Wirtschaft

Ein schwarzer Januar

uf den besten Dezember, den es je gab, folgte für die deutsche Automobilindustrie der schlechteste Januar seit Jahren.

Zeit spart Geld

Aktionäre des Volkswagenwerks, die ihre Papiere mit Sozialrabatt erworben haben, und Aktionäre der V

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DIE ZEIT

Europa-Zeit für England?

Für die Historiker wird dies vielleicht eines Tages ein Treppenwitz der Europageschichte sein: daß die Briten just zu dem Zeitpunkt ihre Uhren auf die Zeit des Kontinents umstellten, da ihre Hoffnungen zerstoben, schon bald (und das heißt: in wenigen Jahren) als Mitglied in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft aufgenommen werden zu können.

Lübkes Klage

Der leiseste Zweifel, daß Bundespräsident Lübke vielleicht am Bau von Außenlagern des Konzentrationslagers Buchenwald beteiligt war, sei politisch von Übel – so schrieb die ZEIT vor anderthalb Jahren.

Gewußt wann

Der Regierende Bürgermeister hat Glück gehabt, daß das Berliner Verwaltungsgericht das Verbot für die Demonstration am Sonntag aufgehoben hat.

ZEITSPIEGEL

„Der Senat hatte die heutige Demonstration nicht genehmigt, eben weil er mit vollem Recht davon ausging, daß auf Grund vieler Erfahrungen der Umschlag einer friedlich deklarierten Demonstration in Krawall zu erwarten ist.

Halb Trotzki, halb Tschitscherin

Ein graues Haus in Montparnasse, in der Rue le Verrier, wurde vor wenigen Tagen für anderthalb Stunden zum Ort einer Begegnung, die möglicherweise weltpolitische Auswirkungen hat: U Thant traf dort einen Abgesandten Nordvietnams.

Krieg auf der Mattscheibe

Mit siebzehn guckte er weg, als er die ersten toten deutschen Soldaten sah. Mit vierzig mußte er die Kamera hinsehen lassen, als er in Vietnam dem Tod an jeder Straßenecke begegnete.

Wolfgang Ebert:: Bonner Gewaltverzicht

Viele sprechen davon, daß ein Abkommen über Gewaltverzicht zwischen uns und einigen Ostblockstaaten zur allgemeinen Entspannung beitragen würde – aber keiner spricht davon, wie sehr ein Abkommen über Gewaltverzicht zwischen CDU und SPD zur Entspannung in der Bundesrepublik beitragen würde.

KP-Programm neu frisiert

Das Bundesinnenministerium hat den Entwurf des neuen KPD-Programms analysiert. Nach dem Untersuchungsergebnis, das im Informationsdienst "Innere Sicherheit" veröffentlicht wird, enthält der neue Entwurf "keine wesentlichen Änderungen der ideologisch-politischen Grundlagen, der Ziele und der Taktik der KPD".

Was die Kommunisten sagen

Was an dem neuen Programmentwurf besonders auffällt, das liest sich konzentriert in einem Abschnitt so: „Wir Kommunisten sehen unsere geschichtliche Aufgabe darin, mit der Arbeiterklasse und mit allen anderen Werktätigen in der Bundesrepublik für eine sozialistische Gesellschaftsordnung zu wirken und sie zu erringen.

Wiederzulassung der KPD?

Die Regierung Adenauer, die am 22. November 1951 den Antrag gestellt hat, die KP verfassungswidrig zu erklären, hatte sicherlich nicht die törichte Illusion, den sogenannten Marxismus-Leninismus mit gerichtlichen und polizeilichen Mitteln zu unterdrücken, nicht einmal auf dem Gebiet der Bundesrepublik, erst recht nicht dort, wo er mächtig oder gar an der Macht war.

Alte Köpfe unter neuen Perücken

Als er Mitte Februar seine Bewerbung als „Friedenskandidat der mittleren Linie“ für die republikanische Partei anmeldete, trug Harold Stassen auf dem kahl gewordenen Kopf eine leichte Perücke von rötlich-braunem Haar mit schmucken grauen Tupfern drin – wie ihm die Fernsehtechniker geraten hatten.

