Das Ergebnis – wenigstens das mit Preisen dekorierte – ist dürftig. Die Vermutung liegt nahe, daß es auch nicht anders zu erwarten gewesen sei. Hinzu kommt die merkwürdige Diskrepanz zwischen den Maximen des Jurysprechers Max Bill und der Entscheidung der Jury, der bemerkenswerterweise weder ein Ingenieur oder ein Konstrukteur noch jemand angehört hatte, der berufen gewesen wäre, "ganz dumme Fragen", aber wahrscheinlich nicht ganz unwichtige, zu stellen.

Die Preise gingen durchweg an junge Deutsche. Den ersten bekam der in Finnland tätige Siegbert Gölzer für ein "Optisch-akustisches Wohnraumelement", einen auf ein rollendes Gestell montierten, um eine Diagonalachse sich drehenden Würfel, der gefüllt werden kann mit Fernseh-, Radio-, Tonbandgerät samt Dia-Projektor.

Da es diesen Inhalt noch nicht gibt, entstand eine Hülle. 10 000 Dollar gingen damit an einen "Friseur"; denn Bill hatte gerade erklärt: "Design, wie es betrieben, gelehrt und verlangt wird, ist eine Tätigkeit nicht unähnlich der des Friseurs...", eines Handwerkes also, dessen Amt es ist, zur Verschönerung von etwas beizutragen. Und wendet man den von Christian Holzäpfel vorgezogenen Begriff des Produktgestalters an, bleibt nichts als die Frage, welches Produkt denn hier nun gestaltet worden sei, denn das Produkt gibt es nicht.

Also doch wenigstens etwas "Utopisches"? Preis Nummer zwei ist nichts weniger als das, denn der Schrank des Mindeners Waldemar Rothe, eines sympathischen, schüchternen, fleißigen und zu konstruktivem Denken fähigen jungen Mannes könnte beinahe sofort produziert werden: Er ist aus Leichtmetallrahmen und Kunststoffwänden gebaut, leicht herstellbar, leicht transportierbar. Rothe ist eine Erfindung gelungen.

Der dritte Preis galt einem Büromöbel namens "Jobpit", entworfen von drei Münchener Designern und einem Innenarchitekten. Sie bauten eine Säule und brachten daran zwei Pulte an, eines in Schreibtischhöhe, das andere als Stehpult. Im Kopf der Säule findet der "Operateur" Bildschirme, die ihm ums Jahr 2000 die Informationen von Computern, Dokumenten-Projektionen "und ähnlichem" zugänglich machen werde.

Der Hinweis auf die aufblasbaren, verstellbaren und mit einem Furcht erregenden Hang zur Bequemlichkeit erdachten Sitzmöbel, auf Sphäroide und andere Wohnzellen erübrigt sich, das alles ist entweder nicht neu, oder es ist kurios, oder es geht von der blumigen Vorstellung aus, in 33 Jahren sei alles ganz, ganz anders. Der Fabrikant Holzäpfel hat einen schönen Traum vom Morgen träumen lassen; doch die Jury, die Design untersucht und dem Design sehr skeptisch zugetan ist und zum Schluß der modischen Variante des Begriffes zum Opfer fällt – sie hätte konsequenter und weniger nett sein sollen. Die Erwartungen waren utopisch, nicht die Ergebnisse dieser Suche.