DIE ZEIT

Zorn als Taktik

Eine nachweislich falsche dpa-Meldung gab de Gaulle den willkommenen Vorwand für seinen Versuch, die Bundesrepublik einzuschüchtern.

Deutschland doppelt

Avery Brundage, amerikanischer Bürger, Hotelier, Multimillionär, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, hatte es einmal als seinen größten Erfolg bezeichnet: daß er die „Spaltung der deutschen Olympiamannschaft“ verhinderte.

Gescheitert in Vietnam

Die vietnamesischen Guerillas haben der Weltmacht Amerika keine Niederlage zugefügt, aber eine gründliche Abfuhr erteilt. Den gleichzeitigen Ansturm des Vietcong auf fast alle Städte, den Verlust riesiger pazifizierter Gebiete auf dem platten Lande und die Einkesselung amerikanischer Truppen in Khe Sanh, wo die eigentliche Schlacht noch bevorsteht – Präsident Johnson vermag es nicht zu leugnen, Doch er weigert sich entschieden, diese Ereignisse als gravierenden Mißerfolg seiner Strategie in Vietnam zu sehen.

Keine Antwort in Delhi

Was den Armen nicht freiwillig gegeben wird, könnten sie sich eines Tages mit Gewalt holen. Mit dieser düsteren Mahnung eröffnete Ministerpräsident Indira Gandhi die zweite Welthandelskonferenz der UNO in Neu-Delhi.

Die gesteinigte Demokratie

Es ist immer so: Wenn man in einem enragierten Meinungsstreit nicht einseitig Stellung bezieht, dann wird man von beiden Kontrahenten als Verräter abgestempelt.

ZEITSPIEGEL

„Man kann nur zu dem Schluß kommen, daß diejenigen, die über das deutsch-französische Verhältnis anderer Meinung sind, entweder diese Störung verursacht oder auch Honig daraus gesaugt haben.

Clausewitz des Guerilla-Krieges

Die Franzosen mochten ihn ganz gern, jenen untersetzten Vietnamesen, der zwar zuweilen reichlich verschlossen wirkte, aber doch häufig bereit war, ein breites Lachen auf sein kreisrundes Gesicht zu setzen.

Westmorelands welker Lorbeer

William Westmoreland, Oberkommandierender über fünfhunderttausend amerikanische Soldaten in Südvietnam, trat siegesgewiß in den Saal des Nationalen Presseklubs zu Washington.

Amerika – uneins mit sich selbst: Sackgasse Vietnam

Die Vereinigten Staaten sind heute ein zutiefst friedloses, ja ein heil-loses Land: eine verwirrte, zerstrittene, zweifelnde und bisweilen verzweifelte Nation; ihres Handelns unfroh und ihrer Bestimmung ungewiß; umgetrieben von den politischen Krisen, die an allen Horizonten dräuen, und gepeinigt von Gewissensbissen.

Wolfgang Ebert:: Die Riesenzwerge

Ihre Frage, wie uns das mit der „Pueblo“ passieren konnte, fand ich nicht übermäßig taktvoll. Ich frage Sie auch nicht dauernd, wie Ihnen das mit Ägypten passieren konnte.

Bürgerkrieg in Berlin?

In Westberliner Wohnstuben erfror am Wochenende die Gemütlichkeit mit einem Szenenwechsel der regionalen Fernsehschau. Eben noch verbreiteten rotierende Brathähnchen auf dem Bildschirm Wohlbehagen.

Zündstoff in Bonn

Der Anfangsschwung der Großen Koalition beginnt zu erlahmen. Der Vorrat an Einigungsmöglichkeiten schwindet, und auch die Pläne der Anfangszeit lassen sich immer schwerer verwirklichen.

Die Ravensburger Depesche

Die Aufregung um den „Zwischenfall von Ravensburg“ oder „Die Affäre Brandt“ oder die Ravensburger Depesche, wie man hier sagte, hat sich so schnell wieder gelegt wie sie aufflammte.

Thaddens Marsch auf Bonn

Ist Rudi Dutschke dabei, Adolf von Thadden die Schau zu stehlen? Während die Beamten der Abteilung „Rechts-Observation“ im Bundesinnenministerium prophezeien, die Aktionen linksradikaler Studenten werden die NPD-Anhängerschaft stärken, kommt dem Rechtsführer das Ablenkungsmanöver von der Gegenseite recht gelegen: „Ich bin froh darüber, daß es um die NPD langweiliger geworden ist.

