DIE ZEIT

Frost über der Ostpolitik

Nach langem Zögern und Zaudern ist Bonn nun bereit, mit Belgrad über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu verhandeln. Damit nutzt die Bundesregierung die im Augenblick einzige Chance, in der Ostpolitik voranzukommen.

Kein Loch in der Mauer

Zum zweitenmal haben die Berliner vergeblich auf ein Weihnachtswunder gewartet. Auch 1967 wird es keine Passierscheine geben.

Mini-Bündnis für morgen

Wenn es die NATO nicht gäbe, so brauchte sie heute nicht erfunden zu werden – der sarkastische Ausspruch stammt von einem jener amerikanischen Strategie-Professoren, die vor Jahren dem westlichen Bündnis sein intellektuelles Unterfutter gaben.

Kandidatur als Opfergang

Wer sich in diesen Tagen zu einem Gespräch bei dem demokratischen Senator Eugene J. McCarthy anmeldet, bekommt von der Sekretärin ziemlich spitz zur Auskunft: „Da müssen Sie eine ganze Weile warten; vor Ihnen stehen schon fünfzig Besucher auf der Liste.

ZEITSPIEGEL

Auch in der DDR rumort es an den Universitäten. Studenten der Ostberliner Humboldt-Universität verlangten im Hausblatt der Freien Deutschen Jugend ein größeres Mitspracherecht.

„Wir müssen in langen Zeiträumen denken“

Wenn man das noch eine Zeitlang machen kann, wird es vielleicht ein paar Spuren hinterlassen...“ Das ist, zwischen Tür und Angel gesprochen, die Antwort auf die Abschiedsfrage, ob ihm das Amt des Bundesaußenministers mehr Befriedigung oder mehr Verdruß bereite.

Geld für Dutschke?

Wer finanziert Dutschke? Der "Spiegel" hat in seinem Heft 51 geschrieben: "Die politischen Außenseiter, die sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden, etwa vom ‚Stern‘-Mitverleger Gerd Bucerius, vom Komponisten Hans Werner Henze oder vom SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein, finanzieren, sind nach Ansicht des linken Marburger Polit-Professors Wolf gang Abendroth ‚die einzige intakte und legale Opposition‘ in der Bundesrepublik.

Staatsfeinde im Hörsaal?

Wiederholt und bis in die letzte Zeit hinein haben der Sozialistische Deutsche Studentenbund und seine Führer sich offen als Feinde der verfassungsmäßigen Ordnung bekannt – dies ließ das Bonner Innenministerium verlauten und billigte damit die Praktiken der hessischen Verfassungsschützer, die eine SDS-Gruppe an der Gießener Universität unter die Lupe genommen hatten.

Spruch der Weisen

Der wissenschaftliche Beirat des Innenministeriums für Fragen der Wahlrechtsreform hat jetzt seine Arbeit abgeschlossen. Sein Votum lautet: Einführung des relativen Mehrheitswahlrechts und zwar möglichst schon für 1969.

Pariser Poker mit den Arabern

Frankreichs Staatschef, der es sich sonst zur Gewohnheit gemacht hat, in Rätseln zu sprechen, die vielerlei und oft auch gegensätzliche Deutungen zulassen, hat sich mit seinen letzten Äußerungen zur Nahost-Krise und mit der Auflockerung des Waffenembargos zugunsten des Irak unverkennbar auf die Seite der Feinde Israels geschlagen.

Tote Ente im Eisschrank

Allen Mahnungen der EWG-Kommission zum Trotz deutet nichts darauf hin, daß die Franzosen am 18. und 19. Dezember in Brüssel ihre Opposition gegen Verhandlungen mit England aufgeben werden.

Lebers katholische Karriere

Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Friedrich Kronenberg, hatte noch voriges Jahr die Katholiken aufgefordert, den CDU-Helm fester zu schnallen.

Notstands-Regeln bei den anderen

Der Heidelberger Völkerrechtler Professor Mosler wollte die Frage nicht einmal theoretisch beantworten. CDU-Abgeordnete hatten ihn im 4.

Wolf gang Ebert:: Gewagt! Schonungslos! Schockierend!

Weil seine Ideen zur Deutschlandfrage den Weg in die Öffentlichkeit fanden, wohin sie nach Ansicht mancher Politiker am allerwenigsten gehören, hat der geschäftsführende Vorsitzende des „Kuratoriums Unteilbares Deutschland“, Wolfgang Wilhelm Schütz, einigen Ärger bekommen.

Keine militärischen Experimente

Die neue Verteidigungskonzeption, die von der FDP in der letzten Debatte des Bundestages reklamiert worden war, bot ihr Schröder nicht.

