DIE ZEIT

Fingerhakeln in Berlin

Alles dreht sich wieder um Berlin“, jubelte das Boulevardblatt „BZ“ in einer halbseitigen Schlagzeile. Doch die Krisen-Euphorie, die Aussicht, Westberlin wieder in den Weltmittelpunkt rücken zu können, verflog, als der Regierende Bürgermeister Schütz am Freitag vergangener Woche von einem dreistündigen Gespräch mit dem sowjetischen Botschafter Abrassimow aus Ostberlin zurückkam.

Zapfenstreich in Singapur

Englands asiatische Träume sind ausgeträumt. Rudyard Kipling ist tot. Jene dem europäischen Kontinent vorgelagerte Inselnation, die noch vor einer Generation ein weltumspannendes Empire beherrschte, ist nach Europa zurückgekehrt.

Schüler-Sieg

Fünf Tage lang erschütterten heftige Demonstrationen die traditionsreiche Hansestadt Bremen. Die Obrigkeit verlor angesichts protestierender Schüler die Nerven und gab der Polizei Order, den Knüppel zu ziehen.

Ohne Lorbeer

Harold Wilson setzte sich die Pelzmütze auf wie vor neun Jahren Harold Macmillan, aber seiner Rußland-Reise war weniger Erfolg beschieden.

Saalschutz

In Hamburgs berühmtester Kirche ist es zu einem Eklat gekommen. Entgegen dem Rat seines Bischofs Wölber, der in einer Erklärung zu den Studentenauftritten in St.

Fünf Jahre Elysée-Vertrag

Die fünfte Wiederkehr des Tages, an dem der deutsch-französische Vertrag unterzeichnet wurde (22. Januar 1963), hat Gelegenheit geboten, die Freundschaft zwischen beiden Ländern mit nachdrücklichen Erklärungen zu bestätigen, wobei das offizielle Frankreich sichtlich den größeren Eifer bekundete.

ZEITSPIEGEL

In der Samstagsausgabe des Berliner „Tagesspiegel“ wurde im Inseratenteil ein offener Brief des „erweiterten Vorstands der ehemaligen Züchter für Langhaarmöpse“ veröffentlicht, in dem es heißt: „Etwa 1000.

Dschungel-Staat der Ungewißheiten

Es wäre unpräzise, zu sagen, Laos sei nach dem Willen der Genfer Konferenzen von 1954 und 1962 ein neutraler Staat; und es wäre ungerecht, daraufhin zu fragen, wo seine Neutralität denn heute geblieben sei.

Neuer Chef im Pentagon

Einst stiller Gehilfe, jetzt Verteidigungsminister des US-Präsidenten: Clark Clifford

Comeback für Europa

In dieser Woche, da in Sizilien die Erde bebte und in Deutschland die Flüsse über die Ufer traten, begann für Walter Hallstein ein neues Leben.

England – wie weit draußen?

Die britische Regierung hält das zweite französische Veto vom 19. Dezember vorigen Jahres für noch härter als das von 1963. Der britische Außenminister begründete diese unterschiedliche Bewertung dem Bundesaußenminister in Bonn so: de Gaulles erstes Nein habe sich gegen den Beitritt Großbritanniens zur EWG gerichtet; mit dem Veto von Brüssel aber habe der General sogar die Aufnahme von Verhandlungen über den Beitritt Englands abgelehnt.

Wechsel in Wien

Die neue österreichische Regierung gilt offiziell als „Kabinett Klaus II a“. Klaus I war das letzte Koalitionskabinett mit den Sozialisten Pittermann als Vizekanzler und Bruno Kreisky als Außenminister; Klaus II war die erste „monokolore“ Regierung im Nachkriegs-Österreich, gebildet nach der Wahl vom 6.

Opposition - um welchen Preis?

Das Schiff der Freien Demokraten, das in den politischen Stürmen des Hannoveraner Parteitags arg ins Schwanken geraten war, scheint jetzt wieder etwas ruhigere Gewässer angesteuert zu haben.

Johnson ohne Schwung und Glanz

Als Lyndon Johnson am Mittwoch voriger Woche vor dem Kongreß seine diesjährige Botschaft über die Lage der Nation abgab, bemerkten die Fernsehzuschauer an seinem Profil eine irritierende Veränderung, schwer definierbar zwar, aber unverkennbar: der Make-up-Künstler hatte dem sonst straff zurückliegenden Haar des Präsidenten den Hauch einer Welle angezaubert.

