DIE ZEIT

Zarapkin schweigt

Die aggressive Sowjetnote an die Bundesregierung vom 8. Dezember hat die zart aufkeimende Erwartung des Bundesaußenministers, der Kreml könnte doch an Verhandlungen über einen Gewaltverzicht interessiert sein, mit winterlichem Frost zugedeckt.

Atlantisches Finanztief

In Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf, gerade bei den Angelsachsen. Jetzt, da sowohl Washington als auch London den Leibriemen enger schnallen, müssen wir uns beizeiten auf neue, bittere Händel im westlichen Lager gefaßt machen.

Rost-Panne

Schon wenige Monate nach der Indienststellung, Mitte Juni 1962, entdeckte man auf „U 1“, dem ersten in der Serie neuer deutscher Unterseeboote, einen Riß in der achteren Tauchzelle; und bald wurden auch von anderen Booten Risse in verschiedenen Bauteilen gemeldet.

ZEITSPIEGEL

„Ich wünsche mir, daß die studentische Protestbewegung weiter an Boden gewinnt und andere Bevölkerungsschichten erfaßt, um die Voraussetzungen für eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu schaffen.

Einsamer Mann in der Prager Burg

Das grau-blonde Haar, über der hohen Stirn sorgsam gewellt und wie stets ein mühsames, leicht verlegenes Lächeln auf den schmalen Lippen –so saß: Antonin Novotny vor den Kameras des Prager Fernsehens und verlas seine Neujahrsansprache.

Ausweitung des Vietnam-Konflikts?

Steht die geographische Ausweitung des Vietnam-Krieges bevor? Das Pentagon wünscht die „heiße Verfolgung“ flüchtender Vietcongs auf kambodschanisches und laotisches Gebiet und eine Verlängerung der McNamara-Linie quer durch Laos.

Wilson setzt die Axt an

Das Jahr 1967 hatte für den britischen Finanzminister als Jahr der schönen Täuschung begonnen; mit Recht schien er auf eine Balance im Außenhandel und auf eine ausgeglichene Zahlungsbilanz hoffen zu dürfen.

Wolfgang Ebert:: Dialog mit Korea

Darauf wollten wir gerade kommen. Ihr CIA ist uns etwas zu tüchtig. Leider sind nämlich auch die 20 CIA-Beamten verschwunden, die hier zur gleichen Zeit aufgetaucht waren.

Die zugepflügte "Furche"

Ein weltoffener Kardinal, der allem Klerikalismus entsagt – und ein reaktionäres Laienkuratorium, das sich am politischen Katholizismus von vorgestern orientiert, sind im unfreiwilligen Bündnis einer Zeitung zum Verhängnis geworden, die zu den besten publizistischen Organen Österreichs gehörte.

Verschärfte Wahlsperrklausel?

Am 11. Januar beginnen die Beratungen des Bundeskanzlers mit den Bundesministern Lücke, Wehner und anderen über eine Verschärfung der Sperrklausel im Wahlgesetz.

Katzers Parole: Schulung

Die letzten Weihnachtsgeschenke konnte Hans Katzer, der Bundesminister für Arbeits- und Sozialordnung, in Brüssel kaufen, weil er pflichtgemäß an der allgemeinen europäischen Sternfahrt teilzunehmen hatte, die – alle Jahre wieder – in der Weihnachtswoche Dutzende von Ministern aus den sechs EWG-Ländern an den Ratstisch führte.

Franz Josef Strauß: Nation mit neuem Auftrag

ZEIT: Eine solche Forderung, vorgetragen auf der Basis deutscher Intransigenz – Festhalten an allem: Oder-Neiße-Forderungen, Münchner Abkommen, Atomwaffen-Option –, könnte von unseren Nachbarn im Osten wie im Westen eher ausgelegt werden als der Versuch, die europäische Frage zu germanisieren, Europa zum Vorspann deutscher Gelüste zu machen.

Zwei Deutschlands, ein Europa

Nur mit einer Politik der nationalen Verantwortung,die als Beitrag zur europäischen Solidarität verstanden wird, kann sich die Bundesrepublik Raum zu außenpolitischem Handeln verschaffen und eine weitere Erosion ihrer Sicherheitslage aufhalten.

