Feuilleton

Prager Schriftsteller antworten

T ieder einmal hatte ich die ersten Tage des neuen Jahres in Prag verbracht. Dort sprach man von „historischen Tagen für die CSSR".

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DIE ZEIT

Reform mit Fußangeln

Die Auseinandersetzung über unser künftiges Wahlrecht stellt die Bundesrepublik vor die bedeutendste innenpolitische Prinzipienentscheidung seit ihrer Gründung.

Das gleiche Lied

Vor fünf Jahren hatte der polnische Schriftsteller Stefan Kisielewski eine Informationsreise durch die Bundesrepublik unternommen.

Wie bei Stalin?

Das Urteil, mit dem ein sowjetisches Gericht über drei junge Schriftsteller und ein junges Mädchen Freiheitsstrafen verhängt hat, wirft die Entwicklung in der Sowjetunion weit zurück hinter Chruschtschow – zurück in die Stalin-Ära.

Un-Recht

Juristen, so hat es den Anschein, haben es besser – selbst dann, wenn sie verdächtig sind, eher dem Unrecht als dem Recht gedient zu haben.

Friedens-Chance zunichte?

Der Abteilungsleiter für fernöstliche Angelegenheiten im State Department, William Bundy, hat erklärt, mit den Absprachen zwischen Botschafter Chester Bowles und Prinz Sihanouk von Kambodscha hätten die Vereinigten Staaten keineswegs auf das Recht zur „heißen Verfolgung“ von kommunistischen Einheiten verzichtet, die auf kambodschanischem Gebiet Stützpunkte unterhalten und von ihnen aus gegen die amerikanischen Grenzstellungen in Südvietnam operieren.

Zeitspiegel

„Ich bin ganz sicher, daß der General de Gaulle seine Politik, die nur zeitbedingte Taktik ist, ändern wird; auch hinsichtlich seiner Gegnerschaft zum Beitritt Englands in den Gemeinsamen Markt und seines Anti-Amerikanismus.

Parteichef ohne Schatten

Wer heute in Preßburg, der slowakischen Hauptstadt Bratislava, nach Alexander Dubček fragt, wird kein böses Wort über ihn hören; er wird aber auch niemanden finden, der ihm Vorschußlorbeeren zubilligen würde.

Günter Grass: Vietnam geht auch uns an

Auf einem entlegenen Kriegsschauplatz verlieren die USA, trotz eines für sie günstigen Bodycount – der „Totenzählung“ – vielleicht keinen Krieg, aber ihr letztes moralisches Prestige.

Zwist um den Notstand

Es sieht so aus, als ob sich die Sozialdemokraten und die Christlichen Demokraten in der Frage der Notstandsgesetze auf Kollisionskurs bewegten.

Revolutionärer Realismus

Im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) treffen sich wildgewordene, schwarmgeistige Utopisten, deren romantisch-neurotischer Wunsch nach Revolution anarchistisch und verfassungsfeindlich, bestenfalls unrealistisch ist.

Bonner Dreigestirn

Mit seinem neuen Staatssekretär, Professor Carstens, erhält das Bundeskanzleramt einen in der Leitung einer solchen Behörde erfahrenen, politisch begabten Chef.

Hilfe aus Frankfurt

Der stellvertretende amerikanische Außenminister Katzenbach hat die Forderungen seiner Regierung nach einem Devisenausgleich in Bonn nur angedeutet.

Ulbricht bittet zur Kasse

Eine Mahnung erhielt in der vergangenen Woche das posttechnische Zentralamt in Darmstadt – über 985 745 329 Mark und 95 Pfennig, zahlbar unverzüglich an die Zentralbuchhaltung der „Deutschen Post“ in Ostberlin.

Wolfgang Ebert:: Demokratie – aber wo?

In gewissen westlichen Demokratien würde man – nach den jüngsten Ereignissen in Prag – gerne von den Kommunisten lernen, wie man einen Staatschef, den man nicht mehr brauchen kann, auf demokratische Weise los wird.

Die Herrschaft der Obristen

Am 22. April, einem Sonnabend, war die erste Phase des militärischen Coups in Griechenland vorüber. Der großartige Bluff der schlauen Obristen hatte alle ihre Gegner gezwungen, sich schleunigst in Sicherheit zu bringen.

Die Axt im Unterhaus

Im alten Rom hätte Harold Wilson längst einen trefflichen Beinamen, etwa „Cunctator“ seines chronischen Zauderns wegen. Einmal erst hat er sich zu einem lange gemiedenen Entschluß aufgerafft: als er vor zwei Monaten das Pfund abwertete.

Rabulistik

Brandt hat von de Gaulle Auskunft gefordert, wie dieser sich das „Arrangement“ der EWG mit England vorstelle: Wenn es keinen Fortschritt gäbe, „wird sich sicherlich die Frage erheben, ob man auf andere Weise die Verbindung zwischen Großbritannien und den kontinentalen Ländern verstärken kann.

