Als die Obristen in Athen die Macht übernahmen

Von Eleni Vlachou

Am Abend des 20. April herrschte in den Redaktionsbüros der „Kathimerini der übliche Redaktionsbetrieb. Unendliche Papierrollen mit Informationen entquollen den Fernschreibern. Wir wußten über alles Bescheid – über die letzten Entwicklungen in Vietnam, die Schlußkurse der Börsen, die Wettervoraussage ... Aber wir wußten offensichtlich nicht, was in Athen los war.

Weil der Abend so still war, hatte ich die Redaktion kurz nach Mitternacht verlassen und war nach Hause gefahren. Es war nicht ganz drei Uhr morgens, als die Tür zum Schlafzimmer geöffnet wurde und ich im Halbschlaf meinen Mann mit der kühlen und beherrschten Stimme, die die meisten Marineleute haben (er war bis 1954 in der Marine), sagen hörte: „Steh rasch auf und zieh dich an.“

„Was ist los?“

„Ich weiß nicht. Überall in der Stadt sind Tanks und Schützenpanzer. Es sieht nach einem Coup aus...“ Kaum zehn Minuten danach jagten wir mit unserem Wagen zum Omonia-Platz, zurück zur „Kathimerini“ -Redaktion. Die Stadt hatte bereits einen seltsamen Alpdruck-Charakter angenommen. Riesige schmutzbedeckte Panzer rollten schwerfällig durch die vertrauten Straßen und gingen in Angriffsstellung.

Ich erinnere mich, daß ich die törichte Frage stellte: „Sind das unsere?“ Natürlich, war die Antwort. Was für welche sollten es auch wohl sonst sein. Natürlich? Griechische Panzer mit griechischen Offizieren und griechischen Soldaten, die die Straße versperrten, die Polizisten beiseite drängten, Zivilisten erschreckten, Athen einnahmen? Unter Schwierigkeiten gelang es, zur Redaktion zu gelangen, wo wir verwirrt und bestürzt begrüßt wurden.