Kummer mit den Rumänen

Der alte Vertrag war gut – warum so schnell einen neuen machen?“ Nicht ohne schalkhaftes Lächeln präsentiert man dem neugierigen Frager aus dem Westen in Bukarest diese Gegenfrage, wenn er sich nach der Erneuerung des sowjetisch-rumänischen Freundschafts- und Beistandspaktes erkundigt.

Paris brüskierte Bonn

Im Hotel de Beauharnais, Rue de Lille No. 78, von 1814 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Sitz der deutschen Botschafter in Paris, feierten erlesene Gäste a mvorigen Sonnabend den „Tag der Reussite“.

Von ZEIT zu ZEIT

In Süd-Vietnam wurde die Großoffensive des Vietcong und Nordvietnams gegen 26 von 44 Provinzstädten, zahlreiche US-Stützpunkte, viele Dörfer und die Hauptstadt Saigon von den Alliierten nur mühsam eingedämmt.

Castro muckte auf

Der rebellische Diktator Fidel Castro hat die kubanisch-sowjetischen Beziehungen abermals arg strapaziert: Das Zentralkomitee der kubanischen KP entfernte kürzlich eine „Mikiofraktion“ von elf Funktionären aus den Spitzen von Partei, Verwaltung, Armee und Industrie.

Wird die „Pueblo“ bald frei?

Der „Pueblo“-Zwischenfall drohte sich Mitte der Woche zu einer koreanischen Doppelkrise auszuweiten: Während die Amerikaner in Panmunjom am 38.

Namen der Woche

Franz Ferring (58), deutscher Botschafter in Südkorea, ist mit neuen Instruktionen nach Seoul zurückgekehrt, um für die aus der Bundesrepublik „verbrachten“ und zu Todes- oder zu hohen Freiheitsstrafen verurteilten Südkoreaner einzutreten.

... und in München

Der Beifall war freundlich, ganz ungestört durch Mißfallenskundgebungen, als das letzte „noch sieben Jahre“ gesprochen war in Max Frischs Spiel vom Lieben und Sterben des Professors Kürmann, des Mannes, der wählen durfte und nicht konnte.

... in Düsseldorf

Jaroslav Dudek, der Gastregisseur aus Prag, der die „Biografie“ im Düsseldorfer Schauspielhaus inszenierte, hatte die Chance genau begriffen, die der Satz in Frischs Nachwort zur Buchausgabe enthält: „Ich habe es als Komödie gemeint.

... in Frankfurt

In Frankfurt führte Harry Buckwitz Regie. Die breite Bühne des Schauspielhauses war von Ekkehard Grübler dekorativ gegliedert worden.

FILMTIPS

„Der zweite Atem“, von Jean-Pierre Melville. Wie klapprige Automaten repetieren ein paar alternde Gangster, was sie ihr Leben lang getrieben haben, und ihre ebenso verbrauchten Darsteller tun’s ihnen darin gleich.

Wer ansagt, muß auch B sagen

Harte Zahlen brachten es endlich an den Tag. Bild wußte Bescheid: „Was? 2000 Mark bloß fürs Ansagen?“ Bild-Leser kochten mit, wie immer, wenn es ums Fernsehen geht, in dieser Sparte spuren sie postwendend.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Friedrich II., Philipp der Schöne, Papst Bonifaz VIII., der Lettner im Naumburger Dom, die Lübecker Marienkirche, Giotto, Thomas von Aquin, Meister Eckart, Adam de la Halle, Wernher der Gärtner, Marco Polo, die ersten Pulverkanonen – das synoptische Bemühen dieser Schallplattenreihe soll dem bildungsbeflissenen Hörer helfen, die „Musik und ihre Zeit“ leichter zu „verstehen“.

ZEITMOSAIK

Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen! Krise ist kein Ausnahmezustand, wäre sie das, würde vorausgesetzt, daß im heilen Zustand alles in der Balance ist.

Programmkiller

Die Rundfunkanstalten erinnern sich wieder ihres chronischen Geldmangels. Mit hohen Investitionen hatten sie in den letzten Jahren fertig zu werden.