Die Regierung wird „erniedrigt“

Seit die Abgeordneten des Deutschen Bundestages aus den Weihnachtsferien zurück nach Bonn gekommen sind, haben sie sich an einen neuen Arbeitsrhythmus gewöhnen müssen: Bis Juni werden sie probeweise jeweils zwei Wochen hintereinander Dienst in Bonn tun und zwei Wochen Zeit für ihren Wahlkreis haben (bisher: drei Wochen Bonn, eine Woche Heimat).

Nur auf Kosten der Habenichtse?

Der von den beiden Supermächten jetzt in Genf gemeinsam vorgelegte Atomsperrvertrag ist der erste Entwurf, welcher der Bundesregierung keinen Schrecken mehr einjagt.

Wolfgang Ebert:: Agent Werner in Nöten

Auch dort sind längst Reformen überfällig, doch davon erfährt die Öffentlichkeit nichts, weil die Beamten, der Natur ihrer Aufgaben entsprechend, nicht auf die Straße gehen können, um dort lauthals für ihre Sache zu demonstrieren.

Gowon will gewinnen

„Laßt uns das Letzte geben und den Krieg bis zum 31. März gewinnen“, hatte Generalmajor Gowon, Chef der Zentralregierung in Lagos, seinen Truppen zum Jahreswechsel zugerufen.

Namen der Woche

Georg Dertinger, einst Mitglied der Ost-CDU und DDR-Außenminister 1949 bis 1953, im Jahr darauf wegen „Verschwörung zur Beseitigung der DDR“ zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, später begnadigt, starb 65jährig in Leipzig.

Nordkorea kaperte US-Schiff

In der Nachbarschaft des Kriegsschauplatzes Vietnam drohten Mitte der Woche neue internationale Verwicklungen: Nordkoreanische Patrouillenboote brachten am Dienstag die „Pueblo“, ein Nachrichtenschiff der US-Kriegsmarine, auf und zwangen es – von MiG-Jägern unterstützt – den Hafen Wonsan anzulaufen.

Moskau und Washington sind sich einig

Trotz des Krieges in Vietnam, trotz eines Rüstungswettlaufs, der in Ost und West immer neue Angriffs- und Abwehrraketen hervorbringt, sind die beiden Supermächte daran interessiert, das Risiko einer atomaren Katastrophe möglichst klein zu halten.

Ölscheichs bangen um Macht und Geld

„Ein Verkehrspolizist kann keinen Bankraub verhindern, aber seine sichtbare Anwesenheit wirkt abschreckend“, schrieb die Londoner „Times“ vorige Woche.

Von ZEIT zu ZEIT

Der niederländische Außenminister Joseph Luns kritisierte die zu starke Bindung der Bonner Politik an Paris. Zum fünften Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages über die deutschfranzösische Zusammenarbeit tauschten Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger Grußbotschaften aus.

Dilettantendichter

In Hamburg hat sich vor kurzem ein „Institut zur Förderung des Schriftsteller-Nachwuchses“ (IFS) aufgemacht. Der Fernlehrgang will in achtzehn Monaten aus Dilettanten Dichter machen, für ein bescheidenes Entgelt von 546 Mark.

Lydia Schierning empfiehlt Schallplatten

Die Erwartung, die man hegt, wenn man eine Schallplatte auflegt, die den Namen dieser drei Künstler trägt, erfüllt sich. Mit romantischer Leidenschaft bemächtigen sie sich der Werke und spüren doch auch die immer wiederkehrenden verhaltenen Episoden auf.

Die Revolution der Ernüchterung

Jewtuschenko kam an. Sein Ruhm als frondierender Poet war ihm nach Westen vorausgeeilt. Sein donnerndes Pathos wurde der russischen Seele zugeschrieben.

ZEITMOSAIK

Die erste Klappe für zwei neue Filme der Ostberliner DEFA fiel in diesen Tagen in den Ateliers in Babelsberg. Nach dem Roman von Ilse und Vilmos Korn entsteht in der „künstlerischen Arbeitsgruppe ‚Berlin‘“ als Beitrag zum Karl-Marx-Jahr 1968 der Film „Mohr und die Raben von London“.

Knospenspitzenfrühlese

Der Tee, den ich ihm vorher serviert hatte, war, so schien es mir, nicht so ganz das richtige gewesen: grüner Tee, wie ich ihn mir eigens aus Japan kommen lasse – dieses Mal sogar eine besonders gute Sorte.

