Ein wirkliches Buch muß so geschrieben sein, daß ihm weder eine Handvoll Druckfehler, noch eine schlechte Ausstattung, noch alberne Reklamen und dumme Kritiken im Laufe der Zeit etwas anhaben. Es muß aus allem Wust und Unsinn auftauchen können – und es wird’s.

Wilhelm Raabe

Internationales Kolloquium, Weimar 1967

Rund 80 Jugendbuchautoren, Kritiker, Redakteure und Verlagsmitarbeiter trafen sich vom 19. bis 25. November in Weimar, um so brisante Themen wie "Geschichte und Zeitgeschichte im Jugendbuch", "Zeitgeschichte und literarische Tendenzen in der sowjetischen Jugendbuchliteratur", "Das Abenteuer in Geschichte und Gegenwart" zu diskutieren. Neben 50 Vertretern der DDR waren alle sozialistischen Länder mit Delegationen auf dem Plan. Prominente Gäste aus Dänemark, Italien und Frankreich lasen zusammen mit Nationalpreisträger Benno Pludra ("Lütt Matten und die weiße Muschel") vor Weimarer Studikern und debattierten mit ihnen. Die Bundesrepublik (mit einem Vertreter) rangierte auf der Teilnehmerliste zwischen Dänemark und Frankreich unter den "ausländischen Gästen", wobei dem Staatsnamen keine Tüttelchen oder "sog."-Dekorationen beigegeben waren. Zwischenfrage eines tschechischen Vertreters an die westdeutsche Mini-Delegation unter Hinweis auf die Kurzwellen-Simultan-Übersetzungs-Anlage: "... und wo ist der Einstellknopf für bundesdeutsch?"

Neues "National Theatre" für London

Zur gleichen Zeit, da in London die Pläne für ein Opernhaus aus Geldmangel wieder in der Versenkung verschwanden, verkündete Laurence Olivier, der Direktor des "National Theatre", stolz den Plan für ein neues "National Theatre", das am Südufer der Themse zwischen Waterloo Bridge und Royal Festival Hall liegen und zwei Bühnen beherbergen soll: eine größere mit 1200 Plätzen, dreidimensionaler Szenerie und halbkreisförmigem Zuschauerraum und garantiert gleich guter Sicht und Akustik auf allen Plätzen und eine kleinere, konventioneller und intimer gestaltete mit 900 Plätzen. Im "Old Vic", wo das Ensemble des "National Theatre" seit vier Jahren spielt, gibt es nur 767 Plätze, es ist ständig ausverkauft und hat einen hoffnungslos veralteten Bühnenapparat. Die erheblichen Kosten des Bühnenneubaus von £ 17 760 000 werden zur Hälfte vom Staat und – so hofft man – zur anderen Hälfte vom Greater London Council getragen. Sobald die Finanzierung geklärt ist, wird mit dem Bau begonnen. "Nie zuvor brauchte unser Volk nötiger etwas, auf das es stolz sein kann", meinte Laurence Olivier nicht ohne Pathos. Man kann nur hoffen, daß Schatzkanzler Jenkins und andere zuständige Herren £ 17 760 000 für ähnlich geeignet halten, um auf dem Umweg über einen Theaterneubau dem angeschlagenen Stolz der Briten wieder aufzuhelfen.

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