Im Jahre 1966 kam zum erstenmal ein Reiseführer für das DDR-Territorium heraus, der in seinem historischen und gesellschaftswissenschaftlichen Teil die offizielle Lesart der deutschen und der DDR-Geschichte wiedergibt. Der

Reiseführer Deutsche Demokratische Republik; F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1966; 417 Seiten, 14,80 Mark der DDR

handelt von einem Land, in dem sich eine "Kulturrevolution vollzieht", das über das dichteste Omnibusliniennetz in Europa verfügt und in dem auf 100 männliche 119 weibliche Einwohner kommen. Von 100 Einwohnern sind 58 im arbeitsfähigen Alter, 24 sind Kinder unter 15 Jahren und 18 haben das Rentenalter erreicht (Voraussetzung zu Verwandtenbesuchen in der Bundesrepublik). 21,85 Prozent der Gesamtbevölkerung leben in den Großstädten: Ostberlin, Leipzig, Dresden, Karl-Marx-Stadt, Halle, Magdeburg, Erfurt, Rostock, Zwickau, Potsdam und Gera.

Ostberlin hat halb soviel Einwohner wie Westberlin: 1 071 450. Dieses Westberlin gehört, nach dem Reiseführer, zum Territorium der DDR, aber eine Beschreibung findet nicht statt. Dafür spricht das Buch von immer neuen Bemühungen um die Verbesserung der nachbarlichen Beziehungen.

Die zahlreichen, im Anhang wiedergegebenen Einreise- und Transitbestimmungen sind nur für Ausländer von Interesse. Eine Zusammenstellung aller Bestimmungen des Reiseverkehrs für Westdeutsche und Westberliner fehlt leider.

Redaktionsschluß war der 1. Oktober 1965. Inzwischen hat sich manche Neuerung ergeben, die sich positiv oder negativ auf den Reiseverkehr auswirkt. Der Transitverkehr hat erheblich zugenommen, die Gastronomie ist verbessert worden.

Das Reiseland wird aufgegliedert in Reiseziele: Berlin, Ostseeküste, Mecklenburg und seine Seen, brandenburgisches Seengebiet rund um Berlin, Elbestädte, Harz, Thüringer Städte, Thüringer Wald und Schiefergebirge, Saaletal, Leipzig, Vogtland, Erzgebirge, Dresden und das Elbtal zwischen Pirna und Meißen, Sächsische Schweiz und Lausitz.