Schützt auf hartem Kurs

Drei unabhängige Verwaltungsrichter bewahrten Westberlin am vergangenen Wochenende vor einer Katastrophe. Der Senat der Stadt wollte es auf die gewaltigste Straßenschlacht seit Kriegsende ankommen lassen, das Gericht aber ließ ihn nicht gewähren.

Paris: Ein gut drapierter Kompromiß

Je größer der Abstand, desto mehr verstärkt sich der Eindruck, daß bisher die Partie um England von General de Gaulle meisterhaft gespielt worden ist.

Bonn: Das "Arrangement" nimmt Gestalt an

Der Kanzler und sein Außenminister haben in Paris nicht viel erreicht, aber doch mehr, als man in Bonn erwartet hatte. Ein Mitglied der deutschen Delegation meinte, das Verhandlungsergebnis sei "nicht gut, aber auch nicht ungenügend, sondern befriedigend".

London: Melancholie an der Themse

Die offizielle Reaktion in Whitehall auf den Kanzlerbesuch in Paris bestand in illusionslosem Warten auf Staatssekretär Duckwitz, den Abgesandten aus Bonn, und so war die britische Presse ihrer eigenen Kunst der Einschätzung überlassen.

Ihre letzte Weisheit: Knüppel frei?

Werner Kuhlmann ist seit zehn Jahren Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Der heute 47jährige brachte es bis zum Oberkommissar und wurde 1958 der jüngste Gewerkschaftsvorsitzende in der Bundesrepublik.

Veteranen-Verein

Die Kommunisten auf der Bühne des Frankfurter Volksbildungsheims atmeten erleichtert auf. Endlich las ein im Kampf ergrauter Genosse den ultralinken Jung-Revoluzzern, die bis dahin das Rednerpult okkupiert hatten, die Leviten.

Berliner Gegacker

Kürzlich überzeugten sich zwei Damen und 43 Herren des Bundestagsagrarausschusses von den kräftig-roten Kämmen, der reibungslosen Sauberkeit und der für das Wohlbefinden sprechenden Legeleistung der Berliner Silo-Hennen.

Die geteilte Salzwüste

Seit 1966 verhandelte ein Internationales Schiedsgericht in Genf 700 Stunden lang über eine nur von Nomaden bewohnte Salzwüste–den „Rann of Kutch“, den sich die Regierungen in Neu-Delhi und Rawalpindi gegenseitig streitig machten.

Zweiter Schlag des Vietcong

Drei Wochen nach Beginn der kommunistischen Großoffensive holte der Vietcong am Wochenende zum lange erwarteten „zweiten Schlag“ aus.

Kompromiß in Paris

Ein Kanzler, acht Minister, sechs Staatssekretäre, der bayrische Ministerpräsident und eine Schar von Beratern reisten Mitte voriger Woche von Bonn nach Paris.

Nigeria – kein Friede in Sicht

Der acht Monate alte Bürgerkrieg in Nigeria scheint eine entscheidende Phase erreicht zu haben: Während die Kriegsparteien – die Zentralregierung in Lagos unter Generalmajor Gowon und die als Republik Biafra unter Oberstleutnant Ojukwu abgefallene Ostregion – in erbitterten Kämpfen die militärische Entscheidung suchen, werden hinter den Kulissen die Möglichkeiten für eine politische Lösung abgetastet.

Hussein warnte Terroristen

Acht Monate nach dem Nahost-Konflikt wurde der Krieg an der Jordan-Front vorige Woche wieder eröffnet – für acht Stunden. Mit Panzern, Artillerie und Kampfflugzeugen lieferten sich Israelis und Jordanier am Donnerstag das bisher schwerste und verlustreichste Gefecht, bis auf jordanisches Ersuchen die Waffenruhe wieder einkehrte.

