Die Landerechte, die der deutschen Charterfluggesellschaft Condor von der amerikanischen Luftfahrtbehörde für die nächsten fünf Jahre erteilt wurden, gelten zunächst nur für Affinity-Group-Charter-Flights, das heißt nur für Vereine (Sie dürfen nicht für den Zweck einer Amerikareise gegründet werden; die Mitgliedschaft muß mindestens ein halbes Jahr betragen). Die Condor, Tochterunternehmen der Lufthansa, hatte sich länger als ein Jahr um diese Rechte bemüht. Die Amerikaner lehnten die Bewerbung des deutschen Charterers seinerzeit ab: Condor gehöre der Lufthansa, die Lufthansa aber sei eine IATA-Gesellschaft, und sie dürfe daher keine billigen Flüge über den Atlantik anbieten.

Die Lufthansa kaufte inzwischen die zweitgrößte Chartergesellschaft Deutschlands, die Südflug. Sie übernimmt damit auch die Landerechte der Südflug in Amerika, die im April 1967 zunächst für ein Jahr erteilt wurden. Konsequent hätten nun die Amerikaner sofort die Landerechte der Südflug streichen müssen. Sie taten es nicht. Die Südflug war bisher die einzige deutsche Chartergesellschaft, und sie ist es noch, die Touristen in Gruppen oder Vereinsmitgliedschaft (IT-Charter-Flight) von Deutschland in die USA fliegt.

Die amerikanischen Behörden wollen offensichtlich die Deutschen nicht verstimmen. Amerikanische Charterfirmen möchten stärker in das Atlantik-Geschäft einsteigen, sie brauchen dafür auch Landegenehmigungen in Deutschland. Die amerikanische Luftfahrtbehörde selbst hat die US-Charterer aufgefordert, Anträge für regelmäßige Flüge über den Atlantik zu stellen (IT-Charter-Flight wie Südflug). Bisher flogen die Amerikaner nur für Vereine und Berufs- und Studiengruppen von Europa in die USA (Affinity-Group-Charter-Flight).

Die erste amerikanische Firma, Trans International Airlines, hat bereits Anträge für Landerechte in Deutschland und in Amerika gestellt. Ziel der Trans-International: Regelmäßige Flüge von Deutschland und anderen europäischen Ländern in die USA und umgekehrt. Mitfliegen darf jeder, der bei den Reise-Agenturen, möglicherweise deutschen Reisebüros, eine Amerikareise mit Unterkunft und Rundfahrtprogramm bucht. Die amerikanische Regierung fördert diese Bemühungen: Mit niedrigen Flugpreisen soll das offizielle Visit-the-USA-Programm gefördert werden. Zur Zeit ist Bedingung (für Südflug), daß jeder Charterflug-Gast mindestens drei amerikanische Städte besucht: Die Touristen sollen nicht nur kommen, Geld sollen sie ausgeben.

Trans International beabsichtigt 1970 die erste Flugkette zu starten. Andere amerikanische Firmen wie World Airways wollen folgen.

Südflug hat bereits einen Antrag auf Verlängerung und Erweiterung ihrer Rechte gestellt. Das Unternehmen ist optimistisch: Man rechnet fest mit einer Verlängerung der Verträge. Mit einigen Reiseunternehmen wurden bereits Amerika-Flüge für das ganze Jahr 1968 vereinbart. Ein Nein der Amerikaner würde etwa 40 000 deutschen Touristen einen Strich durch ihre Urlaubspläne machen. Die Erweiterungswünsche der Südflug: Charterflüge nicht nur von Deutschland aus, sondern auch von anderen europäischen Ländern und von Amerika aus Flüge nach Ostafrika, mit kurzem Zwischenaufenthalt in Europa.

Bisher liegt nur von Neckermann ein USA-Programm auf IT-Charter-Flight-Basis mit Südflug vor. Die billigste Reise (16 Tage, Flug, Hotel) preist Neckermann im Frühlings-Sommer-Flugprogramm 1968 für 997 Mark an (New York–Philadelphia–Washington). In Wirklichkeit kostet sie jedoch mindestens 1146 Mark (das billigste Rundfahrtprogramm ist obligatorisch und kostet 149 Mark). Obligatorisch ist nur die Buchung und Bezahlung der Rundreise, wer die 16 Tage in New York verbringen will, darf die Rundreise schwänzen. Er muß jedoch den Aufenthalt selbst bezahlen.

Bei Scharnow ist man nicht gar so optimistisch: Es könnte sein, daß die Südflug als Lufthansatochter keine Verlängerung ihrer Landerechte erhaltenwird. Man hofft aber, daß vielleicht Condor auch die IT-Charter-Flüge durchführen darf. Das Amerikaprogramm mit Charterflugzeugen ist schon ausgearbeitet. Scharnow verspricht interessantere Rundreisen als im Vorjahr (14 Tage quer durch die USA; Philadelphia–Washington; auch Florida ist wieder im Programm, jedoch nicht mehr Boston), will sein Angebot aber erst im Mai oder Juni veröffentlichen (im Winter sind die Reisen eingestellt). Bis dahin, so hofft man, wird bei Südflug die Lage geklärt sein. Freilich, das große Geschäft mit Amerika wird Neckermann machen, weil sein Angebot jetzt schon vorliegt. Rolf Diekhof