Blick über den Rhein

Eine „life“ ausgestrahlte Fernsehdiskussion mit Bundeskanzler Kiesinger sollte den Franzosen den fünften Jahrestag des deutsch-französischen Vertrages am 22.

Schriftstellerprozeß, II. Teil

Der sowjetische Schriftsteller Alexander Ginsburg, 31 Jahre alt, der das hier angezeigte Weißbuch über den Prozeß gegen die Schriftsteller Sinjawskij und Daniel in den Westen geschmuggelt hat, wurde vor einer Woche in Moskau zu fünf Jahren hartem Arbeitslager verurteilt, weil er angeblich mit einer russischen Emigrantenorganisation zusammengearbeitet hatte.

Berlin-Alarm

Zarapkin soll Brandt in schriftlicher Form von sowjetischen Einwänden gegen eine weitere schrittweise Verzahnung Westberlins mit der Bundesrepublik informiert haben.

Revirement im Vatikan

Im Vatikan ist in diesen Tagen Geschichte gemacht worden – durch personelle Veränderungen. Papst Paul VI. brach, auch dies eine Folge des II.

Von ZEIT zu ZEIT

Deutsch-jugoslawische Verhandlungen über Handelsfragen begannen in Bonn. Besprechungen in Paris über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Belgrad und Bonn wurden für die nächste Woche vereinbart.

Bonn: Koalition außer Tritt

Die Bonner Regierungsehe zwischen CDU/CSU und SPD geht ins kritische zweite Jahr: Die Große Koalition muß wenigstens einen Teil der angekündigten Reformen realisieren, wenn sie ihre Existenzberechtigung nachweisen will.

Namen der Woche

Theophilus Doenges, Staatspräsident Südafrikas, starb 69jährig im Groote-Schuur-Krankenhaus/Kapstadt. Doenges hatte im Mai 1967 nur 20 Tage vor seiner Amtseinführung einen ersten, im Oktober einen zweiten Schlaganfall erlitten, von dem er sich nicht wieder erholte.

Söldner-Krieg im Jemen

Sind die Bürgerkriegsparteien im Jemen zum letzten Gefecht angetreten? Der royalistische Radiosender meldete am Wochenende, die republikanische Hauptstadt Sanaa sei umzingelt.

Sucht Hussein den Frieden?

Nach der Vertagung der arabischen Gipfelkonferenz, die sich am 17. Januar in Rabat mit der „Beseitigung der Folgen der israelischen Aggression“ befassen sollte, versuchte Jordaniens König Hussein vorige Woche die angeschlagene arabische Solidarität wieder zu kitten.

Uneheliche Väter e.V.

Es ist nicht mehr aufzuhalten, die Bundesrepublik wird um einen Verein reicher werden: den VDU oder „Verband der Unterhaltsverpflichteten für unehelich geborene Kinder“.

Mein Gespräch mit Ludvik Vaculik

Mit seiner Frau und seinen drei Söhnen hat er in der 5. Etage eine – einschließlich Küche – 67 qm große Wohnung, für die er monatlich etwa 400 Kronen (nach Touristenkurs: 100 Mark) aufbringen muß.

Das älteste Spiel der Welt

Harro Siegel, der große Puppenspiel-Fanatiker (und seit 1964 Leiter der Villa Romana in Florenz), hat seine Marionetten und Masken zum letztenmal auf Tournee geschickt.

Versuch eines Ost-West-Dialogs:: An Pavel Kohout...

diesmal ist es an mir, nachzuhinken: Zwischen Ihren Brief und meine Antwort schoben sich einige Wochen voller schematischer Friedfertigkeit und monoton gemurmelter Wünsche zum neuen Jahr, das Ihrem Land, gleich zu Beginn, tatsächlich einigen Wechsel brachte: Antonin Novotny hat einsehen müssen, daß die Überfülle seiner Macht ihn allzusehr beanspruchte; doch ich bin zu wenig Hradschin-Astrologe, um aus der Umgruppierung der Staatsspitze Ihres Landes ein Horoskop für den Rest des Jahres stellen zu können.

Kafka in Käfig und Labyrinth

Der dreißigjährige Bankprokurist Josef K. ist ein Herr Jedermann. Er wird von einem unbekannten Gericht wegen einer Schuld angeklagt, die so wenig greifbar ist wie die existentielle Schuld jedes modernen Menschen.

FILMTIPS

„Bonnie und Clyde“, von Arthur Penn. Während der Depressionsjahre durchzieht ein kriminelles Pärchen mehrere Staaten der USA, raubt, tötet und wird getötet.

Der Hang zur Serie

Sie, die ars multiplicata, ist der Progressiven liebstes Kind, aber ein Ärgernis den Altgläubigen, die ihre letzten Teile davonschwimmen sehen.