Von ZEIT zu ZEIT

Die zweite Angriffswelle des Vietcong und der Nordvietnamesen erreichte nicht die Stärke der Neujahrsoffensive. Die USA entschuldigten sich in Panmunjon für die unbeabsichtigte Verletzung nordkoreanischen Luftraums durch zwei amerikanische Flugzeuge.

Namen der Woche

Josef Bücker (41), Regierungsdirektor und CDU-Mitglied, wurde von seiner Tätigkeit als Assistent des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Klärung der Affäre um den Schützenpanzer HS 30 vorläufig entbunden.

Die Revolutionäre unter uns

Daß plötzlich auch in der Bundesrepublik eine Sozialrevolutionär gesonnene Neue Linke auf den Plan getreten ist, die gleichwohl nicht „vom Osten gesteuert“ wird und für den verspießerten Sozialismus der Ostblockstaaten nur Verachtung bekundet; daß sich unerwartet als eine radikale Infragestellung der Gesellschaft präsentiert, was zunächst nichts weiter als eine gewisse Unzufriedenheit einiger respektloser Studenten mit ihren Hochschulen schien; daß für einen Nachmittag der Kurfürstendamm in ein Meer von rot-blauen Fahnen verwandelt werden konnte – die Gesellschaft hat es tief verstört.

Der Weg in den Widerstand

Viele, die den Sozialistischen Deutschen Studentenbund als den Anfang vom Untergang der Demokratie anfeinden, wissen nicht, daß SPD-Fraktionschef Helmut Schmidt einer der Mitbegründer des Verbandes war; und daß als ehemalige Bundesvorsitzende zum Beispiel MdB Ulrich Lohmar, der Generalsekretär für deutsche Entwicklungshilfe Johannes Reinhold und – Ironie der Geschichte! – der Berliner Innensenator des Sommers 1967, Wolfgang Büsch, fungierten.

FILMTIPS

„Ein Liebesfall“ (Ljubavni slucaj ili tragedija sluzbenice PTT), von Dusan Makavejev. Die Geschichte einer sehr gewöhnlichen Liebe, kraß wie eine Mordnachricht im Boulevardblatt.

Jupiter und der Ehekrüppel

Nachdem mehrere Stücke von Peter Hacks an westdeutschen Bühnen nachgeholt sind, zeigte Göttingen jetzt eine Uraufführung. Hacks’ „Amphitryon“ stellt sich bewußt in die Reihe Plautus – Molière – Dryden – Kleist, Der Ostberliner Autor gesteht, deren „Ergebnisse zu übernehmen“ und zu versuchen, „diese Vorzüge in einem Stück zu vereinigen“.

ZEITMOSAIK

Schlimmes ist nach Meinung von Alfredo Kardinal Ottaviani passiert: „Nach der Audienz für Adshubej haben die italienischen Kommunisten eine Million Stimmen mehr erhalten“, erklärte der Kirchenfürst dem italienischen Magazin Il Borghese.

Ich vergleiche

Vor einiger Zeit schickte mir eine Freundin zusammen mit anderen Zeitungsausschnitten aus Deutschland Artikel, die ich begierig verschlang: „Eine Japanerin in Deutschland.

Ich antworte

Da ist eine junge Dame aus Japan gekommen, um die Klischeevorstellungen vom deutschen Spießbürgertum bestätigt zu finden. Zum feschen rosaroten Hosenanzug trägt sie eine graue Brille und Scheuklappen, die ihr Vorhaben wesentlich erleichtern .

Stücke gesucht

Günther Penzoldt, ab nächster Spielzeit Intendant des Stadttheaters in Baden-Baden, hat einen Einakter-Wettbewerb ausgeschrieben, letzter Einsendungstermin: 31.

Wirbel um die Cinematheque

Zwischen André Malraux und der alten und neuen Avantgarde des französischen Films ist eine Fehde ausgebrochen, in deren Lärm eine Frage keine Antwort mehr findet: ob de Gaulles Kulturminister sie provozierte oder ob er von ihr überrascht wurde.