Auf der Suche nach der Wahrheit

Nach einem monatelangen juristisch-politischen Ringkampf, zu dem der FDP-Abgeordnete und Notstandsexperte Wolfram Dorn den Notstandsminister und CDU-Abgeordneten Paul Lücke herausgefordert hatte, trennten sich die Politiker unentschieden.

Mit eigenem Mädchen

Wenn ihr hier filmt, erklärte uns die junge Dame, „dann kriegt ihr was in die Fresse.“ Sie sagte das ganz nüchtern, wie jemand, der einem die Spielregeln einer im Grunde idiotensicheren Sache nur noch einmal in Erinnerung bringt.

Neue Zypern-Krise

Nur drei Wochen nach der diplomatischen Schlichtung der schweren Zypern-Krise, die Griechenland und die Türkei an den Rand eines Krieges brachte, hat sich die Lage auf der Insel erneut verschärft.

Von ZEIT zu ZEIT

Der amerikanische Präsident Lyndon B. Johnson verkündete zu Beginn des Jahres ein drastisches Sparprogramm mit weitgehender Reduzierung der Devisenausgaben.

Namen der Woche

Christian Barnard (44), südafrikanischer Herzspezialist, hat in der Groote-Schuur-Klinik in Kapstadt zum zweitenmal ein Herz verpflanzt.

Amerika spart

US-Präsident Johnson hat zum Jahresbeginn ein drastisches Sparprogramm verkündet, das den Dollar stützen und die amerikanische Zahlungsbilanz ausgleichen soll.

Kompromiß am Suezkanal?

Die Mission des UN-Sonderbeauftragten Gunnar Jarring im Nahen Osten hat ein erstes bescheidenes Ergebnis erbracht. Vorige Woche erklärte sich die ägyptische Regierung damit einverstanden, daß die fünfzehn Schiffe, die seit Ausbruch des Nahostkrieges im Suezkanal festliegen, den Kanal alsbald verlassen.

China: Kurs der Vernunft

Eineinhalb Jahre lang befehdeten Maos Rote Garden das Establishment von Armee und Bürokratie. Doch die Kulturrevolution endete im Chaos.

Handgemenge in der Kirche

Eine Woche nach Heiligabend wurde der Gottesdienst in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche während der Silvesternacht erneut gestört: Als der Pfarrer mit der Bibellesung beginnen wollte, stimmte eine Gruppe linksradikaler Studenten – unter Führung der „Kommunarden“ Teufel, Langhans und Kunzelmann – den Sprechchor an: „Wir wollen diskutieren.

Israels herrlicher Wirrwarr

Wie doch das Leben spielt manchmal – merkwürdig. In Tel Aviv war es so warm, so hell, so sommerlich strahlend gewesen. Zum letztenmal hatte ich bei EL AL koscher gegessen – eine wichtige Sache, noch im Flugzeug.

Fachidiotie?

Am Anfang war es eine vernünftige Forderung: Jeder sollte gefälligst über sein Spezialistentum hinaus politische Interessen entwickeln, und ganz besonders der Hochschullehrer, dem gesellschaftlich exponierten Charakter seiner Position entsprechend.

ZEITMOSAIK

Einen Obolus werden Besucher von Shakespeares Grab in der Holy Trinity Church in Stratford-on-Avon ab März dieses Jahres zu entrichten haben.

Kunstkalender

„Science Fiction,“ Vorstellungen und Darstellungen der nahen und fernen Zukunft: Raumfahrt, Film, Literatur, Roboter, UFO, Kunst, Humor, Spielwaren, Comic Strips, Comic Books.

Nicht die Maske verlieren

Den Ostasiaten sagt man nach, sie legten großen Wert auf ihr Gesicht, nicht auf das Gesicht, das man pudern, schminken und bemalen, sondern auf das, das man verlieren kann – aber tunlichst nicht verlieren sollte.

Die Formen zerbrechen

NATHALIE SARRAUTE: Ich habe nicht viele Ideen und bin darin recht unbemittelt. Deshalb suche ich auch, sie ein wenig länger für mich zu behalten und bin nicht so glücklich, wenn andere Romanciers dann meine Theorien übernehmen.

FILMTIPS

„Tanz der Vampire“. Wie seine Helden mit Knoblauchzehen gegen Vampire, so kämpft Roman Polanski mit robustem Humor gegen die Schauer des Übersinnlichen.