Kunstkalender

Durch seine „Maschen“-Bilder, die ein dichtes Netz über strudelnde Farbgründe spannen, ist Trier zu einem Protagonisten des Taschismus geworden; daß diese Bilder nur eine Phase in seiner Entwicklung darstellen, demonstriert die Gesamtausstellung mit Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphik aus den Jahren 1947 bis 1967.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Am 14. August 1956 starb Bertolt Brecht. Die Gedenkmusik Paul Dessaus, des Komponisten, der dem Stückeschreiber – wie er selber sagt – die besten Jahre und die wichtigsten Anregungen verdankt, will nicht bloß der Trauer Ausdruck geben.

ZEITMOSAIK

Den Literaturpreis der Freien und Hansestadt Hamburg, den Lessingpreis, der nur alle drei Jahre von einer aus sieben Mitgliedern bestehenden, vom Hamburger Senat gewählten Jury vergeben wird (der letzte Preisträger war Peter Weiss), erhält in diesem Jahr Walter Jens, Professor für Klassische Philologie und Rhetorik in Tübingen, Schriftsteller, Kritiker und regelmäßiger Mitarbeiter der ZEIT.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT einen detaillierten Bericht über die bisher größte und wirkungsvollste Gastspielreise eines deutschen Ensembles, von der Finanzierung (Herbert Paris) über die Organisation (Jürgen Simon) zur Technik (Hans Stalin).

Endspiel einer geschlossenen Gesellschaft

Das ist immerhin bemerkenswert: Da erscheint der zweite Roman eines Schriftstellers, dessen erstes Buch nur wenige Jahre zurückliegt und damals nicht unbeachtet geblieben war; doch können wir dem Klappentext des neuen Werks und den üblichen Werbeprospekten zwar entnehmen, daß und bei wem unser Autor Komposition studiert hat, aber jener Erstling wird konsequent verschwiegen.

Bittere Bananen

Wenn sich schon die Chronisten der Conquista sozialkritisch engagiert zeigten, kann man, wie Miguel Angel Asturias, die Protestliteratur als eine für Lateinamerika charakteristische Gattung bezeichnen.

Theater: Eine irrwitzige Wirklichkeit

Alles ist abhängig von der Wirkung, die es hervorruft. Ich versuche verschiedene Rollen. Ich gebe meinen Erlebnissen den verschiedensten Sinn – und wenn einer von diesen Sinnen von den Maischen akzeptiert wird, fixiere ich mich in ihm.

Fernsehen: Bismarck – zu tief geraten

Da waren sie ratlos, die Leute. Befragt, wie sie die Politik des Otto von Bismarck einschätzten, zuckten sie verlegen die Achseln, verwiesen auf einen unzureichenden Geschichtsunterricht, holten aus, um innezuhalten, schwadronierten drauflos oder bekannten sich zu der schlichten Sentenz: „Den kenne ich nicht, dafür bin ich zu alt.

Der Fall Johanna

Ich fuhr hin. Clausthal ist eine Stadt aus Holzhäusern, die mich an Pennsylvania erinnern. Clausthal hat eine alte Bergakademie, die Wert darauf legt, mit „Technische Hochschule“ angeredet zu werden, und die mit über zwölfhundert männlichen und weniger als hundert weiblichen Studenten partiell unterbevölkert ist.

Auf den Spuren Rockefellers

Mit spröder, brechender Stimme sagte der Redner: „Ich habe mich entschlossen, die Firma über eine Stiftung, die Ausdruck der dem Gemeinwohl verpflichteten Tradition des Hauses Krupp sein soll, in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln.

Harmonisierung

Rund fünf Millionen französischer Arbeitnehmer und alle Betriebe mit mehr als hundert Beschäftigten erleben seit Anfang dieses Jahres ein ganz neues Tarifpartner-Gefühl: sie unterliegen de Gaulles obligatorischem Gewinnbeteiligungssystem für unselbständig Beschäftigte.

Vater, was ist eigentlich ein Dollar?

Die Forderungen der Vereinigten Staaten nach einer stärkeren Beteiligung ihrer Partner an den devisenzehrenden Auslandsausgaben haben neben Einsicht auch Kritik erzeugt.

Die Lehren der Weltwirtschaftskrise werden in den Wind geschlagen. Der Protektionismus greift wieder um sich: Auf dem Rücken der anderen

Manchmal hat auch eine dumme Frage ihren Sinn: Was würde geschehen, wenn in Niedersachsen der Verkauf bayrischen Biers durch eine Sondersteuer erschwert würde und daraufhin die Regierung in München die Einfuhr von Volkswagen behindern würde – jeweils mit dem Argument, man müsse die eigene Industrie vor der bösen Konkurrenz schützen? Ich glaube, der Vorschlag, die .

Ratlos

Die Herren aus dem Fernen Osten suchten Rat in Deutschland. Drei Abgesandte des japanischen Steinkohlenbergbaus wollten wissen, wie in der Bundesrepublik das Kohleproblem gelöst wird; denn auch in Japan ist die heimische Förderung teurer als die importierte Energie.

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