Kunstkalender

Eine brillant inszenierte und eine von der Sache her wichtige Darbietung. Museumsleute und andere professionelle Aussteller können auf der Mathildenhöhe, wo Bernd Krimmel Regie führt, lernen, wie sich bildende Kunst jeder Art (sowohl die hohe Kunst in der vorangegangenen Schau „Kunst des Berry“ wie jetzt die Schweizerische Volkskunst) zeitgemäß, mit Geschmack und maximalem Publikumseffekt präsentieren läßt.

Die Massen blieben draußen

anches Drama werde „künftig nur Vorspiegelung eines Dramas (im alten Sinn) sein können ... de facto jedoch Zeitung... mit verteilten Rollen“.

Die schäbig gewordene Vergangenheit

Daß die Photographie neun Jahre vor der 48er Revolution geboren wurde, erscheint uns als erstaunliches Faktum. Weder die Märzaufstände noch die europäischen Schlachtfelder der fünfziger und sechziger Jahre wurden von der Kamera festgehalten.

In St. Pauli nichts Neues

Manche Bücher sind nur als Modellfälle bemerkenswert, im Positiven wie im Negativen. Ihre Lektüre ist nicht annähernd so unterhaltsam wie anstrengend, und einer Menge von Wunderlichkeiten, die aber doch auch wieder typisch sind, begegnet man mit einigen Ahas und Sosos.

Ein Leitartikel als Roman

läßt er uns spüren, wie versiert er ist. Ausflug ins Kapitol: „Auf der Höhe des Senatsgeschosses entging Bürden den Touristen, indem er in der Senatstoilette, einer noblen Räumlichkeit mit riesigen Pissoirs, Zuflucht nahm.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT fünfzig jener possierlichen oder drastischen, komischen oder derben Kurzerzählungen (davon rund vierzig zum erstenmal ins Neuhochdeutsche übersetzt) des späten Mittelalters, die in der offiziellen Literaturgeschichte zumeist als Beweise des Niedergangs der Literatur zitiert werden.

Etwas Neues über Bethmann

Der Kieler Historiker Karl Dietrich Erdmann hatte in der ZEIT Nr. 2/68 dargelegt, warum die von ihm zuerst ausgewerteten Tagebücher Kurt Riezlers noch nicht publiziert wurden.

Theater: Berliner Theater-Zuwachs

Tapfer, als gäbe es nicht Wirtschaftsflaute, nicht Mehrwertsteuer, präsentiert sich in Berlin ein neues Theaterchen. Kaum geriet, von Osten her, die Stadt wieder ins Status-Gespräch, da zogen zwei Twens den Vorhang zu einem ehrgeizigen Kleinbetrieb auf, den sie „Berliner Schauspielbühne“ tauften.

Fernsehen: Schnurre ist anders

Francis Durbridge – vor Jahren die Straßen leerfegend, heute eher routiniert unterhaltend – regierte die Woche. Peter Beauvais inszenierte den Reißer in vertrauter Manier, mit Schattenmännern, barocker Leichenseligkeit und ein klein wenig artistischem Raffinement.

Zwanzig Jahre nach Hiroshima

Von Mailand, wo am Piccolo Teatro 1966 die Uraufführung stattgefunden hat, ging dem Stück ein guter Ruf voraus. Der Autor (geb.

FILMTIPS

„La Chinoise“, von Jean-Luc Godard. Fünf junge Radikale, zwei Mädchen und drei junge Männer, versuchen ihrem Leben mit Hilfe der Lehren Maos einen neuen Sinn zu geben.

Musik:: Kulturdemontage in Trier

Trier, an Wein, Kultur und Geschichte reich, doch momentan recht arm an Geld, hatte beschlossen, den finanziellen Erholungsprozeß dadurch einzuleiten, daß es sein Städtisches Orchester verkleinerte.

Schiller ist nicht mein Rivale

ZEIT: Herr Minister, Ihnen stehen schwere Wochen bevor. Der amerikanische Druck auf uns wird stärker, die USA wollen einen noch höheren Devisenausgleich.

Die Position von Strauß

Der Finanzminister lehnt deshalb Steuersenkungen und entsprechend eine noch höhere Staatsverschuldung ab. „Zu starke Konjunkturanreize“ würden nur neue Überhitzungserscheinungen hervorrufen.

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