Paris umwirbt die Araber

„Frankreich hat traditionelle Interessen im Nahen Osten zu verteidigen.“ Das meldete Anfang voriger Woche die französische Nachrichtenagentur AFP – offenbar von hoher Stelle dazu autorisiert.

Athener Junta gab nach

Erstmals ist das griechische Militärregime vor innerem Widerstand zurückgewichen. Nach anfänglichem Sträuben erlaubte der amtliche Pressezensor zwei Athener Zeitungen, ein Interview abzudrucken, das Konstantin Karamanlis, griechischer Ministerpräsident von 1955 bis 1963, dem Pariser „Monde“ gegeben hatte.

Hochzeit im Weißen Haus

Unter den Bildern von George und Martha Washington sprachen Lynda Bird Johnson (23) und der Hauptmann Charles Spittal Robb (28) nach episkopalischem Ritus ihr „Ich will“.

Von ZEIT zu ZEIT

Nach lebhaften Auseinandersetzungen über das Deutschland-Memorandum von Wilhelm Wolfgang Schütz endete die Berliner Jahrestagung des Kuratoriums Unteilbares Deutschland ohne Beschlüsse über personelle Veränderungen an der Spitze der Organisation.

Namen der Woche

Fritz Neef (54), seit 18 Jahren Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, wechselt am 31. Januar ins Bundesernährungsministerium über, wo er die Nachfolge von Staatssekretär Hüttebräuker antritt.

Geheimkontakte zum Vietcong?

Der amerikanische UN-Botschafter Goldberg teilte vor der Presse mit, die NLF habe im September über das UN-Generalsekretariat in Washington für zwei Emissäre um Einreise in die USA und einen ein- bis zweijährigen Aufenthalt nachgesucht.

Grünes Licht für Brandt

Mitte dieser Woche sah es so aus, als würden zwischen Belgrad und Bonn bald wieder diplomatische Beziehungen hergestellt werden.

Kys Stern sinkt...

Seit Herbst vorigen Jahres haben in Südvietnam fünf Wahlgänge stattgefunden: für eine verfassunggebende Versammlung, für Dorf- und Gemeinderäte, für einen Senat, für ein Unterhaus und für den Präsidenten nebst Vizepräsidenten.

Kriegsalltag in Hanoi

Im Abwehrkampf gegen die amerikanischen Luftangriffe teilen die Nordvietnamesen heftige Gegenschläge aus. Das konnte ich als Augenzeuge der Luftschlacht von den Ufern des beobachten.

Internationale - auf rumänisch

Man spürte förmlich, wie die über tausend Delegierten der rumänischen Kommunistischen Partei, die sich letzte Woche im hochmodernen, samtverkleideten, ans einstige königliche Palais angebauten Kongreßsaal von Bukarest versammelt hatten, den Atem anhielten.

Wie hoch ist die Hürde?

Die Debatte über die englische Kandidatur für den Gemeinsamen Markt ist von allen Beteiligten in der Öffentlichkeit geführt worden, bevor sie am 18.

Willy Brandts junge Rebellen

Begrüßungsansprachen gehören zum Ritual politischer Veranstaltungen. Sie werden brav entgegengenommen in der Hoffnung, daß sie bald überstanden sind, um an die Arbeit gehen zu können.

Bremer Gebote

Teils nachdenklich, teils verstandnisvoll lächelnd nehmen die Besucher der Abteilung „Jugendgericht“ im Gerichtsgebäude Bremens einen Aushang zur Kenntnis, der dort vor kurzem angebracht wurde.

Nürnbergs Super-Dutschke

Biedere Bürger hielten den jungen Mann für ein „Schwein“, als er ihnen kürzlich zur Hauptverkehrszeit in Nürnbergs Straßen auf einem umgehängten Plakat den Verkehr mit Frau Saubermann empfahl.

Schulen zu verkaufen

Nicht nur Wasserburgen und Schlösser, auch Volksschulen sind neuerdings in Nordrhein-Westfalen wohlfeil zu haben. Eine Umfrage des Innenministeriums brachte es an den Tag: 277 Volksschulgebäude mit 415 Klassenräumen und 322 sonstigen Räumen stehen leer.

Auch im Osten bekannt

Diese Landgendarmen, sie lesen keine Zeitung, entschuldigte sich der Vorgesetzte eines Polizeioffiziers und tat Abbitte bei Fritz Teufel, Dieter Kunzelmann, Rainer Langhans und der Schriftstellerin Ute Erb für erlittenes Unrecht, das unwissende Gesetzeshüter auf Geheiß ihres Offiziers den Kommunarden zugefügt hatten.

Die Tote vom Bahndamm

Als die Nacht hereinbrach und die Tore geschlossen wurden, zogen Totengräber zum Grab Nr. 187/450 auf den Münchner Waldfriedhof, in dem ein unbekanntes Kind beerdigt war.