Friedelinds Lohengrin

Die einzigen Grundbedingungen, die von ihr gestellt worden seien, sagt der für Kostüme und „künstlerisch-technische Mitarbeit“ verantwortliche H.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT eine biographisch-kritische Studie, die allerdings das Biographische ganz beiläufig, das künstlerische Phänomen dagegen in aller Ausführlichkeit behandelt, was sich schon in den Überschriften der vier Kapitel andeutet: „Ein Genie außerhalb der Geschichte“, „Die Gefahren des Ausdrucks“, „Die verklärten Körper“ und „Die zweite Linie“.

Unser Seller-Teller Dezember 1967

Wie üblich, bringt die letzte Bestseller-Liste des Jahres keine Überraschungen, sondern bestätigt noch einmal die Bucherfolge der letzten Wochen; und in diesem Fall darüber hinaus die Geschenk-Qualitäten des kleinen Romans von Malpass, der geschafft hat, was solchen Büchern der Frühjahrsproduktion selten gelingt: bis ins Weihnachtsgeschäft hinein zu überleben.

Der Rohrspatz als Kulturkritiker

Die Kunst, die in ihrer unmittelbaren Gegenwart entstand, ist von der Masse der Zeitgenossen nie so recht goutiert worden. Es war Michelangelo, auf den man zuerst das Wort „Entartung“ und „Verfall“ (corruzione) anwandte.

Von der Urkraft der Blechmusik

Unsere Bundeswehr krankt an mancherlei Gebrechen – wer wüßte es nicht? Die Belastung durch eine katastrophale Niederlage und einen moralischen Niedergang der Nation, die Bedürfnisse unserer Wohlstandsgesellschaft, die Sorge, im verbündeten Ausland könnten frische Erinnerungen an die alte Wehrmacht durch äußere Ähnlichkeiten wiederbelebt werden – wer wollte all diese Nachteile beim Neuaufbau leugnen? Der – gemessen an anderen Streitkräften schlaffe Dienst, die Überbezahlung der „Soldaten auf Zeit“ und der Wehrpflichtigen, der Mangel an wirklicher Tradition und daraus entspringendem Zeremoniell, die immer noch unschöne Uniform – wer wollte diese und andere Mängel nicht beheben? Die Frage ist nur, aus welchem Geist die Abhilfe geschehen soll.

Die Revolution des Marschalls

Zur Ehre Ayub Khans sei gesagt, daß, er wiederholt das an ihn gerichtete Ansinnen, das Ruder des Staatsschiffes zu ergreifen, zurückgewiesen hat.

Die Pariser Kommune

Das Buch schildert in großem Umriß und unter dem wenig glücklichen Titel „Paris ist tot – es lebe Paris“ die Erlebnisse der französischen Hauptstadt von der Weltausstellung 1867 bis zum Ende der Kommune 1871.

Mord an der deutschen Justiz

Elisabeth Hannover-Drück und Heinrich Hannover: „Der Mord an Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht. Dokumentation eines politischen Verbrechens“; edition suhrkamp nr.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Der Mini-Trip der Beatles führt in Sergeant Peppers Wunderland, und a splendid time is guaranteed auch hier.................

Fernsehen: Liebermanns erster Streich

Toi, toi, toi, Hans, sagte Rolf Liebermann, als Schmidt-Isserstedt daranging, sein Dirigentenpult zu besteigen, leichthin sagte er es, aber man merkte, daß die winzige Szene penibel geprobt worden war, die Ouvertüre begann, Kameras zeigten das Treiben hinter der Bühne, zeigten Dammtor-Atmosphäre in Wandsbek, das Schminken und Atemholen und Prüfen, zeigten Figaro, 1.

Theater: Zu Silvester: Operette

Von den englisch-amerikanischen Musicals haben es bei uns nur drei zu Silvester-Ehren gebracht: „Kiss Me, Kate“, „My Fair Lady“ und neuerdings „Hallo, Dolly“.

Aufgaben für 1968

Man könnte es sich fast ersparen, es niederzuschreiben: Die Konjunkturprognosen für 1968 lauten so einhellig positiv, daß heute jeder der Überzeugung ist, der deutschen Wirtschaft stehe ein gutes Jahr bevor.

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