Von Gisela Stelly

Seitdem Betty Friedan, amerikanische Soziologin, die Selbstkasteiung der Weiblichkeit propagiert hat (1966 in "Der Weiblichkeitswahn"), schwillt die zeternde Beschimpfung aus Frauenmund für Frauengenesung – sprich Emanzipation – zu einem Chor an, der mittlerweile einem Schwanengesang gleichkommt. Wofür Suffragetten sich einst vor die Pferde warfen, das, so heißt es, ward nur gekostet und dann als verderbliche Speise auf den Abfall geworfen. Von vorgestern wollen die Schwestern wieder sein – so wird gegrollt, und das nur aus: Bequemlichkeit, Sicherheitsbedürfnis, Küche-Koptopf-und-Kind-Gesinnung und manchen Unarten mehr. Oder, so fragt es sich schon verräterisch, ist’s anders gar nicht möglich, kann’s anders gar nicht sein, weil doch Zweitklassigem immer nur der zweite Platz gebührt?

Übergangen werden bei solchen Tatbestandsverzeichnissen meist Überlegungen über die Gründe, die zum Bestehenden geführt haben oder die zumindest geeignet sind, Erklärungswert zu haben. Man braucht nicht besonders gesetzeskundig zu sein, um herauszufinden, was Emanzipation bedeutet – rechtlich. Aber daß die nackten Fakten erst die Basis sind, auf der das Erwachsenwerden der Frau aufzubauen hat, und daß für diese Aufbauarbeit wenig Ansporn gegeben wird, ja, daß diesem Erwachsenwerden täglich trotz vermeintlicher oder tatsächlicher Chance entgegengewirkt wird, das läßt sich nicht verleugnen.

Da ist vor allem das, was man Glück nennt. Mittlerweile ist die bürgerliche Gesellschaft zu der Überzeugung gekommen, daß Frauen a priori glücklich zu sein hätten, daß sie Geschöpfe sind, die durch ihr spezifisches Wesen am ehesten geeignet sind, dieses Gefühl zu entwickeln, für sich in Anspruch zu nehmen und in gesteigerter Form zu vermitteln.

Das zu erfahren und zu verinnerlichen, hat das heranwachsende Mädchen in reichem Maße Gelegenheit. Und für die Erwachsenenbildung stehen Illustrierte, Frauenzeitschriften, Werbung und Kino auf unterschiedlichem Niveau zur Verfügung. Sie machen beizeiten klar, daß, sind Frauen nicht glücklich, an ihnen irgend etwas nicht stimmt, mit ihnen irgend etwas nicht so ganz in Ordnung ist.

Um solche "Unglücksfälle" zu korrigieren, stehen ganze Industriezweige zur Verfügung. Tagtäglich soll der Frau bewußt werden, welch hohe Erwartung die Umwelt an sie stellt.

Im Büro, in der Schule, zu Hause oder auf der Party, stets gilt nur eins: richtig gekleidet, richtig geschminkt zu sein, die richtige Frisur zum richtigen Kleid zu tragen – die Konkurrenz wird auf dem D-Mark-gepflasterten Boden des Konsums ausgetragen. Hausfrauen schließlich haben ein noch umfangreicheres Pensum zu besorgen: den reibungslosen Tagesablauf mit der Garantie unerschöpflicher Fröhlichkeit hinter sich zu bringen. Frühmorgens schon wird das Glück auf das Brot geschmiert, das Glück in Tisch- und Bettuch gezwängt und, für Waschmittel: "Drei Spritzer ins Becken, und die Hausfrau ist glücklich..."