Neues Spiel: Wahlanfechten

Das demokratische Krankheitsbild sieht so aus: Jeder, dem sein neuer Bürgermeister nicht gefällt, fechtet die Wahl an. In Oberschwaben war man am eifrigsten: in Biberach, Laupheim, Wangen und Sigmaringen; aber auch in Heilbronn, Heidelberg und Konstanz mußte der Oberbürgermeister zunächst als sein eigener Amtsverweser sein Amt antreten.

Entertainer und Rattenfänger

Wir sahen gleichzeitig das Plakat, auf dem das „einmalige Gastspiel“ Adamos angezeigt war. Während ich aber nur eine etwas verschwommene Vorstellung von diesem Sänger hatte, fielen meiner jungen italienischen Begleiterin fast die Augen aus dem Kopf.

Sensation des Guten

Das deutsche Lied zum Advent „Es kommt ein Schiff geladen bis an den höchsten Bord“ kannte Hermann Gmeiner nicht, als er den Werbeslogan für sein SOS-Kinderdorf in Vietnam erfand: „Ein Schiff fährt nach Saigon und hat ein Dorf geladen.

War es ein Mord?

Wenn ein so scharfsinniger Schriftsteller wie Martin Walser und ein so bedeutender Regisseur wie Fritz Kortner in langwieriger und offenbar einträchtiger und beflissener Zusammenarbeit und überdies mit Hilfe so erfahrener und hervorragender Schauspieler wie Hortense Raky und Werner Hinz schließlich einen Theaterabend zustande bringen, der sich als außergewöhnlich langweilig und abgeschmackt und streckenweise sogar als dümmlich erweist, dann ist das Ganze – eben des extremen Ergebnisses wegen – in hohem Maße bedenkenswert.

Der freie Wille des Isang Yun

Was tut die deutsche Bundesregierung heute und morgen gegen die Entführung des koreanischen Komponisten und seiner Landsleute

Heinrich Bölls Personal

Ich denke an einen Strand, vielleicht an ein befestigtes Flußufer, da ist ein Ortsschild, sagen wir ruhig: Neu-Zimpren. Man weiß noch nicht, wie die Leute hier wählen; man erkennt lediglich, daß es Schnaps- und Biertrinker sind.

Bayern als deutsches Modell

Die Goethesche Losung „Stirb und werde!“ wird im Titel von Herbert Asmodis neuem Bühnenstück wie ein Firmenname mit dem Zeichen & geschrieben.

Der andere Rudi Dutschke

Das war ein anderer Dutschke. Das war kein wilder Mann, kein Phantast, kein singender Redner und Happening-Organisator, war nicht der Buhmann ordnungs- und autoritätslüsterner Bürger und nicht der Schreckensrädelsführer der BZ: Leise und kenntnisreich sprach er, entschieden und bedachtsam zugleich, die Argumente hatten Hand und Fuß, es fehlte nicht an Beleg und kundig-historischer Absicherung.

Fernsehen: Menschen die wo weggehören

Intelligent und ausgesprochen hübsch sehen gammelnde Buben aus; man merkt den Dreck kaum. Kluge Mädchen dagegen scheinen nicht zu gammeln; und ungekämmt und mit verrutschten, geflickten Röcken sind Mädchen gar nicht hübsch.

Kunstkalender

Dominguez hat damals die Decalcomanie als eine surrealistische Technik entdeckt, eine Methode, die, nach André Breton, jedermann in die Lage versetzt, „nach Belieben ein Fenster zu öffnen auf die schönsten Landschaften der Welt und andere“.

FILMTIPS

„Tanz der Vampire“. Knoblauchgirlanden in allen Ecken der Karpatenkneipe sind für Professor Abronsius das Indiz: hier gibt es Vampire! Der Krakauer Roman Polanski mischt in seinem ersten Hollywoodfilm Reminiszenzen an Galizien lustvoll unter die einschlägigen Genremotive.

Der Apparat und seine Opposition

New York, so, wie wir es in Westdeutschlandaus den Kunstspalten der Tageszeitungen und Kunstzeitschriften kennen, ist zumeist das Galerieviertel: die 57.

ZEITMOSAIK

In Deutschland wird ein Jargon der Eigentlichkeit gesprochen, mehr noch geschrieben, Kennmarke vergesellschafteter Erwähltheit, edel und anheimelnd in eins; Untersprache als Obersprache.

Unsere Sprache: Keine Experimente

Der Luchterhand Verlag schreibt in seinem, neuesten Jahresprogramm über Helmut Heißenbüttels „Textbuch 6“, der Autor habe „erkannt, daß die herkömmliche Sprache die Realität nicht mehr zureichend erfassen kann“.

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