Was tut die deutsche Bundesregierung heute und morgen gegen die Entführung des koreanischen Komponisten und seiner Landsleute

Von Heinz Josef Herbort

Anfang dieses Jahres nahm das „Theater derStadt Bonn“ einen Operneinakter des fünfzigjährigen Koreaners Isang Yun, das taoistische Lehrstück „Der Traum des Ling-Tung“, das im September 1965 bei den Berliner Festwochen herausgekommen war, für die Spielzeit 1967/68 an und gab dem Komponisten den Auftrag, zu dem vorhandenen Fünfzig-Minuten-Stück nach dem Prinzip des alten Satyr-Spiels ein groteskes Pendant zu schreiben. Harald Kunz lieferte Yun dazu ein Libretto nach einer chinesischen Novelle aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts: „Die Witwe des Schmetterlings.“ Zwölf Takte des Einleitungschores und ein paar Skizzen waren fertig – da folgte Yun am 17. Juni den Männern des südkoreanischen Geheimdienstes „freiwillig“ nach Seoul und ließ sich dort der Spionage anklagen. Der Staatsanwalt beantragte die Todesstrafe.

Die Freiwilligkeit der Übersiedlung, an die das Bonner Auswärtige Amt noch heute, wenigstens offiziell, glaubt: Yun, der seit 1964 in Spandau wohnt, wurde telephonisch in die Berliner Innenstadt gebeten. Sein Wagen fand sich am nächsten Tag in der Nähe des Flugplatzes; Führerschein, Zulassungspapiere und Schlüssel lagen im Wagen unter der Fußmatte. Yuns Frau, Soo Cha Lee, würde später telephonisch aufgefordert, ihren Mann auf einer mehrtägigen Reise nach Paris zu begleiten, dafür gute Kleider einzupacken und auch für ihren Mann einen guten Anzug mitzubringen. Yuns Tochter Djong erhielt wenige Tage darauf ein paar Zeilen von der Mutter, und aus Seoul tröstete sie und ihren Bruder Ugiong ein offenbar zensierter Brief: Macht euch keine Sorgen! Der gute Anzug fand sich schließlich in der Bonner koreanischen Botschaft wieder.

Die Freiwilligkeit weiter: Für den 18. Juni hatte Yun eine Verabredung mit dem Kieler Intendanten wegen eines Opernauftrages, für den 26. einen Termin in Bonn wegen der „Witwe des Schmetterlings“. Ebenfalls für den 26. Juni hatte Yun in Amsterdam zugesagt, am 30. sollte er in Köln Bandaufnahmen einer Kantate überwachen: Keinen der Termine sagte Yun ab.

Die Freiwilligkeit schließlich: In einer Note vom 26. Juni an die Bundesregierung, entschuldigte sich Seoul für die Tätigkeit südkoreanischer Geheimdienstler auf deutschem Boden und gestand, daß nicht alle Heimgeführten „freiwillig“ mitgegangen seien. Der Vorwurf, daß deutsche Stellen bei der „Heimführung“ beteiligt seien, ist noch nicht dementiert worden.

Freiheitsberaubung im Amt?