Und es geschah, als das Volk den Schall der Posaunen hörte und als das Volk ein großes Geschrei erhob, da stürzte die Mauer ein an seiner Stelle.“ Über wenige Bibelstellen ist so viel gerätselt worden wie über diese. Wie kann es Josua fertiggebracht haben, mit dem Schall von Posaunen die dicken Steinmauern von Jericho umzustürzen? Jetzt entwickelte der New Yorker Bauingenieur Dr. Jacob Feld auf der internationalen Tagung für Bodenmechanik und Fundamenttechnik an der Technischen Hochschule Israel in Haifa eine neue Technischen

Bei den Ausgrabungen an der biblischen Oasenfestung wurde folgendes festgestellt: Das Mauerfundament war nur 1,70 Meter tief und stand auf weichem Lehmboden. Die besonders großen und schweren Grundsteine waren an einigen Stellen nach vorn unten gekippt, und zwar in einer Art und Weise, die Archäologen bei anderen umgestürzten Mauern noch nie registriert haben. „Es war ganz offensichtlich“, sagte Dr. Feld, „daß hier jemand die Erde von außen unter den Steinen fortgeschaufelt hat.“

Die Erdarbeiten seien durchaus innerhalb von sieben Tagen zu schaffen gewesen. Danach rekonstruiert der Bauingenieur den Ablauf der Ereignisse so: Nachdem Josua den Plan zum Unterminieren der Mauer gefaßt hatte, bestand das Hauptproblem darin, den Gegner im unklaren zu lassen. Vielleicht haben die Mineure unter einem Sichtschutz gearbeitet. Dann wären aber noch die Schaufelgeräusche zu Verrätern geworden. Um sie zu übertönen, bliesen die Priester die Posaunen – sechs Tage lang. Und am siebenten Tag, beim Einsturz der Mauer, gaben sie das Sturmsignal. Außerdem beendete das Geschrei des Volkes das sechstägige Schweigegebot, das Josua der Bibel zufolge erlassen hatte. Der Sinn desselben wird jetzt ebenfalls klar. Vitus Dröscher