesem Staat für diesen Staat zu tragen“, dann wirkt das nicht wie eine hohle Redensart. Der letzte große Streik, zu dem er es nicht kommen ließ, liefert die Probe aufs Exempel. Willi Bonganl