Deutsch für Fortgeschrittene

Wer inzwischen glauben möchte, die deutschen Hochschulen seien nur noch staatlich geförderte Einrichtungen zur lärmenden gegenseitigen Belästigung von Professoren und Studenten, der irrt sich.

Endspiele ohne Ende

Es hat lange gedauert. Aber endlich beginnen die deutschen Theater sich doch noch für Fernando Arrabal zu interessieren. Die eindrucksvolle Inszenierung seines „Labyrinths“ auf der letzten „Experimenta“, seine Erfolge in Paris, vielleicht auch seine Inhaftierung in Spanien, die ihm viele Sympathien einbrachte, wecken offenbar die deutschen Dramaturgen aus ihrem Schlummer.

Kunstkalender

Die Gründung der Gruppe im Juli 1960 in Paris fiel zeitlich zusammen mit der Entstehung der "Neuen Tendenzen", einer internationalen Künstlergruppe.

Der Neinsager

Im Jahre 1936 wurde der repräsentative Kopf des neopositivistischen Wiener Kreises, Ordinarius Moritz von Schlick, in der Aula der Wiener Universität erschossen.

Die Kunst ist frei...

Schon das Zeitwort „ist“ hat seine Tücken. Es beschreibt keinen Zustand: Natürlich ist die Kunst nicht frei, sie war es noch nie – von allen Seiten ist sie eingeengt und bedroht.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT eine von den frühesten Anfängen (im fünfzehnten Jahrhundert) bis ins zwanzigste Jahrhundert reichende Darstellung des Themas, bei der natürlich vor allem die (hervorragend reproduzierten) Abbildungen zählen; der gar nicht populär, sondern sehr wisschenschaftlich gehaltene Begleittext ergänzt recht ausführlich die einzelnen Kapitel (aber ersetzt durchaus nicht einen einleitenden Essay, der dem Buch nicht geschadet und dem nicht auf dieses Thema spezialisierten Leser genützt hätte).

Ist Brecht noch provokativ?

Ist Brecht ein Klassiker? Sicherlich. Seinen 70. Geburtstag beging man feierlich in Frankfurt und in Ostberlin. Im Berliner Ensemble hütet man sein Vermächtnis für die Bühne, Modellbücher und Notate und manche Anekdote über den Meister.

Klänge und Klagen

Die Uraufführung hatte fast gottesdienstlichen Charakter, man beging mit ihr die Siebenhundertjahrfeier des Doms in Münster, der Apostolische Nuntius, drei Bischöfe und das Domkapitel saßen in vollem Ornat im Chorgestühl: Krzysztof Pendereckis „Lukas-Passion“ machte vergessen, daß die katholische Kirchenmusik bislang notorisch hinter ihrer Zeit herhinkte, der liturgische Raum und eine fast liturgische Funktion gaben dem Werk damals, vor zwei Jahren, einen doppelten (und für manchen doppelt suspekten) Charakter – eines theologischen Bekenntniswerkes und eines überwältigenden Klangereignisses.

Monks Schauspiel-Pläne

Mehr als Pläne, Ansichten, Absichten und Meinungen könne er nicht bieten, sagte Egon Monk, der künftige Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg auf seiner ersten Pressekonferenz; Versprechungen könnten erst ab 1.

Fernsehen: Warum Rebellion

Richtig war es und wohlüberlegt, daß das Zweite Deutsche Fernsehen in der Sendung Zur Sache den Blick von den himmelwärts, den Bombenflugzeugen entgegenstarrenden Augen, von den Kadavern und Krüppeln weglenkte und im Rahmen einer kühlen Analyse die Geschichte des Vietnam-Kriegs darstellen ließ.

Gefahr aus der Dunkelkammer

Mit jedem verkauften Silberlöffel verliert die Württembergische Metallwarenfabrik in Geislingen an der Steige bares Geld. Sie kassiert dafür zwar 16,50 Mark, muß aber allein für die in einem Löffel enthaltenen 65 Gramm Silber 16,90 Mark bezahlen, wenn man einen Silberpreis von rund 260 Mark je Kilogramm zugrunde legt.

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