Monolog am Telephon

Haben Sie Zeit am nächsten Freitagnachmittag? Heute in acht Tagen? Ich würde Sie dann gern zu einem Damenkaffee mitnehmen. Es handelt sich um einen exklusiven Kreis, Frau Präsident persönlich lädt ein.

Hochbetrieb vor der Idylle

Alle vier Jahre findet in Dresden die „Deutsche Kunstausstellung“ statt, im Albertinum, vor den sorgsam wiederaufgebauten Überresten des „sächsischen Florenz“, der Brühlschen Terrasse, der Schloßkirche, des Zwinger.

Kunstkalender

Eine Retrospektive zum 100. Geburtstag des Architekten, der von der Wiener Sezession nach Darmstadt überwechselte und hier den Jugendstil nach seinen floral wuchernden Anfängen im Sinne einer neuen Tektonik konsolidierte.

Beckett – als Klassiker abgelegt?

Wie ich höre, hat man Samuel Beckett inzwischen in die Rubrik der modernen Klassiker eingeordnet. Das ist meist eine vornehme Art von Beerdigung, die heute also auch schon zu Lebzeiten der Autoren stattfinden kann.

ZU EMPFEHLEN

Barbara Garson: „MacBird“ – Eine dramatische Satire, aus dem Englischen von Ulrich Sonnemann, mit einem Interview mit Barbara Garson und einem Nachwort von Dwight Macdonald; rororo 1037, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek; 124 S.

Historische Damenschicksale

Angélique, unsterblicher als alle Unsterblichen Frankreichs, hat eine Schar von historischen Schwestern aufs Papier gelockt, die wie sie in entweder bezaubernd enthüllenden oder bezaubernd kostbaren Gewändern durch beliebig auswechselbare historische Kulissen und Betten huschen.

Mittelalterliche Kunst und Politik

Die abgebildete Gruppe ist ein Detail von dem Messing-Taufbecken, das der Lütticher Goldschmied("aurifaber") Rainier von Huy zwischen 1110 und 1120 für die Kirche Notre-Dame-des-Fonts gearbeitet hat und das sich heute in der Kirche Saint-Barthélimy in Lüttich befindet.

Jüdisches Musical

Daß der amerikanische Titel "Der Geiger auf dem Dach" nicht beibehalten blieb, ist schade. Der Name des russischen Dorfes Anatevka, in dem die Geschichte spielt, ist doch nur halb so poetisch wie die Idee des berühmten Gemäldes von Chagall, dem die Bühnenbilder nachempfunden wurden.

Fernsehen: Vor Stalingrad verweht die Chaussee

Während die Kamera die Toten und den Schneeschutt, die Deutschen und die Russen an der Wolga zeigt, hört der Betrachter am Bildschirm die Stimme des Führers von damals: Es kommt kein Schiff mehr die Wolga herauf.

Cherchez la femme

Es sei der langweiligste Abend in Höllerers „Dramatischer Werkstatt“ gewesen, meinte ein junger Mann in der mitternächtlichen Podiumsdiskussion.

Vorsicht bei Kunstwerken

Ein besorgtes Schreiben erreichte vor einigen Tagen diese (und nicht nur diese) Redaktion: „Der Bundesverband des deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels e.

Warum kein Euro-Franc?

Noch ist die Gefahr nicht gebannt, daß 1968 zu einem „schwarzen Jahr“ für den Welthandel werden könnte. Die amerikanische Regierung verfolgt weiterhin hartnäckig den Plan, die Regeln des GATT (des internationalen Zoll- und Handelsabkommens) nach ihren Wünschen zu ändern.

Machtkampf der Giganten

Zornig brach es aus Professor Kurt Hansen, dem Vorstandsvorsitzenden der Farbenwerke Bayer, hervor: „Die Dresdner Bank würde sich sehr einseitig eingestellt zeigen, wenn sie das Aktienpaket an die Farbwerke Hoechst verkaufen würde.

Bauernregel

Jeder Versuch, die Agrarpolitik mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes zu begreifen, ist offensichtlich ein vergebliches Unterfangen.

Unausgegoren

Fur den kleinen Mann soll sich das Sparen besser lohnen. Das ist die Grundidee des „Sparbriefs der öffentlichen Hand“, den Bundeswirtschaftsminister Schiller und mit ihm die Bundesregierung in ihrem Jahreswirtschaftsbericht ankündigen.

+ Weitere Artikel anzeigen